29.10.2019rss_feed

Dämpfer für Fleisch mit Tierwohllabel in Dänemark

Beim dänischen staatlichen Tierwohllabel zeigen sich offenbar erste Ermüdungserscheinungen. Einem Medienbericht zufolge hat das führende Schlachtunternehmen Danish Crown etlichen Lieferanten von Schlachtschweinen, die nach den Regeln des dreistufigen Siegels produzieren, mangels Nachfrage die Verträge gekündigt. Sollte sich dies bestätigen, würde das einen erheblichen Dämpfer für das 2017 bei Schweinen eingeführte Label bedeuten, berichtet Agra Europe. 

ISN: Auch wenn von dänischer Seite in zahlreichen Meldungen immer wieder auf die positiven Erfolge des Tierwohl-Labels verwiesen wird, zeigt die aktuelle Meldung, dass die Realität wohl doch anders aussieht.

 


Logo des dänischen Tierwohllabels "Bedre Dyrevelfard"

Kaufnachfrage des Labels schwächt ab

Handel, Medien und Verbraucher hatten das Siegel damals vom Start weg sehr positiv aufgenommen. Im Lebensmitteleinzelhandel sollen entsprechend zertifizierte Fleischprodukte innerhalb eines halben Jahres bereits ein Viertel des Sortiments ausgemacht haben. Aussagen zur tatsächlichen Verkaufsmenge wurden jedoch nicht gemacht. Noch vor wenigen Wochen hatte Dänemarks Landwirtschaftsminister Mogens Jensen angekündigt, das staatliche Tierwohlsiegel ab 2020 auch auf Rind- und Kalbfleisch deutlich zu erweitern.

Laut dem aktuellen Bericht aus Dänemark sind zwischenzeitlich allerdings die Verkäufe in mehreren Kategorien wieder zurückgegangen, weshalb sich Danish Crown mangels Absatzmöglichkeiten zur Kündigung eines Teils der Verträge gezwungen sah.

 

Zwiespältiges Verbraucherverhalten

Der dänische Landwirtschaftsverband (L&F) zeigte sich enttäuscht von der Entwicklung und nahm hier auch die Verbraucher mit in die Verantwortung. Die Kunden forderten zwar in Umfragen fortwährend Verbesserungen bei den Tierhaltungsbedingungen, seien aber anscheinend nicht im erforderlichen Umfang dazu bereit, dies auch mit ihrem Kaufverhalten zu unterstützen.

 

Grüne Herzen kennzeichnen Haltungsbedingungen

Das vom dänischen Staat, dem Lebensmitteleinzelhandel und dem Dachverband entwickelte Tierwohlsiegel soll den Konsumenten durch eine einfache und klare Kennzeichnung mehr Transparenz liefern und den Tierschutz vorerst in den dänischen Schweineställen nachhaltig verbessern. Die Anzahl aufgedruckter Herzen auf dem Logo gibt dabei über die Anforderungen an die Haltung Auskunft.

Um die Voraussetzungen für die erste Stufe - ein Herz - zu erfüllen, müssen die Bauern die Sauen freilaufend halten, auf das Kupieren von Schwänzen verzichten, den Tieren mehr Platz und Stroh als gesetzlich festgelegt zur Verfügung stellen sowie Transportzeiten von maximal acht Stunden einhalten. Für zwei und drei Herzen werden darüber hinausgehend jeweils noch mehr Platz pro Tier und zusätzliche Strohgaben verlangt. Die Kontrollen werden durch staatliche Stellen vorgenommen.


Die ISN meint:

Auch wenn von dänischer Seite in zahlreichen Meldungen immer wieder auf die positiven Erfolge des Tierwohl-Labels verwiesen wird, zeigt die aktuelle Meldung, dass die Realität wohl doch anders aussieht. Wenn ein Viertel des Sortiments im dänischen Lebensmitteleinzelhandel aus Label-Fleisch besteht, heißt dies noch lange nicht, dass auch ein Viertel der Absatzmenge auf Tierwohl-Fleisch entfällt. Auch wenn hin und wieder berichtet wurde, dass die Absatzmenge erheblich gesteigert werden konnte, wurden keine Angaben über den prozentualen oder absoluten Anteil beim Verkauf von Schweinefleisch gemacht. Da liegt die Vermutung sehr nahe, dass dieser Anteil doch wohl sehr niedrig sein dürfte?

Diese Meldung aus Dänemark bestätigt wieder einmal die massiven Unterschiede zwischen Verbraucheraussagen bzw. -forderungen und dem tatsächlichen Verbraucherverhalten beim Einkauf an der Fleischtheke. Hier zeigt sich: Worte und Taten laufen spätestens dann auseinander, wenn es ums eigene Geld geht. Für ein mehrstufiges Tierwohllabel bedeutet das aber auch: die Einstiegsstufe sollte nicht zu hohe Anforderungen stellen. Denn zum einen müssen Landwirte die Anforderungen erfüllen können und zum anderen sollte der Verbraucher nicht von einem zu hohen Preis beim Kauf des Produktes abgeschreckt werden.

Angebot und Nachfrage müssen zusammen passen, sonst kann sich ein derartiges Tierwohl-System nicht tragen. Leidtragende der Entwicklung in Dänemark sind wieder mal die Schweinehalter, die zunächst in Tierwohlmaßnahmen investiert haben und denen nun von Danish Crown die Lieferverträge gekündigt worden sind.

Während in den letzten Monaten das dänische Tierwohl-Label von vielen Seiten immer wieder als Vorbild auch für den deutschen Markt hervorgehoben wurde, hat dieses durch die aktuelle Entwicklung doch erhebliche Kratzer bekommen.



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