16.06.2015rss_feed

NRW: Remmel legt Handlungspapier Nachhaltige Nutztierhaltung vor – Dialogprozess gestartet

Johannes Remmel

Johannes Remmel

Nordrhein-Westfalen strebt eine Neuorientierung bei der Haltung von Nutztieren in der heimischen Landwirtschaft an und hat dazu das Handlungspapier Nachhaltige Nutztierhaltung NRW vorgelegt. Gleichzeitig will NRW-Landwirtschaftsminister Johannes Remmel damit einen breit angelegten Dialogprozess mit allen beteiligten Fachverbänden starten. Tierhaltung 4.0 ist das Zukunftsprojekt, das vor uns liegt, erklärte Remmel dazu am Montag auf einer Fachtagung in Bad Sassendorf.

 

In einer Pressemitteilung aus dem NRW-Landwirtschaftsministerium betonte Remmel, dass Tierhaltungsanlagen sich an den Bedürfnissen der Tiere und nicht an den wirtschaftlichen Interessen einer immer stärker industrialisierten Landwirtschaft orientieren müssten.

Dabei bezieht er sich auf das Gutachten des wissenschaftlichen Beirats des Bundeslandwirtschaftsministeriums, das genau dieses Spannungsfeld zwischen wirtschaftlichen Erfordernissen und den gesellschaftlichen Ansprüchen aufgreift.

Die aktuelle Diskussion zur Nutztierhaltung zeigt, dass es eines intensiven Prozesses bedarf, um alle Akteure an der zukünftigen Ausrichtung der Nutztierhaltung zu beteiligen. Deshalb soll unser Dialogprozess alle betroffenen Fachverbände ansprechen und in die Diskussion mit einbeziehen, erklärte Minister Remmel.

 

Remmel: Ethische Kommission aus ExpertInnen für Tierhaltung einrichten

Für eine nachhaltige Tierhaltung müsse laut Remmel eine Vielzahl von Zielkonflikten über nordrhein-westfälische Grenzen hinaus gelöst werden. Deshalb werde im Handlungspapier vorgeschlagen, auf Bundesebene eine ethische Tierhaltungskommission aus Expertinnen und Experten unterschiedlicher Disziplinen der Wissenschaft, der beteiligten Wirtschaft und der Zivilgesellschaft einzuberufen. Diese Kommission soll allgemein gültige Anforderungen und Standards für eine nachhaltige Nutztierhaltung beschreiben, Umsetzungszeiträume vorschlagen und bei deren Umsetzung in die Praxis beratend tätig sein. Minister Remmel setze dabei ausdrücklich auf einen Mix von kurz-, mittel- und langfristigen Maßnahmen, wie sie vom wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung vorgeschlagen werden.

 

Handlungsbedarf auf fünf Feldern

Auf folgenden fünf Feldern sieht Minister Remmel Handlungsbedarf um die einseitig stark auf Kostenführerschaft ausgerichtete System der Nutztierhaltung, zu einem artgerechteren und auf breiterer Basis gesellschaftlich akzeptierten System weiterzuentwickeln:

  1. Haltung

Die Haltungssysteme und Haltungsbedingungen sind den Bedürfnissen der Tiere anzupassen und nicht umgekehrt.

  1. Zucht

Die Zucht muss für ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Leistungsfähigkeit und Gesundheit/Tierwohl sorgen.

  1. Antibiotika

Der Einsatz von Antibiotika in der Nutztierhaltung ist auf das therapeutisch notwendige Mindestmaß zurückzuführen.

  1. Umweltgerechte

Modernisierung Leitbild muss die flächengebundene Tierhaltung und die Minderung der von Tierhaltungsanlagen ausgehenden Emissionen sein.

  1. Einkommenssicherung

Wirtschaftliche und soziale Rahmenbedingungen für eine nachhaltige Nutztierhaltung sind so zu gestalten, dass tierhaltende Betriebe langfristig angemessene Einkommen erwirtschaften können. Dafür muss es den Betrieben möglich sein, in angemessener Form auf die Änderungen des Marktumfeldes zu reagieren und Anpassungen vorzunehmen.


Die ISN fragt: Wie sieht der Dialog aus?

Selbstverständlich wird sich die ISN in den von Minister Remmel angekündigten Dialogprozess konstruktiv einbringen. Wie aber soll der Dialog aussehen? Bislang ist genau das noch unklar. Deshalb hat die ISN bereits im Düsseldorfer Ministerium nachgehakt – bislang steht eine Antwort aber noch aus. Man darf gespannt sein, ob Minister Remmel einen echten Dialog will, oder ob es sich hier nur um ein Lippenbekenntnis handelt.

In jedem Fall wird die ISN darauf drängen, dass nur solche für Schweinehalter in der Praxis umsetzbare und praktikable Lösungen zum Tragen kommen. Die Maßnahmen dürfen dabei nicht die Zukunftsfähigkeit und Wettbewerbsfähigkeit der schweinehaltenden Betriebe in NRW gefährden.

 


Hier können Sie sich das Beiratsgutachten "Wege zu einer gesellschaftlich akzeptierten Nutztierhaltung" herunterladen

Hier lesen sie die Originalpressemeldung des NRW-Landwirtschaftsministeriums

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