02.11.2015rss_feed

Gegenbesuch: Ostendorff lädt konventionelle Schweinehalter zum Bio-Tag ein

Friedrich Ostendorff (Mitte) erklaert seine Betriebsphilosophie

Wohin entwickelt sich die deutsche Schweinehaltung zukünftig? Wie könnten die  Ställe in Zukunft aussehen? Darüber diskutierten vergangene Woche rund fünfzehn konventionelle Schweinhalter aus den Kreisen Coesfeld und Münster sowie Neuland Geschäftsführer Hugo Gödde mit dem Grünen-Bundestagsabgeordneten Friedrich Ostendorff auf dessen Biobetrieb in Bergkamen.

Zuvor hatte die Gruppe bereits den Pig-Port-Stall der Familie Schulze Heil in Münster und den Neuland-Zerlegebetrieb auf der Ökologiestation Unna besichtigt.

 

Pig-Port-Stall zeigt neues Haltungssystem für konventionelle Mast

Der Tag begann mit der Besichtigung des Pig-Port-Außenklimastalls auf dem Betrieb Schulze Heil in Münster. Der konventionelle Betrieb hatte sich ca. 2010 in Süddeutschland über alternative Haltungssysteme informiert und schließlich 2012 einen Pig-Port 3 Warmstall mit freibegehbarer Außenklimazone gebaut. Das Konzept funktioniert, mit den Ergebnissen sind wir sehr zufrieden, berichtete Elmar Schulze Heil. Sowohl von den Baukosten als auch bei der Futterverwertung oder der Anfälligkeit für Krankheiten sei der Stall im Ganzen gut mit seinem konventionellen Maststall vergleichbar.

 

Ostendorff: Bioschweinefleisch ist Mangelware

Den Abschluss des Tages bildete der Besuch bei dem Grünen-Abgeordneten Friedrich Ostendorff Zuhause. Ich freue mich über diese intensiven Gespräche mit den Praktikern, die Berichterstattung in den Fachmedien ist mir zu eindimensional, begründete Ostendorff. Im regen Austausch ging es unter anderem um Beweggründe für oder gegen den Umstieg auf eine biologische Haltung. Bio ist Mangelware, wir brauchen dringend mehr Produzenten, regte Ostendorff an. Vor unserem Biomarkt im Ort steht niemand Schlange. Wenn es sich wirklich rechnen würde, würden wir umstellen, wirft ein Landwirt ein. Ich habe schon zu viele mit Bio scheitern sehen. Dass nun auch große Schlachtunternehmen in die Biosparte drängen, lässt einige zweifeln. Bioprodukte sind doch heute so weit gereist, in diesen Ländern war ich in meinem Leben noch nicht, wirft Theo Schulze Wierling ein. Wenn auch Biofleisch demnächst im Ausland produziert wird, seien deutsche Halter einfach nicht wettbewerbsfähig.


Klimareize für Schweine im Pig Port 3

Mehr Tierwohl kostet Geld

Bio und konventionell kann doch wunderbar nebeneinander existieren, wir brauchen beides am Markt, meint Dirk Schulze Pellengahr. Ich finde es wichtiger, das wir die schwarzen Schafe aufdecken, damit nicht mehr die Landwirte, die verantwortungsbewusst arbeiten, mit am Pranger stehen. Am liebsten zeigen die Medien schwarzweiß-Bilder von toten Schweinen unterlegt mit ‚Spiel mir das Lied vom Tod‘. Aber alle Besucher, denen ich meinen Stall gezeigt habe, waren total zufrieden mit unseren Tieren. Bei der Frage nach der Akzeptanz der Tierhaltung auch im Hinblick auf das Gutachten des wissenschaftlichen Beirats hat Friedrich Ostendorff klare Vorstellungen. Das Kupieren der Schwänze ist verboten, also werden wir dafür mittelfristig eine Lösung finden müssen. Bei der Frage nach der Stallform der Zukunft gefällt mir der heute gesehene Pig-Port-Neubau – in 20 Jahren würde ich mir für alle Schweine Außenklima wünschen. Und ich stehe voll und ganz hinter der Initiative Tierwohl, schon 10% mehr Platz für die Tiere finde ich einen guten Schritt. Es ist allen klar, dass diese Richtungsänderung Geld kostet, aber Tierwohl muss dringend gefördert werden, notfalls über Mittel vom Bund.

 

Neuauflage der Diskussionsrunde nicht ausgeschlossen

Auch wenn man sich beim Inhalt oder dem richtigen Weg nicht immer einig war, die sachliche und teilweise kontroverse Diskussion sowie die Besichtigungen gaben beiden Seiten neue Impulse – Fortsetzung nicht ausgeschlossen. Vor rund drei Monaten luden Billerbecker Schweinehalter bereits die Grünen-Bundestagsabgeordneten Anton Hofreiter und Friedrich Ostendorff im Rahmen ihrer politischen Sommertour auf den Betrieb Schulze Wierling ein. Um den Diskurs fortzuführen, folgte deshalb die Gegeneinladung von Ostendorff zu einem gemeinsamen Bio-Tag.


Lohnt sich die Investition in neue Schweineställe noch und wenn ja, wie sollten sie gebaut werden? Diese und viele weitere Fragen stellten sich auch die Teilnehmer der Junge ISN Tagesexkursion. Mit Vertretern verschiedener Stallbauunternehmern diskutierten sie wie die Schweineställe von morgen aussehen könnten.

arrow_forwardJunge ISN Exkursion Münsterland - Die Zweite: „Bauen Sie flexibel“


→ alle Partner auf einen Blick