27.05.2022rss_feed

Deutliche Rückgänge beim Fleischverkauf im Lebensmitteleinzelhandel

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In den ersten vier Monaten des Jahres wurde deutlich weniger Fleisch im Lebensmitteleinzelhandel verkauft. Neben Verschiebungen in Richtung der Gastronomie dürften die allgemeine Teuerungsrate und auch ein stärkerer Verzicht auf Fleisch ursächlich sein.
ISN: Zum einen muss mit dem Fleisch-Bashing u.a. aus der Politik endlich Schluss sein, denn die Schweinehaltung ist nicht Teil des Problems, sondern Teil der Lösung. Zum anderen brauchen wir dringend eine verpflichtende Haltungs- und Herkunftskennzeichnung für Fleisch auch in der Gastronomie, damit wettbewerbsverzerrende Billigimporte sichtbar werden.   

 

Nach einem Bericht der AMI haben die privaten Haushalte im Lebensmitteleinzelhandel (LEH) in den ersten vier Monaten dieses Jahres deutlich weniger Fleisch und Wurst von Schwein, Rind und Geflügel im Vergleich zu den Vorjahresmonaten eingekauft. Grundlage sind die Daten der GfK (Gesellschaft für Konsumforschung). Danach sind die Verkaufsmengen um fast 20 % am stärksten bei Rindfleisch und am geringsten bei Geflügel (-13,3 %) eingebrochen. Schweinefleisch wurde um 15 % weniger verkauft. Während bei Rind und Geflügel Preissteigerungen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 10 % zu verzeichnen waren, stiegen die Preise beim Schweinefleisch lediglich um 3,7 % an. Im Vergleich dazu stieg der Absatz bei Fleischalternativen mengenmäßig um 15,6 und wertmäßig um 12,8 %.

 


Die private Fleischnachfrage ist seit Anfang des Jahres gesunken ©AMI

Die private Fleischnachfrage ist seit Anfang des Jahres gesunken ©AMI

Mengen zurück in die Gastronomie?

Die starken Rückgänge bei den Fleischverkäufen im LEH dürften zumindest zu einem Teil in den Corona-Lockerungen und der damit verbundenen weitgehenden Öffnung der Gastronomie ihren Grund haben. Denn, während die Verbraucher im vergangenen Jahr ihren Fleischverkauf fast komplett über den LEH tätigen mussten, ist nun der Fleischverkauf über die Gastronomie wieder möglich. Zwei Dinge deuten auf diesen Zusammenhang hin. Zum einen konnten wir in den ersten drei Monaten des vergangenen Jahres deutliche Verkaufssteigerungen beim Fleisch im LEH verglichen mit dem gleichen Zeitraum in 2020 sehen – beim Schweinefleisch immerhin +8,5 %. Zum anderen sehen wir, dass die Umsatzzahlen in der Gastronomie wieder deutlich nach oben gehen. Und das dürfte auch mit dem Fleischverkauf korrelieren, so Marktexperte Klaus Kessing.

 

Fleischverzehr geht zurück

Auch wenn ein Teil des Verkaufs wieder zur Gastronomie zurückgekehrt ist, so dürfte aber auch der Fleischverzehr wieder spürbar zurückgegangen sein, so Kessing. Zum einen sei der Trend schon seit einigen Jahren zu erkennen, zum anderen seien die Verbraucher aufgrund der erheblich gestiegenen Inflation noch preissensibler geworden. Die Leute sparen. Man verzichtet verstärkt auf teurere Waren. Was wir u.a. aktuell vom Spargelverkauf hören, scheint sich auch beim Fleisch zu bewahrheiten, so Kessing. Er gibt aber zu bedenken, dass die nicht gerade günstigen Fleischersatzprodukte, einen deutliches Absatzplus hatten auch wenn dort die Umsätze verglichen mit Fleisch nur einen Bruchteil ausmachen.

 

Schluss mit dem Fleisch-Bashing!

Wenn man sich das aktuelle Fleisch-Bashing u.a. aus der Politik anschaut, ist der Rückgang beim Fleischverzehr kaum verwunderlich. Wenn jeden Tag von den verschiedensten Seiten zu hören ist: ‚Die Lösung gegen Putin, gegen den Hunger in der Welt, gegen den Klimawandel, für die eigene Gesundheit, gegen Tierquälerei usw. ist der Fleischverzicht‘, dann verfangen diese Parolen auch irgendwann beim Verbraucher, so die Einschätzung von ISN-Geschäftsführer Dr. Torsten Staack. Er fordert Diese Stammtischpolemik und das Fleisch-Bashing müssen ein Ende haben! So werden jeden Tag immer mehr betriebliche Existenzen in der Schweinehaltung zerstört. Denn anders als die Kritiker es darstellen, ist die Schweinehaltung nicht Teil des Problems sondern insbesondere Teil der Lösung: Als Lieferant eines hochwertigen und gesunden Lebensmittels Fleisch, als Resteverwerter, als Düngerlieferant im Kreislauf mit der pflanzlichen Erzeugung u.v.m..

 

Herkunftskennzeichen ist wichtiger denn je

Eine weitere Forderung leitet Staack aus der Wanderbewegung beim Fleischverkauf in Richtung Gastronomie ab: Wir brauchen dringend eine verpflichtende Haltungs- und auch Herkunftskennzeichnung, die sich nicht nur auf Segmente im LEH bezieht. Wir brauchen sie für alle Fleischprodukte ganz besonders auch im Großhandel und der Gastronomie. Denn gerade in diesen Verkaufsschienen, in denen nun mit den Corona-Lockerungen wieder mehr Schweinefleisch verkauft wird, wird allzu oft auf die heimischen Standards gepfiffen und billig im Ausland eingekauft. Wenn das dann nicht einmal am Verkaufsprodukt zu sehen ist, können deutsche Ferkelerzeuger und Schweinemäster mit ihren hohen hiesigen Standards im Wettbewerb nicht bestehen.


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