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Handlungsbedarf - Studie sieht Hinweise auf Tierschutzdefizite bei der Nottötung

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Die Tierärztliche Hochschule Hannover untersucht Schweine an verschiedenen Tierkörperbeseitigungs­anstalten und findet zahlreiche Hinweise auf Tierschutzvergehen beim Umgang mit kranken und verletzten Tieren sowie bei der Umsetzung von Nottötungen. Die Neue Osnabrücker Zeitung berichtet in ihrer heutigen Printausgabe.

ISN: Hier gibt es nichts zu beschönigen, Landwirte und auch ihre Hoftierärzte sind in der Pflicht, Defizite zu beseitigen. 

 

Hohe Zahl an auffälligen Tieren

Unter dem Titel: Das verborgene Schicksal der Schweine berichtet heute die Neue Osnabrücker Zeitung (NOZ) über die Studie an der Tierärztlichen Hochschule Hannover. Es geht um die Untersuchung von verendeten bzw. notgetöteten Schweinen in mehreren Tierkörperbeseitigungsanstalten (TBA) in verschiedenen Regionen in Deutschland, die ein deutliches Ergebnis zeigt. 13,2 Prozent der Mastschweine und 11,6 Prozent der Zuchtschweine wiesen Anzeichen dafür auf, dass sie länger anhaltende erhebliche Schmerzen erlitten haben – also das, was das Gesetz eigentlich verbietet, fasst die NOZ das Ergebnis der Studie zusammen. Zudem zeige eine Parallelstudie, dass Tiere nicht nur zu spät, sondern häufig auch falsch getötet werden. Wenig verwunderlich ist es, dass nun der Ruf nach mehr amtlicher Kontrolle in den TBAs laut wird. NOZ Redakteur Dirk Fisser kommentiert: Die Schweinehaltung in Deutschland hat ein Problem. Und es ist im Interesse jedes ordentlich arbeitenden Tierhalters, dass eben dieses gelöst wird.


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Nichts zu beschönigen

Der umfangreiche Bericht zur Studie von Frau Prof. Dr. Elisabeth große Beilage liegt der ISN seit einigen Tagen vor. Die Studie bezieht sich auf Schweine aus mindestens sechs Bundesländern - die Ergebnisse sind deutlich. ISN -Geschäftsführer Dr. Torsten Staack bewertet die Situation: Ohne Wenn und Aber – an dem Ergebnis der Studie gibt es nichts zu beschönigen. Kranke Tiere sind fachgerecht zu behandeln und unterzubringen, sowie - falls notwendig - rechtzeitig und sachgemäß notzutöten. Die Entscheidung zur Nottötung ist oft eine Gratwanderung und die Umsetzung nimmt niemand gerne vor. Trotzdem stehen hier Tierhalter gemeinsam mit ihren Hoftierärzten in der Pflicht fach- und sachgerecht vorzugehen. Dirk Fisser hat Recht, es ist im Interesse jedes ordentlich arbeitenden Tierhalters, dass dieses Problem gelöst wird. Defizite in der Umsetzung müssen nun kurzfristig, beispielsweise durch breit angelegte und vor allem praxistaugliche Schulungen sowohl für Landwirte als auch für Tierärzte, beseitigt werden. Zudem ist es dringend notwendig, die Nottötungsverfahren so weiter zu entwickeln, dass eine deutlich bessere Umsetzbarkeit des ohnehin schwierigen Vorganges gegeben ist.

 

Die Branche reagiert

Der praktische Teil der TiHo-Untersuchung erfolgte bereits Anfang 2016. In der Zwischenzeit sind die Themen Umgang mit kranken und verletzten Schweinen und Nottötung von Schweinen bereits sehr deutlich in den Fokus der Branche und der Kontrollbehörden getreten. Dazu gehört z.B.:

  • In verschiedenen (Lehr-)Einrichtungen werden vermehrt Schulungen zu dem Themenfeld angeboten.
  • Beratungsorganisationen lassen ihre Fachberater ausbilden, damit diese das Wissen an Ihre Schweinehalter weitertragen.
  • Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen erstellt aktuell einen Leitfaden  - als Entscheidungshilfe mit prägnanten Bildern und klaren Verfahrensanweisungen.
  • Auch die DLG arbeitet derzeit an einem entsprechenden Leitfaden.

 

Angesichts der Ergebnisse der Studie wird die ISN diese Aktivitäten verstärkt unterstützen und die Verbreitung deutlich vorantreiben. Dies gilt nicht nur für die Schulungen, sondern vor allem für die Weiterentwicklung von praxistauglichen Verfahren zur Nottötung. Denn genau diese oft wenig praktikablen Verfahren sind – ohne nach einer Ausrede für die Situation suchen zu wollen – ein wesentlicher Grund dafür, dass sich die Umsetzung der Nottötung so schwierig gestaltet. 

 

Schulungsmaßnahmen nutzen

Wie gesagt, es gibt bereits heute - neben der Ausbildung – eine ganze Reihe von Weiterbildungsangeboten, die in den verschiedenen Einrichtungen angeboten werden bzw. sich in Planung befinden. Einige weitere sind derzeit in Planung bzw. Konzeption. Nutzen Sie diese!

 

Sehen Sie hier exemplarisch einige Einrichtungen, die Weiterbildungsmaßnahmen zum Umgang mit kranken und verletzten Tieren bzw. zur Nottötung anbieten:


open_in_newLandwirtschaftskammer Schleswig-Holstein (Lehr- und Versuchszentrum Futterkamp) Ansprechpartner: Dr. Onno Burfeind

open_in_newLandwirtschaftskammer Niedersachsen (Schweinegesundheitsdienst) Ansprechpartner: Dr. Friedrich Delbeck

open_in_newLandwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen (Schweinegesundheitsdienst) Ansprechpartner: Dr. Jürgen Harlizius

open_in_newBildungs- und Wissenszentrum Boxberg (Baden-Württemberg) Ansprechpartner: Hansjörg Schrade

open_in_newSächsisches Landesamt für Umwelt Landwirtschaft und Geologie (Köllitsch) Ansprechpartner: Dr. Eckhard Meyer

 

Die Liste geht weiter - fragen Sie einfach in anderen landwirtschaftlichen Bildungseinrichtungen in Ihrer Region nach.



open_in_newNOZ-Beitrag vom 16.11.2017: "Untersuchung dokumentiert Leiden kranker Schweine"

open_in_newNOZ-Kommentar Dirk Fisser vom 15.11.2017: "Leidende Schweine: Es geht um die Glaubwürdigkeit"


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