04.10.2021

ASP-Update 04.10.2021: Brandenburg erhöht Aufwandsentschädigung zur Entnahme von Schwarzwild in Restriktionsgebieten

ASP in Deutschland seit September 2020, Stand 01.10.2021 ©FLI

ASP in Deutschland seit September 2020, Stand 01.10.2021 ©FLI

Die Zahl der amtlich bestätigten Fälle von Afrikanischer Schweinepest (ASP) bei Wildschweinen in Deutschland ist im Verlauf der letzten Woche weiter angestiegen.

Die Schwarzwildstrecke in Brandenburg blieb im vergangenen Jagdjahr hinter den Erwartungen zurück. Das Land reagiert mit einer Erhöhung der Aufwandsentschädigungen für die Entnahme von Schwarzwild in den ASP-Restriktionszonen und stellt die Erlegungsprämie für das Jagdjahr 2021/2022 neu auf.

Neben Tönnies in Kellinghusen nimmt seit kurzem auch der Schlachthof der Emil Färber GmbH im sächsischen Belgern, Schweine aus ASP-gefährdeten Gebieten auf.

 

ASP-Lage in Deutschland: 2.322 ASP-Fälle

Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) hat in den vergangenen Tagen bis zum 01.10.2021 mehrere weitere ASP-Fälle bei Wildschweinen festgestellt. Betroffen sind vor allem der Landkreis Spree-Neiße und die Stadt Frankfurt (Oder) in Brandenburg sowie der Landkreis Görlitz in Sachsen.

Nach aktuellen Angaben des Tierseuchen-Informationssystems (TSIS) gibt es mittlerweile insgesamt 2.322 bestätigte ASP-Fälle beim Schwarzwild in Brandenburg und Sachsen.

Bei den ASP-Fällen in Hausschweinebeständen ist es bislang bei den bisherigen drei betroffenen Betrieben geblieben.

 

Weiter zu hoher Bestand - Brandenburger Jäger erlegen weniger Schwarzwild

Nach dem Rekordergebnis der Schwarzwildstrecke im letzten Jahr mit mehr als 102.000 Stück wurden in diesem Jagdjahr 90.306 Stück Schwarzwild in Brandenburg erlegt. Im Vergleich zu den letzten zehn Jahren jedoch liegt die Schwarzwildstrecke 2020/2021 mit gut 15.000 Stück über dem zehnjährigen Durchschnitt, auch wenn die Streckenzahlen immer noch eine zu hohe Schwarzwildpopulation aufzeigen, erklärt das Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Klimaschutz Brandenburg (MLUK).

Ein möglicher Grund für den Rückgang der Jagdstrecken im Fall von Schwarzwild und des weiteren Schalenwildes könnte die coronabedingte Schließung vieler Gastronomien und die dadurch schwierigere Vermarktung von Wildfleisch sein. Auch die Jagdbeschränkungen in den ASP-Restriktionszonen können sich negativ auf die Jagdstrecke ausgewirkt haben, mutmaßt das Ministerium. 

 

Brandenburg: Aufwandsentschädigung und Erlegungsprämien für Schwarzwild angepasst

Vor dem Hintergrund der ASP legt das Land Brandenburg seine Erlegungsprämie für das Jagdjahr 2021/2022 neu auf: Um weiteren Nachwuchs zu verhindern, gibt es für jedes erlegte weibliche Stück Schwarzwild der Altersklassen I und II eine Prämie für 80 Euro.

 

Darüber hinaus zahlt das Land ab dem 1. Oktober 2021 für jedes erlegte Wildschwein innerhalb ausgewiesener ASP-Restriktionsgebiete eine Aufwandsentschädigung von 150 Euro (bisher 100 Euro). Die Aufwandsentschädigung wurde im März eingeführt, um den Aufwand der Jäger bei der Entnahme des Schwarzwilds aus den Weißen Zonen auszugleichen. Verbraucherschutzministerin Ursula Nonnemacher: Mit der Erhöhung der Aufwandsentschädigung wollen wir einen stärkeren Anreiz für die Entnahme schaffen. Es ist wichtig, dass das Schwarzwild vor der nächsten Reproduktion möglichst vollständig aus den Restriktionsgebieten entnommen wird. Die kommenden vier Monate sind dafür ganz entscheidend.

 

Schlachthof in Belgern darf Schweine aus ASP-Gebieten schlachten

Für einen Teil der Schweinehalter in den ostsächsischen ASP-Gebieten gibt es bei der Vermarktung von Schlachtschweinen jetzt eine Alternative zum Schlachthof Kellinghusen in Schleswig-Holstein. Sie können nun ihre Schweine an die Emil Färber GmbH Großschlächterei & Co. KG in Belgern liefern.

Marcel Gliemann, Geschäftsführer der Emil Färber GmbH, machte gegenüber der Bauernzeitung deutlich: Die Perspektive, die Afrikanische Schweinepest in den Griff zu bekommen, ist gering. Wir helfen uns selbst, um auch in Zukunft agieren zu können – und nicht reagieren zu müssen.

An einem Schlachttag pro Woche nimmt der Schlachthof rund 700 Schweine ab. Der Aufwand sei enorm und doch nur ein Tropfen auf den heißen Stein, merkt Gliemann an.