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Internationaler Kosten- und Erlösvergleich der InterPIG 2012 - Kosten der Schweineproduktion weltweit deutlich gestiegen

Kosten und Erzeugerpreise der Schweinemast im internationalen Vergleich

Kosten und Erzeugerpreise der Schweinemast im internationalen Vergleich

 Kosten der Schweineproduktion weltweit deutlich gestiegen – Deutschland weiter nur im Mittelfeld

Von Gerhard Haxsen, Thünen-Institut für Betriebswirtschaft, Braunschweig

 

Die internationale Arbeitsgruppe InterPIG, in der Deutschland durch das Thünen-Institut und die ISN - Interessengemeinschaft der Schweinehalter e.V. vertreten ist, berechnet im jährlichen Turnus Kosten und Leistungen der Schweinehaltung im internationalen Vergleich. Jetzt liegen die Ergebnisse des Jahres 2012 vor. 

 

Die Kosten je kg Schlachtgewicht sind in den Teilnehmerländern  Nord- und Südamerikas mit 1,38 € bis 1,43 €/kg Schlachtgewicht (SG) nach wie vor geringer als in Europa (s. Abbildung). Wegen des stärkeren Anstiegs der Futtermittelkosten ist der Kostenvorteil Amerikas gegenüber den europäischen Vergleichsländern jedoch etwas kleiner geworden. Die Vorteile Brasiliens, Kanadas  und der USA schlagen vor allem bei den Ferkelkosten sowie den Arbeits- und Gebäudekosten zu Buche.

 

In Europa schneiden Spanien und Frankreich 2012 mit 1,62  €/kg SG am besten ab. Die nächsten Plätzte nehmen Dänemark und die Niederlande ein, dort  liegen die Kosten im Durchschnitt der Betriebe um vier Cent höher. Deutschland und Österreich rangieren mit 1,74 €/kg SG im Mittelfeld. Mehr als 1,80 €/kg SG errechnen sich für Irland, Tschechien, Großbritannien Italien und Schweden. Die Ergebnisse Italiens sind allerdings nicht einfach mit denen der anderen Länder zu vergleichen, weil es sich dabei um die Mast extra schwerer Schweine für die Erzeugung von Spezialschinken und Wurst handelt.


Die Gründe für die Kostenvorteile und die Kostennachteile sind von Land zu Land unterschiedlich. Die im europäischen Vergleich niedrigen Kosten Spaniens resultieren in erster Linie aus preiswerten Gebäuden und der Nutzung der Kostendegression in großen Beständen. Zu den Vorteilen  Frankreichs und Dänemarks tragen vornehmlich die Positionen Futter, Energie sowie Tierarzt und Medikamente bei. Die Niederlande und Belgien profitieren von niedrigen Ferkelkosten.

 

In Dänemark erscheint der Vorteil kostengünstiger Ferkel nicht so offenkundig, weil die Mastschweine dort mit einem Endgewicht von 107 kg eher zur Schlachtung kommen; dadurch verteilen sich die Kosten des Ferkels auf ein geringeres Schlachtgewicht. Auch in Großbritannien und Irland liegen die Mastendgewichte mit 103 bis 104 kg unter dem europäischen Mittelwert. Dies trägt dazu bei, dass dort die Ferkelkosten ungefähr die Hälfte der gesamten Produktionskosten pro kg Schlachtgewicht ausmachen. In Deutschland liegen die Ferkelkosten pro kg Schlachtgewicht trotz der teuren Ferkelproduktion unter dem europäischen Durchschnitt. Dies ist zum einen auf das höhere Mastendgewicht und zum anderen auf den starken Wettbewerb auf dem Ferkelmarkt durch Importe aus Dänemark und den Niederlanden zurückzuführen.


Die höheren Produktionskosten in Deutschland und Österreich resultieren u.a. aus höheren Futterkosten sowie einer stärkeren Fixkostenbelastung in kleineren Beständen. Die Futterkosten je kg Schlachtgewicht sind in Deutschland auch deshalb hoch, weil die Futterverwertung bei der Produktion der am Markt gewünschten schwereren Schweine geringer ist.

 

Das sehr hohe Kostenniveau in Tschechien, Italien und Schweden hat verschiedene Ursachen. Die tschechischen Betriebe haben besonders hohe Kosten für Tierarzt und Medikamente, während in   Italien sich das überdurchschnittlich teure Futter bei der langen Mastdauer belastend auswirkt. Schwedens Schweinehalter haben aufgrund von Auflagen für den Tierschutz auffallend hohe Gebäudekosten.

 

Für die Rentabilität der Schweineproduktion sind neben den Kosten auch die Erzeugerpreise maßgebend. Die Abbildung gibt hierzu das Niveau der Erzeugerpreise wieder. In den meisten  Vergleichsländern reichen die 2012 erzielten Erzeugerpreise nicht, um die Produktionskosten zu kompensieren. Allein in den USA, Spanien und Österreich liegen die Kosten pro kg Schlachtgewicht unter dem Erzeugerpreis. In Deutschland werden 95 % der Kosten gedeckt, während die Betriebe in Belgien, Dänemark, Frankreich, Großbritannien und den Niederlanden etwas besser abschneiden. Noch geringer als in Deutschland ist die Rate der Kostendeckung in Brasilien, Kanada, Tschechien, Irland, Italien und besonders in Schweden.

 

Die ISN meint:

Im Durchschnitt der deutschen Betriebe konnte auch im vergangenen Jahr wieder einmal nicht kostendeckend gearbeitet werden. Folge: Der Strukturwandel läuft ungebremst weiter. Nationale Alleingänge und einseitig verschärfte Haltungs- und Umweltauflagen sind jedoch nicht, wie insbesondere von den grünen Landwirtschaftsministern gefordert, die Lösung dieses Problems.

 

Im Gegenteil: Sie gefährden die Wettbewerbsfähigkeit der Schweinehaltung eines Landes massiv. Das belegen die Zahlen aus Großbritannien und Schweden schwarz auf weiß! Und wie im Beispiel Schweden sind höhere Produktionskosten eben nicht automatisch mit besseren Erlösmöglichkeiten verbunden. Nachbarländer bzw. auch Produzenten außerhalb der europäischen Union stehen schon in den Startlöchern, um Marktanteile zu übernehmen.


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