20.03.2014rss_feed

Erlässt Minister Meyer neue Vorgaben zur Einschränkung der Tierhaltung in Niedersachsen?

Niedersächsischer Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne)

Niedersächsischer Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne)

Für viel Verwirrung sorgen derzeit ein Interview der Zeitung Die Welt mit Niedersachsens Agrarminister Christian Meyer sowie Äußerungen aus seinem niedersächsischen Landwirtschaftsministerium gegenüber der Presseagentur dpa. Demnach plane Minister Meyer einen neuen Erlass.

 

In diesem Erlass soll laut dpa beschrieben sein, dass zukünftig Schlachtbetriebe und Veterinäre den Gesundheitszustand von Nutztieren erfassen müssen. Auf dieser Grundlage würden die Behörden dann entscheiden, ob die Zahl der gehaltenen Tiere auf einem Betrieb in Ordnung ist oder ob der Landwirt weniger halten muss.  Für zusätzliche Irritationen sorgten weitere Aussagen einer Ministeriumssprecherin, die von einigen Medien zitiert wurde. Danach sollen die Kontrollen entweder per Video oder persönlich erfolgen.

Viele niedersächsische Tierhalter befürchten nun aufgrund dieser Aussagen Willkür und Wettbewerbsnachteile für Ihre Betriebe.


Zahl der gehaltenen Tiere pro Stall in Ordnung?

Zahl der gehaltenen Tiere pro Stall in Ordnung?

Was ist tatsächlich gemeint?

Es geht um die Kontrolle der angelieferten Schweine am Schlachthof, die schon seit vielen Jahren gesetzlich vorgegeben und somit flächendeckend hinsichtlich verschiedenster Schlachtbefunde umgesetzt wird. Dieses geschieht durch amtliches Personal am Schlachthof - zum Teil unterstützt durch Bilddokumentation.

 

Schon heute bekommen die Landwirte je nach Schlachtbetrieb Rückmeldungen zu ihren geschlachteten Tieren. Schon heute werden die zuständigen Behörden aktiv und ordnen entsprechende Maßnahmen an, wenn sie am Schlachthof grobe Mängel feststellen. Übrigens: Die konventionellen Schweinemäster haben keinen Grund sich hier zu verstecken. So sind die Schlachtbefundergebnisse ihrer Schweine in der Regel besser als die von Schweinen aus alternativen Haltungssystemen.

 

Brauchen wir noch mehr Kontrollen?

Minister Meyer will die Kontrollsysteme jedoch weiter ausdehnen und starre Kontrollmechanismen festlegen. Dabei ist die Nutzung der Befunddaten zur Optimierung im landwirtschaftlichen Betrieb nach Meinung der ISN grundsätzlich zu begrüßen und wird auch schon praktiziert – die Wirtschaft arbeitet außerdem schon lange an einer weiteren Optimierung.

Bevor  jedoch überhaupt starre Kontrollgrenzen eingezogen werden können, ist es noch ein langer Weg. Zunächst einmal muss gewährleistet sein, dass die erhobenen Daten belastbar und über Schlachtbetriebe hinweg vergleichbar sind – entsprechende Untersuchungen dazu sind unbedingt erforderlich und laufen bereits.


ISN-Vorsitzender Heinrich Dierkes

ISN-Vorsitzender Heinrich Dierkes

Die ISN verurteilt

…die pauschalen und unsachlichen Aussagen des Ministers im Welt-Interview scharf. Eine Weiterentwicklung in punkto Tierschutz kann nur zusammen mit den Tierhaltern  erreicht werden – und zwar nur mit der breiten Masse der Tierhalter. Dabei muss Minister Meyer endlich anerkennen, dass die deutschen Tierhalter schon heute ein sehr hohes Engagement in Sachen Tierschutz an den Tag legen. Die ISN fordert den Minister auf, den Tierhaltern endlich mehr Vertrauen entgegen zu bringen.

 

Es ist nicht so, wie der Minister einmal mehr in dem neuen Interview behauptet, dass beispielsweise das Thema Schwanzbeißer durch den Einsatz von Stroh im Stall gelöst sei. Warum gibt es denn das Problem auch in Strohställen und in alternativen Haltungssystemen? Es ist von vielen Faktoren abhängig? Mit den Pauschalaussagen ignoriert Minister Meyer die Bemühungen von uns Landwirten und entwickelt sich zum Strukturtreiber Nummer 1, bringt es der ISN-Vorsitzende Heinrich Dierkes auf den Punkt.

 

Betriebswirtschaftliche Zusammenhänge nicht ignorieren

Und bezüglich der Betriebswirtschaft muss Christian Meyer erkennen, dass man nicht von Umsatz leben kann, sondern nur vom Gewinn. In besagtem Welt-Interview behauptet Meyer: Die Umsatzeinbußen in der Schweinehaltung liegen nicht am Tierschutz, sondern am sinkenden Fleischkonsum und einer Billigpreisstrategie der Discounter, die die Fleischpreise drücken. … Immer mehr Verbraucherinnen und Verbraucher sind bereit, für eine bessere Tierhaltung auch mehr zu bezahlen."

 

Auch die ISN kritisiert die Billigstrategie des Lebensmitteleinzelhandels – aber wo ist der nennenswerte Anteil an Verbrauchern, der freiwillig mehr Geld für unsere hochwertigen Nahrungsmittel ausgibt? Warum haben die verschiedensten Label dann nicht schon heute einen höheren Marktanteil? Es ist doch klar, dass höhere Tierschutzauflagen zu höheren Kosten führen. Werden die nicht durch Mehrerlöse gedeckt, sinkt logischerweise der Gewinn und das Familieneinkommen der Tierhalter.


open_in_newHier lesen Sie das "Welt"- Interview mit Christian Meyer

open_in_newHier lesen Sie die dpa-Meldung


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