18.11.2020rss_feed

Chinageschäft hält EU-Schweinefleischexporte auf Rekordkurs

Auf großer Fahrt: Schweinefleisch ist in China gefragt

Dank der umfangreichen Lieferungen nach China sind die Schweinefleischexporte der Europäischen Union nach den ersten drei Quartalen 2020 immer noch auf Rekordkurs und haben insgesamt um gut 16% zugelegt. Die aufgrund der ASP-Ausbrüche verhängten Importsperren Chinas gegen deutsche Anbieter werden sich erst im vierten Quartal auswirken und könnten den Rekordstatus möglicherweise noch brechen, so Agra Europe (AgE).

ISN: Die enorme Bedeutung des chinesischen Marktes für die Entwicklung der EU-Exporte wird hier deutlich. Insbesondere für den deutschen Markt wird der Drittlandsexport aktuell dringender denn je benötigt, um eine Marktentlastung zu erreichen.

 

Ausfuhren verzeichnen deutliches Plus

Nach Angaben der EU-Kommission auf Basis von vorläufigen Daten des Statistischen Amtes der Europäischen Union (Eurostat) wurden in den ersten 3 Quartalen 2020 aus den 27 Mitgliedstaaten zuzüglich des Vereinigten Königreiches insgesamt 3,91 Mio. t Schweinefleisch einschließlich Schlachtnebenerzeugnissen in Drittstaaten verkauft; das waren 545.000 t oder 16,2 % mehr als von Januar bis September 2019. Die nahezu vollständige Sperre Deutschlands für Drittlandsexporte wegen der Afrikanischen Schweinepest (ASP) und die coronabedingt ausgefallenen Lieferungen von EU-Schlachthöfen nach China werden sich erst im vierten Quartal noch stärker bemerkbar machen und könnten möglicherweise die Einstellung des Rekordes von 2019 noch gefährden.

 

62% der Schweinefleischausfuhren gehen nach China

Mit Abstand der wichtigste Drittlandskunde der EU-Lieferanten war China. Dorthin wurden im Betrachtungszeitraum aus der Gemeinschaft gut 2,44 Mio. t verschifft; das entsprach einem Zuwachs von 892.000 t oder 57,6 % gegenüber der Vorjahresperiode. Gut 62 % aller EU-Schweinefleischverkäufe gingen damit an Kunden in der Volksrepublik. Werden dieser Destination noch die um 10,7 % auf 166.000 t gestiegenen Exporte nach Hongkong hinzugerechnet, erreicht der Ausfuhranteil Chinas fast 67,0 %. Mit Ausnahme von Vietnam, wohin die EU-Schweinefleischausfuhren gegenüber den ersten drei Quartalen 2019 um 9,3 % auf 82.000 t zunahmen, waren bei anderen wichtigen Abnehmern zum Teil sehr deutliche Absatzrückgänge zu verzeichnen.

 

Kräftiger Dämpfer im Absatz nach Südkorea, USA und Australien

So kauften die Japaner mit 275.000 t fast ein Fünftel weniger Ware in der Gemeinschaft; das Geschäft mit Südkorea wies relativ noch kräftigeres Minus von 27,9 % auf 150.000 t aus. Die Ausfuhren auf die Philippinen brachen gar um fast die Hälfte auf 105.000 t ein. Zudem war bei den USA und Australien jeweils ein Absatzrückgang von jeweils rund 30 % zu verzeichnen und auch der Aufschwung der Lieferungen in die Ukraine kam zu einem jähren Ende; die dorthin verkaufte Menge nahm um 17,1 % auf 58.000 t ab.

 

Die ISN meint:

An diesen Daten von Eurostat wird noch einmal die enorme Bedeutung des chinesischen Marktes für die Entwicklung der EU-Exporte deutlich.

Insbesondere für den deutschen Markt wird der Drittlandsexport aktuell dringender denn je benötigt, um eine Marktentlastung zu erreichen. Bei allen Bemühungen des Bundeslandwirtschaftsministeriums, die Anerkennung des Regionalisierungskonzeptes für den Export von Schweinefleisch in Drittlandsmärkten zu erreichen, sind die Erfolge bislang jedoch ernüchternd. Neben dem aktuellen Nadelöhr bei Schlachtung und Zerlegung muss auch das zweite Nadelöhr mit dem Fleischabsatz in Drittstaaten dringend beseitigt werden, um den Schweinestau aufzulösen. Die Verhandlungen mit China müssen auf höchster politischer Ebene angesiedelt werden – dazu braucht es die Unterstützung des Bundeskanzleramtes und der Bundeskanzlerin Angela Merkel.

 


arrow_upward