Dänemark: Bürgerrat
legt Empfehlungen zur Schweinehaltung vor
In Dänemark hat ein per Los besetzter Bürgerrat 33 Empfehlungen zum Umbau der Schweinehaltung an die Politik übergeben. Der Bericht entstand im Rahmen des ersten nationalen Tierschutzabkommens und soll in die Verhandlungen der Vierparteien-Runde
über den Umbau der Branche einfließen. Der Bauernverband mahnt wirtschaftlich tragfähige Lösungen an und zeigt die Folgen auf, berichtet Agra Europe.
In Dänemark hat ein sogenannter Bürgerrat Empfehlungen zur Zukunft der Schweineproduktion vorgelegt. Insgesamt 33 Einzelmaßnahmen summiert der Bürgerrat in seinem Bericht, den er an den zuständigen Minister für Natur und Tierschutz, Christian Rabjerg Madsen, sowie an den Umwelt- und Lebensmittelausschuss des dänischen Parlaments übergeben hat.
Laien bearbeiten das Thema
Der Rat besteht aus 36 per Losverfahren ausgewählten dänischen Bürgern. Sie hatten sich ab Januar 2026 für mehrere Monate beratschlagt, um die aktuelle Situation in der Schweinehaltung zu analysieren und Vorschläge für mehr Tierwohl zu erarbeiten. Das Gremium war im Rahmen des ersten nationalen Tierschutzabkommens eingesetzt worden, das eine breite Mehrheit von neun Parteien 2024 vereinbart hatte. Die Ergebnisse werden nun von der nationalen Veterinär- und Lebensmittelbehörde sowie dem Tierethikrat geprüft und sollen anschließend in die Arbeit der sogenannten Vierparteien-Runde
einfließen. In der Runde sollen die von der neuen Regierung angestoßenen Pläne zum Umbau der Schweinehaltung mit Vertretern aus Branche und Politik verhandelt werden.
Kleinere Bestände, kein Kupieren
Zu den Empfehlungen gehören kleinere Tierbestände, ein Exportstopp für lebende Schweine, ein konsequentes Ende des Schwanzkupierens und mehr Platz im Stall pro Einzeltier. Sollte sich an den derzeitigen Haltungsbedingungen nichts ändern, fordert das Gremium das Aus für die konventionelle Schweineproduktion, was einer Bestandsabstockung um 95 % gleichkäme.
Ziele müssen bezahlbar bleiben
Der Vorsitzende der Sparte Schwein im Fachverband der Land- und Ernährungswirtschaft (L&F), H. C. Gæmelke, begrüßte mehrere der vorgelegten Empfehlungen. Gleichwohl betonte er, dass den ambitionierten Zielen auch wirtschaftlich tragfähige und realistisch umsetzbare Lösungen folgen müssten. Höhere Produktionskosten würden in der Folge auch zu höheren Fleischpreisen führen. Es bestehe daher die Gefahr, dass dänisches Fleisch durch importiertes Fleisch aus Ländern mit niedrigeren Standards ersetzt werde.
L&F verweist auf Fortschritte der Branche
Zudem verweist der Verbandsexperte auf bereits erzielte Fortschritte der Branche. Die Überlebensrate der Ferkel ist in diesem Jahr so hoch wie seit über 25 Jahren nicht mehr, wir produzieren mehr Schweine mit unkupierten Schwänzen, und ab diesem Jahr werden alle neuen Abferkelbuchten so gebaut, dass sich die Sauen frei bewegen können
, so Gæmelke. Für die Arbeit an der Vierparteien-Runde habe der Fachverband allerdings bisher weder eine Einladung erhalten, noch sei der Zeitplan für das weitere Vorgehen von der Politik dargelegt worden, kritisierte Gæmelke.
