10.09.2021

Ein Jahr nach dem ersten ASP-Fund bei einem Wildschwein in Deutschland – wo stehen wir jetzt?

©Canva

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Ein Jahr ist es her, dass die Afrikanische Schweinepest (ASP) erstmals in Deutschland bei einem Wildschwein nachgewiesen wurde. Die Zahl der amtlich bestätigten Fälle liegt mittlerweile über der 2.000er Marke und die Lage in den betroffenen Bundesländern Brandenburg und Sachsen ist nach wie vor angespannt. Es hakt nach wie vor an vielen Stellen bei der Umsetzung von Bekämpfungsmaßnahmen. Zudem ist der Seuchendruck entlang der polnischen Grenze unverändert sehr hoch.

 

2.082 ASP-Fälle – Regionale Konzentration in Brandenburg und Sachsen

Ein Jahr nach dem ersten ASP-Ausbruch in Brandenburg am 11.09.2020 liegt die Zahl der amtlich bestätigten Fälle von Afrikanischer Schweinepest (ASP) nach Angaben des TierSeuchenInformationsSystems (TSIS) bei 2.082 (Stand 10.09.21). So gut wie alle Fälle betreffen Wildschweine in Brandenburg und Sachsen. Das Seuchengeschehen im Schwarzwildbestand reißt nicht ab und es werden wöchentlich immer wieder neue ASP-Fälle bei Wildschweinen festgestellt, sodass die Restriktionszonen einige Male erweitert werden mussten. Bei den ASP-Fällen in Hausschweinebeständen ist es bislang bei drei betroffenen Betrieben geblieben, welche im Juli in den brandenburgischen Landkreisen Märkisch-Oderland und Spree-Neiße festgestellt worden waren.
Beim Blick auf das Seuchengeschehen bleibt ein positiver Aspekt zu erwähnen – und zwar ist es seit dem Erstausbruch der ASP in Deutschland gelungen, die ASP regional auf das grenznahe Gebiet in Ostdeutschland in Brandenburg und Sachen zu begrenzen, auch wenn die Restriktionszonen bereits mehrmals erweitert werden mussten. Trotzdem hat das ASP-geschehen natürlich erhebliche Auswirkungen für die gesamte deutsche Schweinehaltung. Ganz besonders dramatisch sind die Folgen für die Schweinehalter in den betroffenen Regionen.

 

Unterstützung für betroffene Länder fehlt

Die Lage in Brandenburg und Sachen ist nach wie vor angespannt. Zusätzlich zur ohnehin katastrophal schlechten finanziellen Lage der Schweinehalter in Deutschland hat sich vor allem nach dem Ausbruch der ASP bei Hausschweinen der ökonomische Druck für die Schweinehalter in Brandenburg noch weiter erhöht. In einer extra einberufenen Sonder-Agrarministerkonferenz (AMK) forderten die Länder vom Bund mehr Unterstützung. Auf der anschließenden Pressekonferenz der Sonder-AMK wurden allerdings erhebliche Diskrepanzen zwischen Bund und Ländern deutlich, die in einem Schlagabtausch gipfelten.

Nach Sicht der ISN müssen die Forderungen aus den betroffenen Ländern  ernst genommen werden. Zum einen braucht es finanzielle Mittel zum Ausgleich der massiven Verluste in den vergangenen Monaten und zum anderen wirksame und schnelle Maßnahmen zu einer effektiven ASP-Bekämpfung. Zudem hat das Thema weder etwas im Wahlkampf zu suchen, noch darf die Bekämpfung im Zuständigkeitsgerangel zwischen Bund und Ländern ausgebremst werden. Die Auswirkungen der ASP-Ausbrüche in Brandenburg und Sachsen sind schon jetzt für die Schweinehalter dramatisch, nicht nur in den betroffenen Gebieten, sondern auch bundesweit. Deshalb ist es jetzt so wichtig, dass alle Maßnahmen endlich konsequent umgesetzt werden. Der Fokus muss auf Zusammenarbeit und Vernetzung aller Akteure liegen.
(Darüber haben wir auch in folgender Meldung berichtet: ASP-Krisentreffen in Brandenburg – ISN: Kompetenzgerangel muss ein Ende haben ASP-Krisentreffen in Brandenburg – ISN: Kompetenzgerangel muss ein Ende haben)

 

Koordination und Information vor Ort verbessern!

Auch bei der Koordination der Bekämpfungsmaßnahmen und beim Informationsverhalten beklagen die landwirtschaftlichen Organisationen vor Ort noch immer erhebliche Defizite. Wie kann das noch immer sein? Schwachpunkte müssen sofort abgestellt werden. Hier liegt die Verantwortung klar bei Politik und Behörden in den betroffenen Bundesländern – denn dort müssen die direkten Bekämpfungsmaßnahmen wirksam umgesetzt werden. Die ortsansässigen Landwirte der Region müssen endlich mehr mit eingebunden werden. Diese Spezialisten kennen sich dort wie kaum jemand sonst vor Ort aus. Sie bieten Hilfe an und zeigen die Schwachstellen konkret auf.

 

Drittlandsexporte weiter blockiert - Verhandlungen über Regionalisierungsabkommen nicht vergessen

Seit dem Auftreten der ASP in Ostdeutschland verhängten fast alle wichtigen Drittländer Einfuhrsperren für deutsches Schweinefleisch. Ein Jahr nach dem Verlust des Exportstatus ASP-frei ist der Erfolg der Bundesregierung für die Wiederaufnahme der Schweinefleischexporte ausgesprochen dürftig. Die anhaltenden Restriktionen für die Exportdestinationen sind eine große Belastung für den Schweinepreis. Es ist dringend notwendig, dass mehr Anstrengungen von Seiten der Politik unternommen werden, damit der Drittlandsexport endlich wieder in Gang kommt. Fakt ist: Die Öffnung weiterer Drittlandsmärkte muss weiterhin ganz oben auf der To Do Liste stehen – und zwar auf der der jetzigen und zukünftigen Regierungsspitze in Berlin.

 

Noch kein Durchbruch beim ASP-Impfstoff

In den vergangenen Monaten kamen immer wieder Meldungen aus einzelnen Ländern auf, erste Erfolge bei der Erforschung eines Impfstoffs gegen die ASP zu verzeichnen. Doch es konnte noch kein entscheidender Durchbruch erzielt werden. Dieser Ansatz ist zwar vielversprechend, aber die Forschungen bis zur Praxisreife werden noch weiter andauern.

 

Biosicherheitskonzepte nicht außer Acht lassen!

Bislang ist es in drei Hausschweinebeständen in Deutschland zu einem ASP-Ausbruch gekommen, wodurch sich die ASP-Situation im Juli noch einmal verschärft hat. Damit das so bleibt, ist weiterhin höchste Vorsicht geboten denn das Einschleppungsrisiko ist hoch. Die Biosicherheitsmaßnahmen sind mit allerhöchster Konsequenz weiter umzusetzen. Das gilt für Schweinehalter, Jäger und alle anderen Beteiligten gleichermaßen. Mit unserer Checkliste können Schweinehalter ihre Betriebshygiene noch einmal überprüfen und ggf. optimieren.