09.05.2014rss_feed

Schweinepreis in Deutschland: Abstieg in die Kreisliga?

"Will denn keiner mit mir um den Aufstieg kämpfen?"

"Will denn keiner mit mir um den Aufstieg kämpfen?"

Pünktlich zum letzten Spieltag in der Bundesliga eignet sich ein Vergleich mit dem Fußball um den aktuellen Schweinemarkt zu beschreiben.

 

Die Ausgangssituation vor Anpfiff wie folgt: Die Marktteilnehmer der grünen Seite blickten nach dem versäumten Preisanstieg in der Vorwoche optimistisch in die neue Schlachtwoche. Das Angebot an schlachtreifen Schweinen ist knapp und reicht nicht aus, alle Anfragen der Schlachtunternehmen zu bedienen. Zum Wochenende wurden sogar Schweine gesucht, es fehlten Partien. Doch am Ende kam es am Mittwoch nur zum 0:0, die Notierung bewegte sich nicht nach oben, sondern blieb bei 1,60 € stehen. Da wäre mehr für die grüne Seite drin gewesen.

 

Deutschland auf dem Weg zum Schlusslicht in Europa

Mittlerweile ist die deutsche Notierung auf dem Weg zum Schlusslicht in Europa. Die Zeiten, wo Deutschland in der Champions League spielte, scheinen Geschichte. Aktuell rangiert das deutsche Preisniveau unter den fünf größten Schweine haltenden Ländern in der EU abgeschlagen auf Platz 4. Längst wurde Deutschland von Frankreich und Dänemark – zunehmend in Ballbesitz - überholt. Aktuell liegt der Preisabstand zu Frankreich bei beachtlichen 16 Cent. Vor zwei Wochen waren es sogar 21 Cent gewesen!

Seit etwa 3 Wochen treten die Notierungen in Europa auf der Stelle. Verantwortlich gemacht wird dafür im Wesentlichen die deutsche Notierung, die traditionell als etablierte Leitnotierung Vorbildcharakter hat. Ohne Signal aus Deutschland geht es auch in anderen Ländern nicht weiter, denn diese dürfen auch die Konkurrenzfähigkeit ihrer Produkte auf den Exportmärkten nicht aus dem Auge verlieren.


EU-Schweinepreise im Vergleich

EU-Schweinepreise im Vergleich

Einwurf: Deutliche Preisaufschläge auf dem Spotmarkt

Einen entscheidenden Hinweis auf die knappe Versorgungslage bot auch das Ergebnis der Internet Schweinebörse. Im Rahmen der Auktion am Montag wurden Schlachtschweinepartien im Durchschnitt für 1,69 EUR/ kg SG gehandelt, das sind beachtliche 9 Cent über dem bis dato gültigen Notierungsniveau.

 

Paukenschlag am Mittwoch: Foulspiel von DC

Bis Mittwochvormittag gingen die Marktteilnehmer aufgrund des knappen Lebendangebots von einem Preisanstieg in Höhe von 3 bis 5 Cent aus. Dem Vernehmen nach signalisierte die rote Seite bereits ihr Einverständnis zu einem Preisanstieg. Dann das Foulspiel: Am Vormittag kam Danish Crown in Essen mit der Information heraus, am Donnerstag definitiv nur noch 1,56 EUR zahlen zu wollen. Preismelder ließen sich durch diese Meldung offensichtlich dermaßen einschüchtern und verunsichern, dass der marktgerechte Preisanstieg ausblieb und ein unveränderter Preis festgelegt wurde.


Ein Vergleich: ISB-Auktion, VEZG und ISB-Marktplatz

Ein Vergleich: ISB-Auktion, VEZG und ISB-Marktplatz

Mitspieler erzielen höhere Preise

Auch im Nachgang ist ein Preisniveau von 1,60 EUR zu niedrig. Auf dem ISN-Marktplatz war noch am Donnerstagvormittag ein Preis von 1,67 EUR zu erzielen gewesen. Um nach eigenen Angaben den Vertragslieferanten einen marktgerechten Preis zu bieten, zahlt die Westfleisch in der laufenden Schlachtwoche ihren Vertragslieferanten einen Aufschlag von 2 Cent. Ein deutliches Zeichen!

 

Danish Crown: Rote Karte

Das Schlimmste an der Sache kommt jedoch noch: Die Ankündigung von DC war nicht mehr als heiße Luft. Wie abzusehen war, sind viele Schweine bei DC abbestellt worden, so dass die Hauspreise dem schon wieder vom Tisch sind. Das große Ziel hat das Unternehmen jedoch erreicht: Der Anstieg der VEZG-Notierung wurde erfolgreich verhindert. Rote Karte! Wenige Anrufe reichten aus, um die Leitnotierung in Europa zu manipulieren. Landwirte und Vermarkter sollten ihre Schlüsse aus diesem Verhalten ziehen. Schlachtunternehmen, die nur darauf aus sind, Landwirte abzuzocken, sollten konsequent umfahren werden. Und das nicht nur in Hauspreiswochen!


Abpfiff und Spielanalyse: Fehleinschätzungen häufen sich

Das Spiel ist abgepfiffen und die Niederlage für die Erzeuger unbestritten. Eine neue Taktik ist gefragt um den Klassenerhalt doch noch zu sichern.

Die ISN fordert eine am Markt orientierte Notierung, die die aktuelle Marktsituation kurzfristig und realistisch wiederspiegelt. Derzeit dürfte wohl jedem am Schweinemarkt Beteiligten auffallen, dass die Notierung immer wieder neben der Spur liegt. Woran liegt dieser Umstand? Auf der einen Seite sicherlich an der Dreistigkeit einzelner Schlachtunternehmen, wie das Beispiel DC in dieser Woche zeigte. Auf der anderen Seite ist es nicht möglich, ohne intensiven Kontakt und Gesprächsbereitschaft zwischen grüner und roter Seite eine Notierung nachhaltig am Markt bestehen zu lassen. Die Erzeuger dürfen nicht die Leidtragenden der Fehleinschätzungen werden und auf das Mitleid einzelner Schlachthöfe angewiesen sein.

An dieser Stelle muss auch die Frage gestellt werden, ob die Umstellung des Notierungstages eine Markteinschätzung auf breiter Basis erlaubt. Hat sich die VEZG selbst in die Abseitsposition manövriert?



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