09.03.2018 rss_feed

Hauspreise: Unverhältnismäßiges Agieren bei Tönnies und Westfleisch

Überzogene Reaktion von Tönnies und Westfleisch

Überzogene Reaktion von Tönnies und Westfleisch

Wer hat den Trumpf in der Hand? Diese Frage stellt man sich beim Betrachten der aktuellen Situation auf dem Schlachtschweinemarkt. Marktführer Tönnies, aber auch das genossenschaftliche Schlachtunternehmen Westfleisch zahlen in dieser Schlachtwoche Hauspreise in Höhe von 1,47 €/kg SG, also zwei Cent unter VEZG-Notierung. Westfleisch-Vertragslieferanten erhalten 1,48 €. Andere Schlachtunternehmen akzeptieren das aktuelle Notierungsniveau von 1,49 €.

 

Nachdem die Erzeugerseite auf die knappe Versorgungslage am Lebendmarkt mit einem leicht überzogenen Notierungsanstieg reagierte, folgt die Retourkutsche nun gleich in vielfacher Ausführung. Bereits in der Vorwoche reduzierten vor allem Tönnies, aber auch die Westfleisch die Schlachtungen, während Vions Mittel der Wahl ein Hauspreis war. In dieser Woche geht allerdings letzteres Unternehmen wieder zur Tagesordnung über und verhält sich ruhig.

 

Ein Preisanstieg von insgesamt 25 Cent seit Ende Januar missfällt den Schlachtunternehmen. Dass ein Anstieg der Einkaufspreise in dieser Höhe im Verkauf nicht so einfach umzusetzen ist, ist sogar für die Erzeugerseite nachvollziehbar. Beim Anstimmen des Klageliedes um das aktuelle Preisniveau vergisst die rote Seite offenbar, dass das Ausgangspreisniveau von 1,30 € im Januar nach einer Phase massiven Preisdrucks aus dem Hause Tönnies entstand. Die vorausgegangenen Preisrückgänge waren deutlich überzogen, so dass die Notierung in den letzten Wochen deutlich anziehen musste.

 

Hauspreise: Belastungsprobe für alle Marktteilnehmer

Hauspreise der Schlachtunternehmen sind immer eine Belastungsprobe für alle Marktteilnehmer und werden daher immer wieder gerne und erfolgreich als Druckmittel verwendet. Nach einer Phase stark gestiegener Preise kommt dieses Muskelspiel nicht unvermittelt. Nein, es gehört inzwischen leider zum Erfahrungsschatz der Marktteilnehmer.

 

Dass nun auch die Westfleisch in den Wettbewerb um den Posten als Hauspreiskönig einsteigt, ist verwunderlich. Wer sich auf der Website des genossenschaftlichen Unternehmens umschaut, stößt an vielen Stellen auf Solidaritätsbekundungen mit den Erzeugern. Auch bei Tönnies wird gerne die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Erzeugern betont.

 

Unsere Vorstellung von Partnerschaft und Fairness ist jedoch eine andere.

 

Will man ein Exempel statuieren? Einen möglicherweise geringfügig überzogenen Preisanstieg derartig abzustrafen, ist völlig unverhältnismäßig. Die Enttäuschung der Erzeuger sitzt tief. Zudem erweist sich die rote Seite mit diesem Vorgehen einen Bärendienst, der sich bereits jetzt auf dem Fleischmarkt zeigt. Die in den zurückliegenden Wochen nicht umgesetzten Preisanstiege im Verkauf jetzt umzusetzen, dürfte für die Schlachtunternehmen schwer werden.

 

Es gilt weiterhin: Augen auf bei der Wahl der Abnehmer!

 

 



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