17.06.2022rss_feed

ISN-Mitgliederversammlung: Wie sieht die Zukunft der Schweinehaltung in Deutschland aus?

Rund 250 ISN-Mitglieder und Gäste hatten am Dienstag den Weg in die Osnabrücker Stadthalle gefunden ©ISN

Rund 250 ISN-Mitglieder und Gäste hatten am Dienstag den Weg in die Osnabrücker Stadthalle gefunden ©ISN

Die diesjährige Mitgliederversammlung der ISN stand ganz im Zeichen der inzwischen seit über zwei Jahren andauernden und in diesem Ausmaß noch nie dagewesenen Vielfachkrise und somit auch der Frage, wie es in Zukunft mit der Schweinehaltung in Deutschland weitergehen wird. Rund 250 ISN-Mitglieder und Gäste hatten am Dienstag den Weg in die Osnabrücker Stadthalle gefunden, um sich zu informieren, auszutauschen und um mitzudiskutieren.

 

Explodierende Futterkosten, finanzielle Verluste und fehlende Perspektive – Wie geht es mit der Schweinehaltung in Deutschland weiter? Und konkret: Was macht die Politik? Was macht der Futtermittelmarkt? Für eine Einschätzung dieser Entwicklungen stellten sich auf der ISN-Mitgliederversammlung am vergangenen Dienstag Silvia Bender, die Staatsekretärin aus dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), Dr. Dirk Köckler, Vorstandsvorsitzende der Agravis Raiffeisen AG, Heribert Qualbrink von der Westfleisch und ISN-Vorsitzender Heinrich Dierkes den rund 250 angereisten ISN-Mitgliedern und Gästen der Diskussion.


Für die Staatssekretärin Silvia Bender steht fest: Es führt kein Weg daran vorbei, den Fleischkonsum in Deutschland zu reduzieren bzw. zu halbieren, um die Klimakrise in den Griff zu kriegen ©ISN

Für die Staatssekretärin Silvia Bender steht fest: Es führt kein Weg daran vorbei, den Fleischkonsum in Deutschland zu reduzieren bzw. zu halbieren, um die Klimakrise in den Griff zu kriegen ©ISN

Gesamtpaket ohne konkrete Lösungswege – Bender lässt Zielkonflikte offen

Die Pläne der Bundesregierung für die Schweinehalter stellte Silvia Bender in ihrem Impulsvortrag vor. Konkret wurde die Staatssekretärin bei der Vorstellung eines Gesamtpakets für die Tierhaltung, bestehend aus 4 Bestandteilen: Einer staatlichen Tierhaltungskennzeichnung, die nach den nun geplanten ersten Schritten im nächsten Jahr auf den Außer-Haus-Bereich und Verarbeitungsware ausgeweitet werde, verbesserten Tierschutzregelungen, Änderungen im Bau- und Genehmigungsrecht sowie ein Finanzierungskonzept mit langfristiger Perspektive. In der ersten Lesung nach der Sommerpause wolle das BMEL diese Punkte aufnehmen. Offen ließ Bender allerdings, mit welchen Lösungsansätzen die Bundesregierung bestehenden Problemen und Hürden bei ihren Plänen begegnen wollen.

 

Weniger Tiere besser halten

Tierhaltung muss und soll es in Deutschland weiter geben. Wir müssen sie zukunftsfähig und krisenfest machen, stellte Bender heraus. Dem BMEL ginge es zielgerichtet darum, weniger Tiere besser zu halten und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass Landwirte genauso viel oder mehr Geld mit weniger Tieren verdienen. Für Bender führe generell kein Weg daran vorbei, den Fleischkonsum in Deutschland zu reduzieren bzw. zu halbieren, um die Klimakrise in den Griff zu kriegen. Langfristig wolle ihr Haus eine pflanzenbasierte Ernährung verankern.


"Wenn tierhaltende Betriebe eine Gesetzesänderung umsetzen müssen, dann müssen sie das auch dürfen! Momentan haben sie gar keine Chance dazu", macht ISN-Geschäftsführer Dr. Torsten Staack deutlich ©ISN

"Wenn tierhaltende Betriebe eine Gesetzesänderung umsetzen müssen, dann müssen sie das auch dürfen! Momentan haben sie gar keine Chance dazu", macht ISN-Geschäftsführer Dr. Torsten Staack deutlich ©ISN

ISN: Genug ist genug

Mit Blick auf die fehlenden verbindlichen Zusagen von Bender auf die im Rahmen der Veranstaltung angesprochenen Probleme wies ISN-Geschäftsführer Dr. Torsten Staack die Staatssekretärin mit deutlichen Worten darauf hin, dass insbesondere Sauenhalter durch die novellierte Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung vor dem Problem stehen, bis 2026 Umbaukonzepte für den Umbau ihrer Betriebe vorzulegen zu müssen, obwohl sie neben den finanziellen Problemen auch auf ungelöste und kaum überwindbare Hürden bei der Umbaugenehmigung treffen. Wenn tierhaltende Betriebe eine Gesetzesänderung umsetzen müssen, dann müssen sie das auch dürfen! Momentan haben sie gar keine Chance dazu. Eine Genehmigung für den Umbau zu bekommen ist nahezu aussichtslos. Aus der letzten Legislaturperiode sind noch viel zu viele Neuregelungen offen, die noch gar nicht bis zum Ende durchdekliniert sind, mahnte Staack und forderte: Solange dieser Widerspruch besteht, muss man diese Regelungen außer Kraft setzen.


