23.12.2016rss_feed

Neue Düngebehörde in Niedersachsen ab 2017

Gülleausbringung mit dem Schleppschlauch auf einem Stoppelacker

Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen richtet ab Januar 2017 eine neue, eigenständige Düngebehörde unter Aufsicht des Landwirtschaftsministeriums in Hannover ein. Das Land stellt hierfür im Haushaltsjahr 2017 zusätzliche Mittel in Höhe von 2,34 Millionen Euro zur Verfügung.

Für die Kontrollen im Rahmen des geltenden Düngerechts und im Hinblick auf das geplante betriebliche Düngekataster werden in einer ersten Ausbaustufe 16 neue Stellen eingerichtet. Hierbei wird auch die im neuen Landwirtschaftskammergesetz geforderte strikte Trennung der Bereiche Kontrolle einerseits sowie Beratung und Dienstleistung andererseits umgesetzt. Laut Pressemeldung des Ministeriums soll mit einer erheblichen Ausweitung der düngerechtliche Überwachung dem anhaltenden Problem der Nährstoffüberschüsse begegnet werden.

 

Mehr Beratung …

In der Pressemeldung heißt es weiter: Die Anforderungen an die landwirtschaftlichen Betriebe werden immer komplexer; die Einrichtung der Düngebehörde gehört zu unserer umfassenden Strategie, mit der wir weiterhin erfolgreiche Arbeit für die Betriebe leisten werden, sagte Hans-Joachim Harms, Direktor der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Neben der Überwachung und Kontrolle durch die neue Düngebehörde will die Kammer künftig auch die Beratung intensivieren, um auf eine ressourcenschützende Verwertung von Wirtschaftsdüngern und die Schließung von Nährstoffkreisläufen hinzuwirken.

Der vermehrte Transport von Wirtschaftsdüngern aus den Tierhaltungs- in die Ackerbauregionen sei dabei eines der Ziele, die Land und Kammer verfolgten, sagte Harms weiter. In der Arbeit der neuen Düngebehörde sollen zukunftsfähige Perspektiven für die Betriebe berücksichtigt werden: So werden wir die Aspekte Pflanzenbau, Betriebswirtschaft und Tierhaltung in unsere Beratungsleistung mit einbeziehen.

 

Und mehr Kontrolle …

Mit der neuen Düngebehörde werde die Grundlage für den Aufbau einer modernen, effizienten und wirksamen düngerechtlichen Kontrolle gelegt. Diese umfasse etwa den elektronischen Abgleich von Betriebsdaten aus verschiedenen Quellen, so dass die Daten nicht mehrfach erhoben werden müssen. Damit könne auch viel gezielter solche Betriebe ausgemacht werden, bei denen die Wahrscheinlichkeit von düngerechtlichen Verstößen größer ist.

Laut Nährstoffbericht 2015 sind in Niedersachsen in einem Jahr rund 60 Millionen Tonnen Wirtschaftsdünger angefallen, also Gülle, Festmist und Gärreste aus Biogasanlagen. Zusätzlich wurden von den Landwirten bis zu 300.000 Tonnen Stickstoff aus Mineraldünger ausgebracht. Nimmt man den tatsächlichen Nährstoffbedarf der Pflanzen, betrug allein der Stickstoffüberschuss im Land rund 81.000 Tonnen oder 30 Kilo pro Hektar.

 

Die ISN meint:

Schon wieder 16 neue Kontrolleure und eine weitere Behörde in Niedersachsen? Auf dem ersten Blick stellen sich hier die Nackenhaare auf, denn die Befürchtung, dass hier noch mehr Bürokratie und noch höhere Kontrollkosten auf die Tierhalter zukommen ist sicher nicht unbegründet. Aber immerhin findet das Ganze unter dem Dach der Landwirtschaftskammer statt, so dass zumindest garantiert ist, dass das Fachwissen im Boot ist. Die Nährstofffrage ist ohne Zweifel eine bedeutende und existenzielle Frage für die Tierhaltung. Deshalb ist es richtig, über die Kontrollen hinaus die (Verteilungs-)Probleme anzugehen, verstärkt nach Lösungen zu suchen und die Beratung zu intensivieren. Die schwarzen Schafe müssen erkannt werden, weil diese der ganzen Branche schaden. Deshalb wird der Sinn einer solchen Kontrollbehörde daran zu messen sein, wie gezielt sie diese schwarzen Schafe aufspürt, ohne den weit überwiegenden Teil der ordentlich arbeitenden Tierhalter zu sehr zusätzlich mit Bürokratie, Kosten und Zeitbedarf zu belasten.


Pressemeldung des Niedersächsischen Ministerium

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