28.12.2012rss_feed

Dialog statt Ideologie und Polemik! - Ein kommentar von dr. karl-heinz Tölle

Dr. Karl-Heinz Tölle

Dr. Karl-Heinz Tölle

Noch nie haben sich die Tierhalter, insbesondere auch die Schweinehalter, in Deutschland so intensiv in die Diskussionen um den Tierschutz und das Tierwohl eingebunden und sich so dialogbereit gezeigt, wie derzeit.

 

Die Bauern wollen sich der Diskussion stellen, wenn sie ergebnisoffen geführt wird – im Sinne der Tiere und der Nachhaltigkeit aber auch im Sinne ihrer Familienexistenzen! Und trotzdem: Allzu häufig wird ihnen das Fachwissen in puncto Tierhaltung abgesprochen und allein finanzielle Interessen nachgesagt. Die über Generationen erzielten großen Fortschritte in der Tierhaltung werden wohlwissend verschwiegen.


Dialogbereitschaft nicht überstrapazieren

Sind die Themen Tierwohl und Tierschutz nur Mittel zum Zweck? Geht es etwa gar nicht um das Wohl der Tiere? Geht es stattdessen vielmehr um das Werben um Wählerstimmen, Spendengelder oder Ähnlichem? Spätestens seitdem die Nutztierhaltung von einigen Parteien und Organisationen zum zentralen Thema in den Wahlkämpfen zu den wichtigen Wahlen im Jahr 2013 erkoren wurde, ist zu befürchten, dass Parteipolitik und Ideologie Vorrang vor Fachwissen haben. Damit wird Tierhaltern und Tieren ein Bärendienst erwiesen.

 

Noch beteiligen sich die Bauern aktiv an der Weiterentwicklung ihrer Tierhaltung, das gebietet allein ihr traditionell nachhaltiges Handeln. Doch wenn es nur darum geht, ihnen Knüppel zwischen die Beine zu werfen, wird sich Resignation breit machen. Der Weg kann nur gemeinsam mit den Tierhaltern gemeistert werden. Wer auf die Zusammenarbeit verzichtet, wird zumindest das Ziel, den Tierschutz und das Tierwohl zu verbessern, nicht erreichen. Er wird aber den Strukturwandel in der deutschen Landwirtschaft massiv vorantreiben – hoffentlich ist das allen bewusst!


Lösungen brauchen Zeit

Wie hart der Kampf geführt wird, machen die Diskussionen um die Novelle des Tierschutzgesetzes deutlich. Der Deutsche Bundestag hat diese Novelle Mitte Dezember mit den Stimmen der Regierungskoalition beschlossen. Ein wichtiger Punkt für die Schweinehalter in der Novelle: Das Verbot der betäubungslosen Kastration der Ferkel ab dem Jahr 2019. Aus der Opposition kam unter anderem die Forderung, diese Übergangsfrist zwei Jahre früher enden zu lassen.

 

Dabei zeigt gerade das Thema Ferkelkastration, wie stark die Landwirtschaft vorangeht und mit welch großer Intensität nach Lösungen gesucht wird. Dennoch wird die Zeit bis 2019 bitternötig gebraucht, um insbesondere auf der abnehmenden Seite die noch offenen, existenziellen Fragen der Jungebermast zu beantworten bzw. Alternativen zu entwickeln und diese zur Praxistauglichkeit zu bringen.


Deutscher Tierschutzbund mit harten Bandagen

Der Deutsche Tierschutzbund (DTB) hat eine Liste zum Abstimmungsverhalten jedes einzelnen Bundestagsabgeordneten bezüglich der Novelle im Internet veröffentlicht. Er kündigte zudem in einer Pressemeldung an, dass er die Liste über die ihm angeschlossenen über 700 Vereine bundesweit in alle Wahlkreise hineintragen werde.

 

DTB-Präsident Thomas Schröder wird in der Meldung zitiert: Die Regierungsmehrheit ist mit ihrer Tiernutzpolitik und den Zugeständnissen an die Agrarlobby auf direktem Weg zur roten Laterne in der EU-Tierschutzrangliste. Laut Schröder ist der Tierschutz-Bundestagswahlkampf nun eröffnet. Er betonte aber: Wir sind parteipolitisch neutral, aber tierschutzpolitisch konsequent.

 

Mit diesen Aussagen offenbart der DTB-Präsident, was er von den deutschen Nutztierhaltern und deren Leistungen hält. Ist die Schweinefleischerzeugung seiner Ansicht nach nur gut, wenn Sie nach dem DTB – Tierwohllabel erfolgt? Das kann nicht die Basis für den weiteren Dialog sein. Und zudem: Sind die getroffenen Aussagen etwa politisch neutral? Welche Ziele werden hier verfolgt?

Klar ist jedenfalls, der Tierschutzbund übt mit seiner Ankündigung, das Abstimmungsverhalten der einzelnen Bundestagsabgeordneten in den Fokus zu nehmen, massiven politischen Druck gegenüber Einzelpersonen aus. Wie passen diese Drohgebärden in die heutige Zeit? Ist es Stil des Deutschen Tierschutzbundes, Einzelne so in die Mangel zu nehmen?


Nur Fachlichkeit darf zählen

Trotz allem brauchen wir den ergebnisoffenen Dialog und müssen diesen auf sachlich fundierter Ebene führen. Die ISN hat genau deshalb ihre fachliche Basis weiter verstärkt, um noch stärker als bisher fundierte Tatsachen aus Wissenschaft und vor allem auch aus der Praxis in die Gespräche einbringen zu können.

Alle an den Diskussionen Beteiligten müssen sich der Forderung stellen, die Anstrengungen zur Weiterentwicklung der deutschen Schweinehaltung anzuerkennen und Ideologie, Polemik und Interessen, die nicht einer Weiterentwicklung der Tierhaltung dienlich sind, außen vor zu lassen.

 

Wer die Geduld der Landwirte überstrapaziert, nimmt in Kauf, diese in der Diskussion zu verlieren – zum Schaden aller. Denn ohne Bauern gibt es keine tiergerechte Nutztierhaltung!

 

Ihnen und Ihren Familien alles Gute, viel Glück und Gesundheit im Jahr 2013!


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