"Solange die Politik keine Lösungsansätze für den Umbau der Tierhaltung liefert, sprechen unsere Koteletts immer mehr spanisch", verbildlichte Dierkes die Abwanderung der deutschen Schweinehaltung ©ISN

"Solange die Politik keine Lösungsansätze für den Umbau der Tierhaltung liefert, sprechen unsere Koteletts immer mehr spanisch", verbildlichte Dierkes die Abwanderung der deutschen Schweinehaltung ©ISN

Ohne politischen Handlungswillen sprechen Koteletts immer mehr spanisch

Ein Schweinehalter aus dem Publikum macht seine Sorge um die Nachfolge seines Betriebes aufgrund der blockierenden und demotivierenden Auflagen deutlich und richtete sich an Frau Bender: Was soll ich meinem Nachfolger im Betrieb bei den Auflagen erzählen? Junge Leute gehen auf Grundeis Er stelle fest, dass die nächste Generation keine Lust mehr hat und angesichts der Summe an Auflagen und fehlendem Rückenwind von der Politik und sich anderen Wirtschaftsbereiche zuwendet.

Auch ISN-Vorsitzender Heinrich Dierkes bemängelte den fehlenden politischen Handlungswillen in Berlin. Das Paradoxe ist, dass die Politik mit aller Gewalt die Tierbestände reduzieren will und dabei genau jene Familien­betriebe unwiederbringlich zum Ausstieg treibt, die sie eigentlich für die Weiterentwicklung der Tierhaltung behalten will, legt Heinrich Dierkes den Finger in die Wunde. Solange die Politik keine Lösungsansätze für den Umbau der Tierhaltung liefert, sprechen unsere Koteletts immer mehr spanisch, verbildlichte Dierkes die Abwanderung der deutschen Schweinehaltung.


Dr. Dirk Köckler, Vorstandsvorsitzender der Agravis stellte beim Thema Trog-Teller unter anderem die Rolle des Schweins als Resteverwerter heraus ©ISN

Dr. Dirk Köckler, Vorstandsvorsitzender der Agravis stellte beim Thema Trog-Teller unter anderem die Rolle des Schweins als Resteverwerter heraus ©ISN

Agravis: Fakten müssen bei Trog-Teller-Diskussion im Vordergrund stehen

Einer weiteren, spannenden Diskussion – nämlich der um Trog oder Teller – widmete sich der Vorstandsvorsitzende der Agravis, Dr. Dirk Köckler. Er versicherten den Anwesenen, dass Nutztiere zukünftig theoretisch ohne Weizen gefüttert werden könnten. Der Anteil von Weizen im Mischfutter der Agravis liege bei rund 10 %, wobei es sich um Futterweizen handelt, welcher in der Regel schlechte Backqualitäten ausweist. In den Trog gehören nach seiner Auffassung Gerste, Roggen und Triticale - Produkte, die für den menschlichen Verzehr ungeeignet seien und so könne man Weizenanteil auf dem Teller erhöhen. Außerdem stellte er die Rolle des Schweins als Abfallverwerter heraus und forderte, den Stellenwert von Abfallprodukten in der Schweinefütterung wieder zu erhöhen.  Damit dies gelinge, werde Agravis ein breites Spektrum an Nebenprodukten mit einem hohen Maß an Flexibilität in den Betrieben einsetzen.

 



Hier  sehen Sie noch einige Bilder von der Mitgliederversammlung

Der Redebedarf unter den Mitgliedern und Gästen  im Vorfeld der Versammlung war groß

Der Redebedarf unter den Mitgliedern und Gästen im Vorfeld der Versammlung war groß


Heinrich Dierkes bei seiner Eröffnungsrede

Heinrich Dierkes bei seiner Eröffnungsrede


Auf dem Podium diskutierten Silvia Bender, die Staatsekretärin aus dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), Dr. Dirk Köckler, Vorstandsvorsitzende der Agravis Raiffeisen AG, Heribert Qualbrink von der Westfleisch und ISN-Vorsitzender Heinrich Dierkes unter der Moderation von Dr. Karl-Heinz Tölle.

Auf dem Podium diskutierten Silvia Bender, die Staatsekretärin aus dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), Dr. Dirk Köckler, Vorstandsvorsitzende der Agravis Raiffeisen AG, Heribert Qualbrink von der Westfleisch und ISN-Vorsitzender Heinrich Dierkes unter der Moderation von Dr. Karl-Heinz Tölle.


Bericht des ISN-Geschäftsführers Dr. Torsten Staack

Bericht des ISN-Geschäftsführers Dr. Torsten Staack


Impulsvortrag des Vorstandsvorsitzenden der Agravis, Dr. Dirk Köckler

Impulsvortrag des Vorstandsvorsitzenden der Agravis, Dr. Dirk Köckler


Silvia Bender diskutierte auf dem Podium

Silvia Bender diskutierte auf dem Podium


Diskussion auf dem Podium

Diskussion auf dem Podium


Ausklang der Mitgliederversammlung

Ausklang der Mitgliederversammlung


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