27.07.2012rss_feed

Schweinepreise in Deutschland: Haus-gemacht? - Marktkommentar von ISN-Marktexperte Matthias Quaing

ISN-Marktreferent Matthias Quaing

ISN-Marktreferent Matthias Quaing

Die Erwartungen an den Schweinemarkt im Sommer 2012 waren bei vielen Schweinehaltern groß. Der deutliche Preisanstieg vom heutigen Freitag um immerhin + 10 Cent ist zwar ein Lichtblick, dennoch bleibt die Situation enttäuschend: angesichts der Futterkosten, die sich auf einem Allzeithoch befinden,  sind gegenwärtig Preise von annähernd 70 € je Ferkel und ein Schlachterlös von 1,90 €/kg erforderlich, um die Vollkosten zu decken! Selten war die Lücke zwischen Kosten und Erlösen größer als in den letzten Wochen, rentables Wirtschaften für die Schweinehalter damit unmöglich.

 

Stimmungsmache der Schlachtunternehmen setzt Abwärtsspirale in Gang!

Wo liegen die Ursachen? Schlachtunternehmen geben den Schwarzen Peter gerne an den nachfragemächtigen Lebensmitteleinzelhandel oder an einen schwächelnden Export weiter. Im Kern mag es stimmen. Auch uns liegen Zahlen vor, dass der Schweinefleischverbrauch in Deutschland in 2012 bisher rückläufig war. Ebenso konnte das II. Quartal 2012 im Fleischexport nicht an das Rekordergebnis aus dem I. Quartal anknüpfen.

Das ist aber nur eine Seite der Medaille! Aus meiner Sicht tragen die größten deutschen Schlachtunternehmen an der unbefriedigenden Situation in diesem Sommer eine deutliche Mitschuld! Das Verhalten, das wir beobachten können, ist stets dasselbe: Immer wenn die Festlegung des Preises für die neue Schlachtwoche naht, wird kräftig mit den Säbeln gerasselt. War es in den letzten Monaten häufig die Vion, die mit niedrigen Hauspreisen und verkürzten Zahlungszielen die Wunschrichtung vorgab, rasselten in den vergangenen Wochen auch die anderen Branchengrößen kräftig mit. Parallelen zu den Preistaktiken der Ölkonzerne sind nur schwer von der Hand zu weisen. Die Argumente, mit denen der Preis immer weiter nach unten geredet wird, sind ebenfalls immer dieselben: Die schwache Nachfrage aus dem Ausland, die übervollen Kühlhäuser oder der grillmüde Verbraucher.


EU-Schweinepreisvergleich 24.07.2012

EU-Schweinepreisvergleich 24.07.2012

Eigentor der Schlachtunternehmen?!

Stichwort schwächelnder Export: Wie passt es zusammen, dass der Preis in der Exportnation Dänemark in den letzten Wochen bis zu 11 Cent höher lag als in Deutschland? Ein Blick in den europäischen Schweinepreisvergleich der ISN zeigt, dass Deutschland in 2012 nur noch einen der hinteren Plätze einnimmt. Wenn unsere Schlachtunternehmen im Export tatsächlich deutlich weniger erlösen als der dänische Branchenriese, sollten sie sich ernsthafte Gedanken über ihren Verkauf machen.

Auch das Argument übervoller Kühlhäuser löst bei mir nur Kopfschütteln aus. Vielleicht trifft es auf einzelne Schlachtunternehmen zu, nach unseren Recherchen sind die Kapazitäten der deutschen Kühlhäuser jedoch noch lange nicht vollständig ausgelastet.

Wem nützt es also, permanent Unruhe in den Lebendmarkt für Schlachtschweine zu bringen? Wohl in erster Linie dem Einkäufer beim Lebensmittelhandel, der die Preise ordentlich drücken kann. Die miese Stimmungsmache dürfte zumindest mittelfristig also ein glattes Eigentor für die Schlachtunternehmen werden.


Marktplatz der ISN-Schweinebörse vom 27.07.2012

Marktplatz der ISN-Schweinebörse vom 27.07.2012

An die eigene Nase fassen!

In dieser Woche war es an der Hauspreisfront ausnahmsweise ruhig. Der Preisanstieg war jedoch längst überfällig und zeigt einen kleinen Lichtblick für unsere Sauenhalter und Mäster. Aber nur meckern bringt bekanntlich nichts. Jeder Landwirt sollte versuchen, für sich das Beste rauszuholen. Und dass bei den Schweinepreisen noch mehr drin sein kann, zeigen die Ergebnisse der Internetschweinebörse und des Marktplatzes der ISN. Beide sind deutliche Indikatoren, was auf dem freien Markt möglich ist. In der Auktion wurden Partien bereits am Mittwoch zu Kursen von bis zu 1,725 €/kg bei 4,60 € Vorkosten gehandelt, heute Morgen auf dem Marktplatz der ISN angebotene Schweine waren innerhalb kürzester Zeit zu Preisen zwischen 1,72 und 1,75 € vergriffen. Wer sich also nicht mit den gegebenen Preisen zufrieden geben möchte, sollte sich über die Vermarktungskonditionen informieren und das Angebot der Auktion oder des Marktplatzes der ISN in Anspruch nehmen.

Angesichts der hohen Kosten in der Schweinehaltung sind nun dringend weiter steigende Preise nötig. Was möglich ist, haben unsere europäischen Nachbarländer vorgemacht!



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