10.04.2014rss_feed

Das falsche Spiel des Agrarministers Christian Meyer: Agrarwende in Niedersachsen ohne Bauern und ohne Tierschutzplan?

Niedersächsischer Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne)

Niedersächsischer Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne)

Er will die sanfte Agrarwende, mit aller Gewalt und zur Not auch ohne Bauern. Dieser Eindruck drängt sich angesichts der Aussagen von Landwirtschaftsminister Christian Meyer unweigerlich den Tierhaltern auf.

 

Heute besuchte er einen Neulandbetrieb und zog folgende Schlüsse:

Dieser Neulandhof ist ein Beispiel dafür, dass Tierschutz-Maßnahmen wie der Verzicht auf das Schwänze-Abschneiden bei Schweinen durch eine Verbesserung der Tierhaltung auch in der konventionellen Landwirtschaft möglich und machbar sind, so der Minister… Die Verstümmelung von Tieren muss ein Ende haben.… Genau das sei sein Ziel in Niedersachsen. Ende 2016 solle Schluss sein mit dem Kupieren von Schweineschwänzen.


Schwanzbeißen - nach wie vor ein Problem

Schwanzbeißen - nach wie vor ein Problem

Polemik statt Fachwissen

Für seine wiederkehrenden Auftritte dieser Art hagelt es aus Sicht der ISN-Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschland e.V. zu Recht Kritik von Bauernseite. Das aktuelle Beispiel belegt eindeutig, dass Herr Meyer sehr an ideologischer Schwarz-Weiß-Malerei und weniger an sachorientierter Problemlösung interessiert ist. Wäre es anders, würde auch er öffentlich eingestehen, dass Schwanzbeißen bei Schweinen ein Riesenproblem ist und überall vorkommen kann, unabhängig von der Haltungsform, der Betriebsgröße und Art der Bewirtschaftung, mahnt der Schweinehalter und ISN-Vorsitzende Heinrich Dierkes.

 

Zur Klarstellung: Die Leistungen des Betriebsleiters des heute besichtigten Betriebes sollen in keiner Weise geschmälert werden. Auch nicht die von Neuland. Doch der Vergleich von Meyer hinkt: In Niedersachsen sind laut Neuland-Homepage derzeit ca. 40 Betriebe mit Schweinehaltung der Gemeinschaft angeschlossen. Daraus allgemeingültige Vorgaben für die rund 6.400 schweinehaltenden Betriebe in Niedersachsen abzuleiten, wäre fahrlässig.

Zudem ist auch in Neuland-Betrieben trotz des Stroheinsatzes und anderer Haltungsanforderungen Schwanzbeißen bei Schweinen ebenfalls ein Thema, wie Beteiligte des Systems selbst zugeben.


Praxistaugliche Lösungen: Mangelware

Das Thema Schwanzbeißen bei Schweinen ist problematisch, aber auch nicht neu. Die Suche nach Lösungen, um auf das Kupieren der Schwänze zu verzichten, gestaltet sich jedoch schwierig. Gerade in dieser Woche haben sich Wissenschaftler und Behördenvertreter aus ganz Deutschland (auch aus Niedersachsen) zum Thema Schwanzbeißen bei Schweinen ausgetauscht. Aktuell laufen weit über zehn Projekte – u.a. auch im Rahmen des Tierschutzplans Niedersachsen – zu dem Thema, deren Ergebnisse noch ausstehen.

 

Was für Wissenschaftler und Fachleute so schwer ist, scheint für Minister Meyer umso leichter: Auch wenn praxistaugliche Lösungen bislang Mangelware sind, kündigt Meyer trotzdem an, dass ab Ende 2016 definitiv Schluss mit dem Kupieren ist. Zwar ist auch im Tierschutzplan ein entsprechender Umsetzungstermin formuliert, dieser bezieht sich aber ausschließlich auf die Erstellung und Umsetzung eines Leitfadens, der Maßnahmen zur Reduzierung des Schwanzbeißerrisikos beschreiben soll. Ein aus Sicht der ISN verantwortungsvollerer und zielführender Weg.


Schweinehalter und ISN-Vorsitzender Heinrich Dierkes

Schweinehalter und ISN-Vorsitzender Heinrich Dierkes

NRW-Landwirtschaftsminister Remmel geht im Gegensatz zu Meyer auf die Bauern zu

Als Landwirtschaftsminister kann sich Meyer der Verantwortung sowohl für die Tiere als auch für uns Landwirte und unseren Familien nicht entziehen. Wir stehen schließlich im Stall und müssen im Zweifel den grausigen Anblick ertragen, wenn es zu einem Ausbruch von Schwanzbeißen kommt, mahnt Dierkes. Sein Partei- und Ministerkollege Johannes Remmel aus NRW scheint das wohl erkannt zu haben und hat sich zusammen mit den dortigen landwirtschaftlichen Organisationen auf ein gemeinsames mehrstufiges Vorgehen geeinigt – mit klarem Ziel, aber noch offenem Verlauf entsprechend der Erkenntnislage.

 

Dierkes: Meyer wird in die Geschichtsbücher als Treiber des Strukturwandels Nummer 1 in Niedersachsen eingehen

Durch seine Versuche, sich medienwirksam als Aktivposten der Landesregierung darzustellen, führt Meyer die umfangreichen Aktivitäten des eigenen Tierschutzplanes ad absurdum.

Wenn der Minister Christian Meyer so weiter macht, wird er mit seinen Ankündigungen auf jeden Fall eines schaffen: Er wird mit seiner Vorliebe für Ordnungsrecht und seinem Vertrauensmangel gegenüber uns Landwirten in die Geschichtsbücher als Treiber des Strukturwandels Nummer 1 in Niedersachsen eingehen. Wenn man unter Landwirten vom Höfesterben-Minister spricht, weiß jeder sofort, wer gemeint ist. Ich als Bauer kann das nur zu gut nachvollziehen so Dierkes abschließend.



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