22.06.2007rss_feed

Zwei Vermarktungswegevergleiche – Eine Milchmädchenrechnung? - Kommentar von Christian Schulze Bremer, ISN-Beiratsmitglied

Wer als Schweinemäster an unserem Preisvergleich teilgenommen und bereits den zweiten Abschlussbericht Ende letzten Jahres erhalten hat, dürfte sich bei dem Anblick des ersten DBV-Vermarktungswegevergleich zunächst gewundert haben. Wie kann es sein, dass bei einem solchen Datenumfang (DBV: ca. 550.000; ISN: 1,3 Mio. Schlachtschweine) die Auswertungen der beiden Organisationen zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen? Zum Teil stehen sogar Vermarktungswege, die beim Bauernverband im unteren Drittel angesiedelt sind, bei uns in einigen Rankings an der Spitze.

Die Erklärung dafür ist schnell gefunden: Beide Organisationen verfolgen das gleiche Ziel, nämlich mehr Markttransparenz zu schaffen, doch auf dem Weg dorthin beschreiten DBV und ISN zwei völlig unterschiedliche Wege. Der Weg des Bauernverbands führt über eine einzige Tabelle, mit der versucht wird, die gesamte Breite des Schweinemarktes darzustellen. Dort nimmt man den Basispreis als Grundlage, um diesen dann um Vorkosten, Boni und Maskenwert zu bereinigen. Die gelieferten Schweine und damit der für den Landwirt entscheidende tatsächliche Auszahlungspreis spielt bei dem so genannten Vergleichswert somit keine Rolle. In diesem System kommen dann auch Vermarktungswege besonders gut weg, die optisch hohe Basispreise ausweisen, sich allerdings einen Teil des Geldes über Klassifizierung und Ausschlachtung wieder zurückholen. Der Ehrliche ist eben der Dumme!

Wir von der ISN sind der Meinung, dass die Darstellung über ein einziges Ranking bei der Vielzahl von Einflussfaktoren und der Heterogenität des Tiermaterials in Deutschland stets unvollständig bleiben wird. Demzufolge wird für uns auch nur die Gesamtheit von leicht nachvollziehbaren Rankings (Ausschlachtung, Klassifizierung, Vergleichserlös, usw.) dem deutschen Schweinemarkt gerecht. Wir befinden uns mit diesem Ansatz bereits im dritten Jahr und haben damit sehr gute Erfahrungen gemacht. Und bei uns bekommt der Schweinemäster auch gezeigt, welche Abrechnungsmasken am Markt angeboten werden und wie diese konkret aussehen.

Eine wirklich praktische Hilfe, um den deutschen Maskensalat zu entwirren, wie uns Schweinemäster immer wieder bescheinigen. Bewusst machen wir die Ergebnisse ausschließlich nur dem geschlossenen Benutzerkreis, d.h. den Teilnehmern des Vergleichs, zugänglich. Jedes ISN-Mitglied kann kostenlos Schlachtdaten eingeben und sich so Zugang zu den Ergebnissen verschaffen. Ohne unsere fleißigen Melder, hätten wir nie die 1,3 Mio. Schlachtschweine erreicht, die den Markt nun ordentlich repräsentieren. Und es ist nur gerecht, dass diejenigen, die die den Schweinemarkt beackert haben, auch die Ernte einfahren. Die Teilnahme steht schließlich jedem frei.

Methodisch betrachtet sind beide Systeme korrekt! Während der DBV einen streng mathematischen Ansatz wählte, beziehen wir uns auf einen eher praktischen Ansatz, der die tatsächlich erzielten Werte darstellt. Dies ist für jeden Landwirt ohne zusätzliche Beratung nachvollziehbar.

Berechtigt ist sicherlich die Frage, ob es denn überhaupt zwei Vergleiche geben muss. Denn in der Form, wie es jetzt der Fall ist, sorgen die Vergleiche bei den Landwirten, die an keinem der beiden Vergleiche teilnehmen eher für Verwirrung als für klareres Bild am Markt. Denn egal, bei welchem Preisvergleich ein Schweinehalter sich einbringt, er wird schnell merken, dass die Unterschiede zwischen den einzelnen Schweinemästern weitaus größer sind als die zwischen den einzelnen Vermarktungswegen. Den größten Fehler begeht man also, wenn man sich an keinem dieser Vergleiche beteiligt.

Grundsätzlich steht die ISN für den freien Markt. Dies gilt für den Schweinemarkt genauso wie für den Markt von Preisvergleichen. Am Ende wird sich das bessere System durchsetzen.

Im Bild: Christian Schulze Bremer, Schweinehalter aus Dülmen-Rorup in Nordrhein-Westfalen, Mitglied im ISN-Beirat und Vorsitzender des ISN-Marktausschusses


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