26.04.2019rss_feed

Volles Haus zum Auftakt des Praktikernetzwerkes Wirtschaftsdünger

„Wichtig ist, dass wir als Landwirtschaft die Lösung des Nährstoffproblems selbst in die Hand nehmen“, erklärte Heinrich Dierkes zum Auftakt

„Wichtig ist, dass wir als Landwirtschaft die Lösung des Nährstoffproblems selbst in die Hand nehmen“, erklärte Heinrich Dierkes zum Auftakt

Eine trotz bestem Ackerwetter mit ca. 110 Teilnehmern sehr gut besuchte Auftaktveranstaltung zum Praktikernetzwerk Wirtschaftsdünger, machte gestern in Bakum-Hausstette die Bedeutung des Projektes deutlich. Denn das Thema ist angesichts des einen Tag zuvor vorgestellten Nährstoffberichts und angesichts der Diskussion um die Düngeverordnung hochaktuell. Ziel des Projektes ist es nämlich, Lösungsansätze zur Verminderung des Nährstoffüberschusses in tierhaltenden Betrieben im Oldenburger Münsterland zu prüfen und wenn möglich zur Umsetzung zu begleiten. Denn das Thema Wirtschaftsdünger muss im wahrsten Sinne des Wortes aufbereitet werden. Betriebe aus der Region sind nun aufgerufen, sich zur Teilnahme am Projekt zu melden. 

 

Es ist noch viel zu tun klang zu Veranstaltungsbeginn durch. Wie dringend das Nährstoffproblem gelöst werden muss, beschrieb ISN-Vorsitzender Heinrich Dierkes auch mit Blick auf den frisch veröffentlichten Nährstoffbericht Niedersachsens. Wichtig ist, dass wir als Landwirtschaft die Lösung des Nährstoffproblems selbst in die Hand nehmen, so Dierkes. Thomas Nordhus, erster stellvertretender Vorsitzender vom Kreislandvolksverband Vechta, beschrieb die ganze Bandbreite der aktuellen politischen Entwicklungen, die für die Landwirtschaft immer größere Herausforderungen darstellen. Die politischen Rahmenbedingungen würden in immer kürzeren Abständen fundamental verändert. Dies spiegele sich auch in den zahlreichen Betriebsaufgaben wider. Am Ende der Veranstaltung resümiert Heinrich Dierkes: Ich habe nun mehr Mut als vorher. Er freute sich über die Vorwärtsentwicklung, die bei der Auftaktveranstaltung des Praktikernetzwerkes in der Luft lag.


Volles Haus bei der Auftaktveranstaltung zum Praktikernetzwerk Wirtschaftsdünger

Volles Haus bei der Auftaktveranstaltung zum Praktikernetzwerk Wirtschaftsdünger

Betriebe in den Landkreisen Vechta und Cloppenburg gesucht

Matthias Quaing von der ISN zeigte auf, um was es beim Praktikernetzwerk Wirtschaftsdünger geht. Im Rahmen des Projekts sollen gute Ideen und Lösungsansätze auf Betrieben in der Region individuell unter die Lupe genommen, geplant und im Optimalfall zur Umsetzung gebracht werden. Dabei spiele die ganze Bandbreite – angefangen bei der Lagerung und einfachen Sinkverfahren bis hin zu komplexen Aufbereitungsverfahren – eine wichtige Rolle.

Das Projekt wird zu gleichen Teilen durch die beiden niedersächsischen Ministerien für Landwirtschaft und Umwelt gefördert, weitere finanzielle Unterstützung kommt von der Stiftung Gewässerschutz Weser-Ems. Den Güllebehälter können wir Ihnen zwar nicht bezahlen, aber bei der Prüfung und Planung von Lösungen können wir Sie im Rahmen des Projektes durch Beratung und Gutachten unterstützen, erklärte Quaing. Insbesondere beim Ersatz der Mineraldünger durch Produkte aus Wirtschaftsdünger ist das Stickstoff- Einsparpotenzial noch hoch, wie der Nährstoffberichtzeigt, so Quaing". Er machte Mut, die Aufbereitung von Dünger hin zu transportwürdigen Gütern in Angriff zu nehmen, denn es fehle oft nur noch der letzte Meter bis zur Umsetzung.

Quaing rief die Tierhalter aus dem Oldenburger Münsterland dazu auf, sich am Projekt zu beteiligen. Grundsätzlich können alle Betriebe am Projekt teilnehmen, egal ob groß oder klein, ob mit Problemen oder Lösungsansätzen. Neben den konkreten Aktivitäten auf dem Betrieb ginge es insbesondere auch darum, die guten Ideen aus der Praxis in die Breite zu tragen, damit möglichst viele davon profitieren, ergänzte Dr. Karl-Heinz Tölle, Geschäftsführer der ISN Projekt-GmbH.


