23.07.2021

ASP bei Hausschweinen: Keine weiteren Einschränkungen bei Schweinefleischexporten erwartet

ASP bei Hausschweinen: Keine weiteren Einschränkungen bei Schweinefleischexporten erwartet ©Canva

Der Export von Schweinefleisch in Drittländer mit einem Abkommen über das Prinzip der Regionalisierung, soll auch nach Fällen von Afrikanischer Schweinepest (ASP) in Hausschweinebeständen weiterhin möglich sein. Das erklärte Beate Kasch, Staatssekretärin im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft gestern bei einem Treffen des Zentralen Krisenstabs Tierseuchen. Nach dem Ausbruch der ASP bei Wildschweinen im September 2020 brach der Schweinefleischexport in Drittländer durch die umgehend verhängten Ausfuhrsperren deutlich ein. Weitere Beschränkungen werden nach den jüngsten ASP-Fällen bei Hausschweinen in Brandenburg nicht erwartet.

ISN: Es ist gut und wichtig, dass mit dem Regionalisierungsprinzip schon Erfolge verbucht werden konnten. Die Versicherung, dass dies auch bei ASP-Fällen in Hausschweinebeständen weiterhin Bestand hat, ist ein wichtiges Signal. Trotzdem darf man jetzt nicht nachlassen und muss weiterhin alle Kraft in die Verhandlungen mit den entsprechenden Ländern (z.B. Südkorea, China) investieren, um weitere Vermarktungsmöglichkeiten zu schaffen. Gerade weil Nebenprodukte wie Öhrchen, Pfötchen und Schwänzchen hierzulande keinen Abnehmer finden, werden möglichst viele Exportdestinationen benötigt.

 

Nach den ersten Fällen von Afrikanischer Schweinepest (ASP) in Hausschweinebeständen in Brandenburg, tagte gestern unter Leitung der Staatssekretärin im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, Beate Kasch, der Zentrale Krisenstab Tierseuchen mit Vertretern von Bund und Ländern und dem nationalen Referenzlabor, dem Friedrich-Loeffler-Institut (FLI).

 

Export: Regionalisierungsprinzip greift weiterhin

Wie das Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung (BMEL) bekannt gab, berichtete Kasch dabei auch über die aktuelle Lage hinsichtlich des Exports von Schweinefleisch. Während wichtige Drittländer, wie z.B. China, bereits nach den Fällen von ASP beim Wildschwein im September 2020 deutschlandweite Sperren ausgesprochen hatten, konnte mit anderen Drittländern – unter anderem Vietnam, Singapur, Kanada – ein Abkommen über das Regionalisierungsprinzip erreicht werden. Dadurch blieb der Export von Schweinefleisch aus ASP-freien Gebieten in Deutschland in diese Länder noch möglich. Dies sollte laut Kasch auch bei Fällen von ASP in der Hausschweinpopulation prinzipiell weiterhin möglich sein. Zudem bleibe der Handel innerhalb des EU-Binnenmarkts weiterhin möglich, da das Regionalisierungsprinzip Anwendung findet.

Von den noch freien Ländern hat bisher keines wegen der jüngsten ASP-Fälle im Hausschweinebestand eine neue Sperre ausgesprochen. Auch auf europäischer Ebene ändert sich nichts für den Handel mit deutschem Schweinefleisch, bestätigt auch ISN-Marktanalyst Klaus Kessing.


Drittlandsdestinationen für deutsche Schweinefleischexporte, Januar bis April, Menge in Tonnen (inkl. Nebenprodukten) ©ISN nach AMI, Destatis

Drittlandsdestinationen für deutsche Schweinefleischexporte, Januar bis April, Menge in Tonnen (inkl. Nebenprodukten) ©ISN nach AMI, Destatis

Drittlandsexporte rund 50 % reduziert

Der Ausbruch der ASP bei Wildschweinen in Deutschland sorgte im letzten Jahr für spürbare Marktverwerfungen. Fast alle wichtigen Drittländer verhängten Einfuhrsperren für deutsches Schweinefleisch. Die deutsche Notierung für Schlachtschweine brach infolgedessen um über 20 Cent ein und verweilte wochenlang auf einem extrem niedrigen Niveau von 1,19 €/kg Schlachtgewicht.

Nach Angaben der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) schrumpfte der Handel mit Drittländern in den ersten vier Monaten dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um gut die Hälfte. Wurden von Januar bis April 2020 noch 421.508 t Schweinefleisch und Nebenprodukte ausgeführt, waren es im gleichen Zeitraum diesen Jahres nur noch 212.595 t. Besonders schwer fallen die entfallenen Lieferungen in die bisherige Nr. 1 der Abnehmer, d. h. China, ins Gewicht. Mit 257.376 t gingen in den ersten vier Monaten 2020 mehr als 50 % aller Schweinefleischexporte (inkl. Nebenprodukte) in die Volksrepublik. Nun ist der chinesische Markt für deutsches Schweinefleisch gesperrt. Auch wenn die Exporte innerhalb der EU um fast ein Drittel erhöht und die Mengen in andere Drittländer mit Regionalisierung weiter ausgebaut werden konnten, reicht das nicht aus, um den Rückgang auszugleichen. Gerade für den Absatz der Nebenprodukte wie Öhrchen, Pfötchen und Schwänzchen, die hierzulande kaum nachgefragt werden, sind die Drittlandsmärkte von großer Bedeutung.

 

Die ISN meint:

Das Regionalisierungsprinzip ist gut und wichtig. Dass durch intensive Verhandlungen diesbezüglich schon einiges erreicht wurde und einige Märkte für Deutschland wieder geöffnet werden konnten, ist als großer Erfolg zu werten. Die Versicherung, dass dies auch bei ASP-Fällen in Hausschweinebeständen weiterhin Bestand hat, ist ein wichtiges Signal für alle Marktteilnehmer. Trotzdem darf man jetzt nicht nachlassen und muss weiterhin versuchen hartnäckig auch an den anderen, sehr wichtigen Drittländern dranzubleiben. Gerade weil in Deutschland nicht das ganze Schwein gegessen wird und Nebenprodukte wie Öhrchen, Pfötchen und Schwänzchen keinen Abnehmer finden, werden möglichst viele Exportdestinationen mit entsprechenden Nachfragepräferenzen (häufig asiatische Länder) benötigt.

Auch wenn hier ohne Frage noch harte Nüsse zu knacken sind, ist es extrem wichtig, alle Kraft in die Verhandlungen mit den entsprechenden Ländern zu investieren, um weitere Vermarktungsmöglichkeiten zu schaffen, mahnt ISN-Geschäftsführer Dr. Torsten Staack. Hartnäckigkeit wird sich am Ende auszahlen, da bin ich sicher. Weitere Abkommen über das Regionalisierungprinzip wären in der aktuell schwierigen Marktlage ein wichtiges und gutes Signal für die deutschen Schweinehalter, die unter dem ruinösen Preistief ächzen und deren wirtschaftliche Lage immer dramatischere Ausmaße annimmt.

Wichtig ist dafür aber auch, dass die Behörden und die Politik in den von ASP betroffenen Bundesländern alles daransetzen, das ASP-Seuchengeschehen weiter kontrolliert zu halten und zu bekämpfen.