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Hitzestress im Schweinestall: Worauf es jetzt bei der Stallklimaeinstellung ankommt

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Da Schweine kaum schwitzen können, reagieren sie extrem empfindlich auf hohe Temperaturen und sind bei der Wärmeabgabe auf ihre Atmung angewiesen. Wird es im Stall zu heiß, sinkt die Futteraufnahme und der Kreislauf der Tiere gerät schnell an seine Grenzen. Doch wie lässt sich das Stallklima rein über die Lufttechnik regulieren, wenn eine Lüftungsanlage nicht aktiv kühlen kann?

Im Interview erklärt Ulrich Hartmann, Referent für Bau- und Verfahrenstechnik in der Schweinehaltung der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, warum die rechtzeitige Anpassung von Sommerkurven, Solltemperaturen und Luftgeschwindigkeiten jetzt entscheidend ist. Er zeigt auf, welche biologischen Warnsignale Halter im Auge behalten müssen, warum die Luftfeuchtigkeit bei Kühlmaßnahmen zur Gefahr werden kann und mit welchen handfesten Kniffen sich zusätzliche Wärmeeinträge im Stall sofort und ohne große Investitionen vermeiden lassen.


Was muss bei der Steuerung des Stallklimas bei hohen Temperaturen beachtet werden?

Bei hohen Temperaturen muss das Stallklima so gesteuert werden, dass die von den Tieren erzeugte Wärme zuverlässig abgeführt wird, ohne im Tierbereich störende Zugluft zu verursachen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass eine Lüftungsanlage die Stallluft nicht aktiv kühlen kann, sondern lediglich Außenluft austauscht. Die erreichbare Stalltemperatur ist daher maßgeblich von der Außentemperatur abhängig. Solltemperatur, Regelbereich, Maximallüftung und Sommerkurve sollten deshalb rechtzeitig an die warme Jahreszeit angepasst werden. Diese Anpassungen sollten möglichst frühzeitig erfolgen, damit sich die Tiere schrittweise an höhere Temperaturen gewöhnen können. Bleiben die Temperaturen auch nachts hoch, kann es sinnvoll sein, die Solltemperatur etwas anzuheben und den Regelbereich zu vergrößern, damit die Lüftung in den Ruhephasen der Tiere nicht unnötig hohe Luftgeschwindigkeiten erzeugt. Umgekehrt sollte auch eine zu rasche Abkühlung des Stallklimas vermieden werden, da starke Temperatur- oder Luftgeschwindigkeitsänderungen die Atemwege der Tiere belasten und Husten begünstigen können. Falls vorhanden, sollten Absenkautomatiken entsprechend berücksichtigt werden. Ebenso wichtig ist eine möglichst kühle Frischluftansaugung, denn aufgeheizte Dachräume oder andere wärmebelastete Bereiche bringen zusätzliche Wärme in den Stall. Neben den Einstellungen des Klimacomputers sollten deshalb auch Luftführung, Luftgeschwindigkeit sowie die Sauberkeit und Funktionsfähigkeit der gesamten Lüftungsanlage regelmäßig überprüft werden.

 

Welche Maßnahmen lassen sich ohne große Investitionen ergreifen, um die Stalltemperatur zu senken?

Ohne große Investitionen lassen sich vor allem Maßnahmen umsetzen, die zusätzliche Wärmeeinträge verhindern und die vorhandene Lüftung wirksamer machen. Dazu gehören die Reinigung und Freihaltung von Zu- und Abluftwegen, das Entfernen von Staub und Verschmutzungen an Ventilatoren, Klappen und Gittern sowie die Vermeidung von Luftansaugung aus aufgeheizten Bereichen. Ebenso wichtig ist der Schutz vor direkter Sonneneinstrahlung, zum Beispiel durch Abdunklung von Fenstern oder anderen lichtoffenen Bereichen. Unter geeigneten Bedingungen kann ergänzend auch eine Verdunstungskühlung helfen, etwa durch kurze Sprühintervalle oder eine Berieselung der Dachfläche. Voraussetzung ist jedoch, dass Temperatur und Luftfeuchtigkeit eine wirksame Verdunstung zulassen.

 

Wann wird es im Stall für die Schweine kritisch und woran erkennt man das?

Klimatechnisch kritisch wird es, wenn die Stallluft über längere Zeit zu warm bleibt, die Tiere ihre Wärme nicht mehr ausreichend abgeben können und die Lüftung diese Belastung nicht mehr ausgleichen kann. Besonders aufmerksam sollte man werden, wenn die Schweine schneller atmen, hecheln, weniger fressen oder sich auffällig verhalten. Auch ein verändertes Liegeverhalten, Unruhe, eine erhöhte Wasseraufnahme, Kondenswasser, feuchte Flächen oder eine insgesamt schlechte Luftqualität können Hinweise darauf sein, dass das Stallklima an seine Grenzen stößt.

 

Bei der Kühlung im Stall spielt das Zusammenspiel von Temperatur und Luftfeuchtigkeit eine entscheidende Rolle. Welche Gefahren lauern hier, und wie reagiert man?

Bei Kühlmaßnahmen mit Wasser muss die relative Luftfeuchte immer mitgedacht werden. Je trockener die Luft ist (Heuwetter), desto besser funktioniert die Verdunstungskühlung. Unter etwa 60 Prozent relativer Luftfeuchte funktioniert Verdunstungskühlung am besten, bis rund 70 Prozent kann sie noch sinnvoll eingesetzt werden. Ab ungefähr 80 Prozent wird es kritisch, weil die Schweine ihre Wärme dann nur noch schwer über die Atmung abgeben können. Die Gefahr besteht darin, dass zusätzliche Befeuchtung die Luft zwar scheinbar kühlt, die Tiere aber durch die hohe Feuchte am Ende stärker belastet werden. Da Schweine kaum schwitzen können, geben sie überschüssige Wärme vor allem über die Atmung ab. Ist die Luft bereits stark mit Feuchtigkeit gesättigt, wird dieser Mechanismus zunehmend eingeschränkt. Deshalb sollte Sprüh- oder Verdunstungskühlung nur gezielt eingesetzt und bei steigender Luftfeuchtigkeit wieder reduziert oder abgeschaltet werden.

 

Wie müssen Alarmanlagen und technische Kontrollen im Hochsommer angepasst werden?

An extrem heißen Tagen müssen Alarmanlagen und Temperaturgrenzwerte auf die Sommerlage abgestimmt werden. Da die Stalltemperaturen dann oft ohnehin länger über dem normalen Soll liegen, darf die Alarmgrenze nicht zu niedrig gesetzt sein, sonst kommt es zu dauernden Fehlalarmen; gleichzeitig muss sie so gewählt werden, dass bei einem echten Problem wie Lüftungsausfall, Stromausfall oder blockierten Luftwegen sofort gewarnt wird. Deshalb gehören im Hochsommer regelmäßige Kontrollen von Ventilatoren, Klappen, Temperaturfühlern, Alarmanlage und Notstromversorgung unbedingt dazu. Auch Alarmweiterleitung und Signalgeber sollten regelmäßig auf ihre Funktion überprüft sowie das Notstromaggregat durch einen Probelauf getestet werden. Und nach dem Ende einer solchen Hitzeperiode darf natürlich nicht vergessen werden, die Einstellungen der Alarmgrenzen wieder auf den Normalbetrieb zurückzusetzen.

 


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