Hans-Jürgen Technow (r.), Landwirtschaftskammer Niedersachen gab einen Überblick über die aktuellen Verfahren

Hans-Jürgen Technow (r.), Landwirtschaftskammer Niedersachen gab einen Überblick über die aktuellen Verfahren

Viele Ansätze unterwegs

Einen Gesamtüberblick über die verschiedenen Aufbereitungsformen lieferte Hans-Jürgen Technow von der Landwirtschaftskammer Niedersachen. Hierunter fallen Sedimentationsverfahren, bei denen Schweinegülle eingedickt wird, so dass sich mithilfe der Sinkschichtbildung der nährstoffarme dünne Anteil vom nährstoffreichen festen Anteil trennen lässt. Das Sedimentationsverfahren stelle bei dünner Gülle ein günstiges und effizientes Verfahren da, beurteilte Technow.

Des Weiteren stellte er die Separationstechniken mit Pressschnecke und Zentrifuge vor. Die Pressschnecke sei zwar kostengünstiger, schaffe dafür nur etwa halb so viel Abscheidemenge. Technow stellte auch die Vor- und Nachteile von mobilen und stationären Anlagen heraus sowie die Möglichkeit, Flockungsmittel einzusetzen, um die Produktivität von Pressschnecken zu erhöhen.

Als weiteres Verfahren stellte er eine Kompostierungsanlage vor, bei der neben festen Komponenten auch flüssige kompostiert werden können. Zum Thema Vollaufbereitung von Wirtschaftsdünger gab Technow den Hinweis, den Prozess im Ganzen mit zu betrachten. Es gebe viele Aspekte zu beachten, um eine Vollaufbereitung sinnvoll zu betreiben. Hier müssten die Güllezufuhr auf dem Veredlungsbetrieb, die Gesamtkosten der Anlage und die Abnahmesituation der Produkte realistisch eingeschätzt werden. Letztendlich werden sich die effizienten Verfahren mit hohem Wirkungsgrad durchsetzen, beurteilt Technow.


Landwirt Winfried Kläne-Menke stellte seine biologische Gülleaufbereitung vor

Landwirt Winfried Kläne-Menke stellte seine biologische Gülleaufbereitung vor

Aus der Praxis: Eine biologische Aufbereitungsanlage

Die volle Aufmerksamkeit bekam auch Winfried Kläne-Menke, Landwirt aus Cloppenburg, bei der Vorstellung seiner biologischen Gülleaufbereitung. In seiner Anlage werde die Mischgülle (Sauen- Ferkel und Zuchtläufergülle) zunächst homogenisiert und in eine Zentrifuge gegeben, wo der Feststoff abgespalten wird, beschrieb der Landwirt. Die flüssige Phase wird im Flüssigbunker unter Einsatz von Bakterien mithilfe von Belüftungsmotoren aufbereitet. Wie in einer Kläranlage, erläuterte Kläne-Menke das Verfahren.

Das System sei besonders umweltfreundlich, weil keine Ammoniak-Emissionen entstehen und stattdessen das umweltneutrale Stickstoff als umweltneutrales N2 entweichen kann. Ackerbaulich müsse man sich durch die ungewohnte Zusammensetzung der flüssigen Phase umstellen, erklärte Kläne-Menke, denn diese enthalte kaum noch Stickstoff. Die feste Phase mit den wesentlichen Phosphoranteilen könne er gut vermarkten. Die Anlage habe einen niedrigen Arbeitsaufwand und ihm eine erhebliche Last von den Schultern genommen, resümierte der Landwirt.

Fazit: Genau solche Praxisbeispiele machen das Praktikernetzwerk aus!  


Zielkonflikte und Hürden konkret benennen

Gerade die konstruktive Diskussion der Teilnehmer hat die Veranstaltung belebt. So nutzte Dr. Stefan Dreesmann vom Landwirtschaftsministerium Niedersachsens die Chance, die Arbeitsweise von Landwirtschafts- und Umweltministerium aus seiner Perspektive zu beschreiben. Landwirte, die im Genehmigungsverfahren auf Hindernisse stoßen, sollen ihre konkreten Probleme benennen und über das Praktikernetzwerk an das Ministerium weitergeben. Denn nur so können sie behoben werden.

Auch Uwe Bartels, ehemaliger niedersächsischer Landwirtschaftsminister und Vorsitzender des Agrar- und Ernährungsforums Oldenburger Münsterland, ergriff das Wort: Politisch und auf behördlicher Ebene müsse noch viel Umdenken stattfinden, um die Landwirte in ihren Bemühungen um Lösungen zu unterstützen.


open_in_newMehr Infos zum Praktikernetzwerk finden Sie hier...

Wünschen Sie nähere Infos oder haben Interesse an der Teilnahme?

Dann melden Sie sich gerne bei uns unter Tel. 05491/9665-0 oder direkt per E-Mail bei Dr. Karl-Heinz Tölle oder Matthias Quaing unter praktikernetzwerk@schweine.net.


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