22.12.2008 rss_feed

Internationaler Kosten- und Erlösvergleich der InterPIG 2007

Internationaler Kosten- und Erlösvergleich der InterPIG 20071


Mitglieder der Arbeitsgruppe Interpig

Mitglieder der Arbeitsgruppe Interpig

Die Expertengruppe InterPIG, in der Deutschland durch das Institut für Betriebswirtschaft des Johann-Heinrich von Thünen-Instituts (vTI, früher FAL) und die ISN vertreten wird, hat jetzt die Ergebnisse über die Kosten der Schweineproduktion 2007 vorgelegt. Ergänzend zu den Kosten der gesamten Schweineproduktion hat die InterPIG auch die Kosten der Ferkelerzeugung berechnet. Hierüber berichtet top agrar in der Ausgabe 1/2009.

 

Produktionskosten 2007 in den USA am niedrigsten

Nach den Berechnungen der InterPIG sind die USA mit 1,04 € pro kg Schlachtgewicht der kostengünstigste Standort (s. Übersicht 1). Die folgenden Plätze belegen Brasilien mit 1,10 € und Kanada mit 1,12 €. In Brasilien fallen zwar die Futterkosten 2007 höher aus als in den meisten europäischen Vergleichsländern, Brasilien hat aber Standortvorteile durch die geringen Kosten für Arbeit, Gebäude und Sonstiges. Die USA und Kanada liegen bei diesen Positionen nicht ganz so niedrig, aber ebenfalls deutlich unter dem europäischen Niveau.

Unter den europäischen Vergleichsländern steht Dänemark 2007 mit 1,39 € pro kg Schlachtgewicht am besten da und rangiert anders als in den Vorjahren auf Platz 4 vor den Niederlanden, Frankreich und Belgien, wo sich die Kosten auf 1,43 € bis 1,49 € belaufen. Deutschland kommt mit 1,59 € auf Platz 10 nach Spanien und Irland, wo 1,55 € bzw. 1,56 € anfallen. Österreich und Schweden überschreiten die Marke von 1,60 €. In Großbritannien und Italien liegen die Kosten sogar über 1,70 €. Die Ergebnisse Italiens sind jedoch nicht einfach mit denen der anderen Länder zu vergleichen und werden hier nicht weiter diskutiert, weil es sich in Italien um die Mast extra schwerer Schweine für die Erzeugung von Spezialschinken und Wurst handelt.

 


Dr. Gerhard Haxsen

Dr. Gerhard Haxsen

Geringere Stückkosten bei hohen Leistungen

Für die europäischen Kostenführer Dänemark, Frankreich und die Niederlande ist kennzeichnend, dass sie durch die große Zahl an abgesetzten Ferkeln sowie durch hohe tägliche Zunahmen in der Mast ein großes Aufkommen an Fleisch pro Sau und Jahr erreichen (s. Übersicht 2). Durch die Spitzenleistung von 2200 kg schaffen es die Niederländer, die Arbeitskosten pro kg Schlachtgewicht trotz hohen Lohniveaus niedriger als die europäischen Mitbewerber zu halten. Überdurchschnittlich belastet sind die Niederlande dagegen durch die Gebühren der überbetrieblichen Gülleverwertung, diese sind 2007 wieder gestiegen und schlagen mit 9 Cent pro kg Schlachtgewicht zu Buche. Belgien rangiert bei den Kosten der überbetrieblichen Gülleverwertung auf Platz 2, hier machen sie 5 Cent pro kg Schlachtgewicht aus. Ein größerer Nachteil sind für Belgien die hohen Futterkosten, die mit mehr als 84 Cent fast so hoch ausfallen wie in Großbritannien. Nur in Irland und Spanien schlagen die Futterkosten noch mehr zu Buche. Sie liegen dort um 8 Cent bzw. 16 Cent pro kg Schlachtgewicht höher als in Belgien. Bei den gesamten Produktionskosten macht der Unterschied gegenüber Belgien 6 bis 7 Cent aus. In Irland und Spanien wird dennoch um 3 bis 4 Cent billiger als in Deutschland produziert.

Die deutsche Erzeugung ist wegen der geringeren Kostendegression in den kleineren Betrieben mit überdurchschnittlich hohen Arbeits- und Gebäudekosten belastet, außerdem schlagen hier die Ausgaben für tierärztliche Leistungen und Energie stärker zu Buche als in den meisten Vergleichsländern. In Österreich sind die Kostennachteile aufgrund kleinerer Bestände noch größer, hinzu kommen Nachteile durch höhere Futtermittelpreise. Schwedische und britische Produzenten sind ebenfalls mit hohen Arbeits- und Gebäudekosten konfrontiert, sie resultieren zum einen aus Tierschutzauflagen, zum anderen aus geringeren Leistungen. Aufgrund des unterdurchschnittlichen Fleischaufkommens von 1865 kg bzw. 1536 kg pro Sau ergeben sich in Schweden und Großbritannien überdurchschnittliche Stückkosten.


Anna-Kathrin Hertrampf

Anna-Kathrin Hertrampf

Preise niedriger als die Kosten

Für die betriebswirtschaftliche Bewertung kommt es nicht nur auf die Kosten, sondern auch auf die Erlöse an. Durch den erzielten Erzeugerpreis werden 2007 allein in den USA die kalkulierten Kosten annähernd kompensiert. Unter den europäischen Vergleichsländern schneidet Dänemark mit einer Kostendeckung von fast 87 % am besten ab. In Deutschland deckt der Erzeugerpreis  knapp 80 % der Kosten. Nur in Schweden ist mit 78 % die Rate der Kostendeckung noch schlechter.

Fazit

Schweineproduzenten mit durchschnittlichen Leistungen haben bei den Preisen 2007 nicht nur in Deutschland, sondern auch in den meisten Vergleichsländern keine vollständige Kostendeckung erreicht. Allein in den USA werden die Kosten annähernd gedeckt. Deutschland rangiert im Kostenniveau am Ende des Mittelfelds, beim Preis-Kosten-Verhältnis kommt es auf den vorletzten Platz, nur in Schweden sieht es noch ungünstiger aus.

 

1von Gerhard Haxsen, Institut  für Betriebswirtschaft, vTI Braunschweig




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