08.06.2015 rss_feed

ISN und Landwirtschaftsminister Meyer unterzeichnen gemeinsames Eckpunktepapier zur Tierwohlförderung in Niedersachsen

Bei der Unterzeichnung des Eckpunktepapieres: v.l. Bartels (AEF), Meyer, Dierkes (ISN) (Quelle: ML Niedersachsen)

Bei der Unterzeichnung des Eckpunktepapieres: v.l. Bartels (AEF), Meyer, Dierkes (ISN) (Quelle: ML Niedersachsen)

Nach rund zweijähriger heftigster Auseinandersetzung zwischen Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer und der ISN um das Thema Schwänzekupieren und Ringelschwanzprämie wurde heute in Hannover ein gemeinsames Eckpunktepapier für eine effektive und praktikable Tierwohlförderung im Hinblick auf den Verzicht auf das routinemäßige Schwanzkupieren beim Schwein unterzeichnet. Dritter Unterzeichner des Eckpunktepapieres ist das Agrar-und Ernährungsforum Oldenburger Münsterland.

 

Äußerte sich Minister Meyer noch vor einem Jahr in einer Pressemeldung, dass mit dem Kupieren der Schwänze Ende 2016 Schluss sei, so erkennt er nun an, dass ein Kupierverzicht nicht einfach nur mit dem Umlegen eines Schalters zu erreichen ist. Trotz vieler Bemühungen, auf das Schwänzekupieren bei Schweinen zu verzichten, gibt es hierfür noch keine Patentlösung. Diese zu finden, ist eine Herkulesaufgabe, die nur gelingen wird, wenn alle Aktivitäten der Tierhalter, der Wirtschaft und der Politik in die gleiche Richtung laufen, bringt der ISN-Vorsitzende Heinrich Dierkes die Situation auf den Punkt.


ISN-Vorsitzender Heinrich Dierkes

ISN-Vorsitzender Heinrich Dierkes

Wichtige Fragen an den ISN-Vorsitzenden Heinrich Dierkes

Ist der Tierschutzplan Niedersachsen mit dem Eckpunktepapier nun überflüssig?

Dierkes: Nein, genau im Gegenteil - Einer der wichtigsten Punkte im Eckpunktepapier ist die Verknüpfung zum Tierschutzplan. Uns ist es ja gerade wichtig, dass die jeweiligen Erkenntnisse aus der Tierwohlförderung, ebenso wie die aus den Projekten und der Praxis die Basis für Entscheidungen beim Thema Kupierverzicht bilden. Ich möchte hier noch einmal betonen, es geht hier um ein Eckpunktepapier, in dem die Voraussetzungen beschrieben sind, mit der eine Tierwohlförderung praktikabel und effektiv sein kann, um in der Frage Kupierverzicht nun endlich zu Lösungen zu kommen. Diese Herangehensweise ist grundlegend anders im Vergleich zu den Erklärungen zum Kupierverzicht in Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein mit festen Ausstiegsszenarien. Genau deshalb ist das Eckpunktepapier richtungsweisend. Wir erwarten eine große Strahlkraft in andere Regionen und auf die Bundesebene.

 

Herr Dierkes, ist die ISN nun eingeknickt?

Dierkes: Im Gegenteil, wir haben immer wieder bekräftigt, dass wir uns als ISN ernsthaft um praktikable Lösungen bemühen. Wir haben aber in der Vergangenheit auch immer wieder deutlich gemacht, dass es keine Pauschallösungen gegen Schwanzbeißen gibt und ein Kupierverzicht von heute auf morgen katastrophale Auswirkungen hätte. Wie schon beschrieben, gehört mehr dazu als das Umlegen eines Schalters. Zudem haben wir sehr deutlich gemacht, dass eine Ringelschwanzprämie ohne Gesamtkonzept fatale Folgen für das Tierwohl hätte und darüber hinaus den Strukturwandel massiv vorantreiben würde. Zu diesen Aussagen stehen wir auch weiterhin mit voller Überzeugung. Genau das findet sich auch im Eckpunktepapier wieder.

   

Und deshalb das gemeinsame Eckpunktepapier?

Dierkes: Eben deshalb - in dem Eckpunktepapier haben wir uns auf wichtige Voraussetzungen für eine praktikable Tierwohlförderung geeinigt. So steht auch in dem Eckpunktepapier glasklar, dass es kein Patentrezept zum Verhindern von Schwanzbeißen gibt und dass auf das Kupieren nur verzichtet wird, wenn es dadurch nicht zu mehr Tierleid kommt. Zudem ist man bei den  Vorgaben für eine Ringelschwanzprämie auf unsere Bedenken eingegangen und hat diese entsprechend angepasst. Das heißt, es gibt nun umfangreiche Voraussetzungen für jeden, der die Ringelschwanzprämie erhalten möchte. Mittlerweile passt der Begriff ganzheitliche Tierwohlförderung auch weit besser als der ursprüngliche Name Ringelschwanzprämie.
Wir sind froh, dass der Minister inzwischen anerkennt, dass ein genereller Kupierausstieg von heute auf morgen nicht möglich ist. Deshalb begrüßen wir auch ausdrücklich, dass sich Minister Meyer mit diesem Eckpunktepapier und den Anpassungen der Förderrichtlinien auf uns zu bewegt hat.

 

Wie geht es jetzt weiter?

Dierkes: Jetzt muss die Umsetzung der im Eckpunktepapier genannten Voraussetzungen auch von allen Seiten mit Leben gefüllt werden. Praktikable Lösungen wird es nur geben, wenn alle aus Landwirtschaft, Wirtschaft und Politik an einem Strang ziehen. Wir haben uns in dem Eckpunktepapier klar dazu bekannt, hierzu weiterhin konstruktiv unseren Beitrag zu leisten.


Einige wichtige Aussagen aus dem Eckpunktepapier:

 

Ein allgemeines Patentrezept (Anmerkung der Redaktion: gegen Schwanzbeißen) gibt es nicht und bei der Erarbeitung der einzelbetrieblichen Lösungen ist ein begleitendes ganzheitliches Beratungskonzept der Betriebe von größter Wichtigkeit.

 

Auch eventuelle Auswirkungen auf bestehende Marktstrukturen sind aufgrund der komplexen Zusammenhänge und der zu erwartenden Effekte in der gesamten Wertschöpfungskette zu untersuchen.

 

Alle Beteiligten bekräftigen, die Ziele und Prozesse des niedersächsischen Tierschutzplanes im Hinblick auf den schnellstmöglichen Verzicht auf nicht-kurative Eingriffe mit großer Ernsthaftigkeit und Überzeugung zu unterstützen. Das ML wird nur Maßnahmen umsetzen, die zu einer Verbesserung des Tierschutzes führen.

 

Eine konzeptionelle und inhaltliche Fortschreibung der im Tierschutzplan definierten Ziele und Zeithorizonte erfolgt unter Berücksichtigung der Erkenntnisse der in diesem Papier behandelten Fördermaßnahmen.



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