04.02.2014

EU-Schweinemarkt – Russischer Importstopp führt zu Preisdruck in Europa

2014 02 04

Der EU-Schweinemarkt stellte sich bis zur Mitte der vergangenen Woche ausgesprochen freundlich dar. Das Angebot an Schweinen wurde zügig nachgefragt, in zahlreichen Ländern wurden festere Preise erwartet.

Leider haben sich diese Hoffnungen nach dem Fund von zwei toten Wildschweinen in Litauen schnell zerschlagen. Da bei diesen Tieren der Erreger der afrikanischen Schweinepest nachgewiesen werden konnte, hat Russland sofort die Grenzen für sämtliches unverarbeitetes Schweinefleisch aus der EU geschlossen. Da immerhin etwa ein Viertel der EU-Ausfuhren an Schweinefleisch nach Russland gehen, sind die Marktauswirkungen sofort spürbar: Insbesondere fettere Teilstücke, wie z.B. Schultern oder Bäuche sind deutlich unter Druck gekommen. Dementsprechend stehen in vielen Ländern auch die Notierungen für Schlachtschweine unter Druck. Obwohl die Notierung der Vereinigung der Erzeugergemeinschaften in Deutschland unveränderte Preise veröffentlichte, gingen fast alle namhaften Schlachtunternehmen schon am Freitag auf Konfrontation und veröffentlichten Hauspreise. Während Tönnies, Vion, Danish Crown und andere die Preise ab Montag, den 03.02.14 um 5 Cent senken, korrigierte Westfleisch den neuen Auszahlungspreis für freie Schweine um 3 Cent. Im Fahrwasser der deutschen Schlachtunternehmen wurden auch in den Niederlanden die Preise um 5 Cent und in Belgien um 4 Cent gedrückt. Obwohl sehr stark vom Exportstopp betroffen, hat Danish Crown auf seinem Heimatmarkt in Dänemark bislang nicht reagiert und die Preise am vergangenen Donnerstag auf Vorwochenniveau belassen.

Das Handeln der Russen ist in der EU auf vielfache Kritik gestoßen. EU- Gesundheitskommissar Tonio Borg sagte beispielsweise, dass das Vorgehen unverhältnismäßig sei. Nicht wenige Stimmen berichten, dass der Importstopp genutzt werde, um die Schweinepreise im eigenen Land zu stützen. Seit dem Beitritt zur WTO sucht Russland immer wieder nach nicht-tarifären Handelshemmnissen, um die heimischen Märkte zu schützen.

Tendenz für den deutschen Markt: Von Seiten der Behörden wird mit Hochdruck an einer Lösung im Handelsstreit mit Russland gearbeitet, leider bislang ohne Erfolg. Auf dem Lebendmarkt fließt das aktuell nicht zu reichliche Angebot an Schlachtschweinen zu überwiegend reduzierten Preisen reibungslos ab. Der befürchtete Angebotsstau ist bislang ausgeblieben. Es bleibt daher die Hoffnung, dass sich die Aufregung auf den Fleischmärkten rasch wieder legt.




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