01.04.2010 RSS Feed

"Zündstoff" - Gastkommentar zu erneuerbaren Energien von Dagmar Behme, Redakteurin der agrarzeitung

Dagmar Behme Erneuerbare Energien sind in Deutschland beliebt. Die zunehmende Verwendung vermittelt das Gefühl, dem Klima etwas Gutes zu tun. Dafür zeigt sich die Mehrheit der Bundesbürger sogar bereit, Geld zu zahlen - zumindest in Meinungsumfragen. Seit dieser Woche wissen die Deutschen jedoch schwarz auf weiß, wie teuer das gute Gewissen sie zu stehen kommt. Etwa 4,6 Milliarden Euro zahlen sie jährlich dafür, dass über das Erneuerbare-Energien-Gesetz EEG der Ausbau der Stromerzeugung aus regenerativen Energien gefördert wird. Hinzu kommt übrigens noch einmal etwa der gleiche Betrag, den Bundesbürger an der Tankstelle für die Zwangsbeimischung von Biokraftstoffen zahlen. Das war diese Woche allerdings kein Thema.


Unter der Oberfläche brodelt es jedenfalls. Höhere Stromrechnungen und steigende Benzinpreise verärgern die Menschen. Bundesumweltminister Norbert Röttgen versucht zwar, den Betrag kleinzurechnen. Für Strom seien es für einen durchschnittlichen Haushalt lediglich 6 Euro im Monat, beruhigt der oberste amtliche Klimaschützer. An der Tanksäule hört jedoch erfahrungsgemäß die Großzügigkeit auf. Immerhin verteuert die Beimischung den Sprit um fast 5 Cent pro Liter. Die Stimmung jenseits der Umfragen offenbart das Internet mit überwiegend wütenden Leserkommentaren, wenn es um die stetige Erhöhung der Strom- und Benzinpreise geht.

In der Agrarwirtschaft sorgen die erneuerbaren Energien ebenfalls für Zündstoff. Allerdings scheuen auch hier die Kritiker des subventionierten Ausbaus eher die Öffentlichkeit. Immerhin fließt ein Großteil der Förderung für erneuerbare Energien auf direktem oder indirektem Weg in die Landwirtschaft. Wer den Sinn der Subventionen anzweifelt, wird schnell als Neider disqualifiziert. Neid ist aber möglicherweise gar nicht angesagt, wenn bei einem Biogasbauern zwar die Umsätze sprudeln, diese aber mit millionenschweren Investitionen in Beton erkauft worden sind. Ärger entsteht vielmehr dann, wenn die Pachtpreise für die begehrten Agrarflächen steigen - und das nicht nur für die Erzeuger von Bioenergie.


Viel Beton abschreiben müssen bereits die Investoren, die sich dem Traum einer dezentralen Versorgung mit Biokraftstoffen hingegeben haben. Die Vision, dass der landwirtschaftliche Betrieb quasi als Selbstversorger seinen Sprit selbst erzeugt, ist gescheitert. Stattdessen ist in der Biokraftstoffbranche Konsolidierung angesagt. Wenige große Hersteller mit Anlagen an logistisch günstigen Standorten werden übrig bleiben. Sie werden sich auch im Rohstoffbezug an den preiswertesten Herkünften orientieren. Umfangreiche Importe sind erforderlich, wenn Deutschland und andere EU-Länder an den ehrgeizigen Ausbauzielen für Biokraftstoffe festhalten. Daran ändern auch die Anforderungen an eine nachhaltige Erzeugung nichts. Sie sind allenfalls ein weiterer Preistreiber.


Dieser Kommentar erschien am 26. März 2010 unter www.agrarzeitung.de




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