18.04.2008 RSS Feed

Zahlen Verbraucher überhöhte Fleischpreise und werden Schweinehalter ausgebeutet?

Lebensmittelpreiserhöhungen sind zurzeit in aller Munde, doch bei weitem nicht alle sind gerechtfertigt. So teilt das Statistische Bundesamt (Destatis), Wiesbaden heute ganz aktuell mit, dass die Verbraucherpreise für Fleisch im März 2008 gegenüber dem März 2007 um 6,8 Prozent gestiegen sind. Während auf der einen Seite der Verbraucher mit immer höheren Preisen belastet wird, bekommen Landwirte heute für ihre Schweine über 10 Prozent weniger als noch vor zwei Jahren.

Gibt es einen lachenden Dritten? Die Schlachtunternehmen oder den Lebensmitteleinzelhandel (LEH)?

Wie die ZMP Zentrale Markt und Preisberichtstelle für Erzeugnisse der Land-, Forst- und Ernährungswirtschaft GmbH (ZMP), Bonn für das vergangene Jahr festgestellt hat, sind die Erzeugerpreise für Schweinefleisch (Handelsklasse E, nach 4. DVO zum Vieh- und Fleischgesetz) im Jahr 2007 gegenüber dem Jahr 2006 im Jahresdurchschnitt um ca. 10 Prozent gefallen. Im gleichen Zeitraum erhöhten sich die Verbraucherpreise für Schweinefleisch immerhin um 1,3 Prozent, für Wurst und Fleischwaren sogar um 1,7 Prozent.

Dass die Schlachtunternehmen und der LEH ihre Spanne auf Kosten der Verbraucher und Landwirte deutlich ausgeweitet haben, das kann man anhand einer Auswertung des Marktreferates der Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWK), Oldenburg feststellen. Demnach ist die Marktspanne im vergangenen Jahr um über 50 Cent/kg ausgeweitet worden.

Für die ISN - Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands e.V. (ISN) ist dies schlichtweg fatal. Denn die Schweinehalter seien von kostendeckenden Preisen weit entfernt. Die ISN sehe hier auch die Verbraucherzentralen gefordert. Verbraucher und Schweinehalter säßen in einem Boot.

Die deutschen Schweinehalter stecken in einer echten Zwickmühle, so die ISN. Denn während auf der einen Seite die Erzeugerpreise für Schweine eingebrochen sind, sind auf der Kostenseite die Preise für Schweinefutter sind seit Beginn des Jahres 2007 um 45 bis 50 Prozent angestiegen. Allein der Weizen, eines der wichtigsten Futtermittel, hat sich binnen Jahresfrist um fast 90 Prozent verteuert.

Damit Ferkelerzeuger und Schweinemäster auf ihre Kosten kommen, bedürfe es eines Ferkelpreises von 70 Euro und eines Schweinepreis von 2 €/kg.

Wie schlecht es derzeit um die Wirtschaftlichkeit der deutschen Schweinehaltung tatsächlich bestellt ist, haben aktuelle Berechnungen der ISN ergeben: Die Mäster haben im März 2008 Ferkel (28 kg) für 47,00 € pro Tier gekauft und eingestallt. Für das Futter werden sie pro Mastschwein insgesamt 13 bis 18 € mehr als noch im letzten Jahr aufbringen müssen, inzwischen liegen sie bei stolzen 73 €. Unter der Annahme eines aktuellen Schweinepreises von 1,40 €/kg SG und unter Vollkostenbetrachtung von 156 € ergibt sich ein Verlust von 23 € pro Mastschwein.

Um endlich auch den Ferkelerzeugern einen zwingend erforderlichen, kostendeckenden Preis von 70 € pro Ferkel zahlen zu können, ist sogar ein Basispreis von 2,00 €/kg SG erforderlich. Unter gleicher Veranschlagung der Vollkosten (für Ferkel, Futter, AfA, Gülle, Energie/Wasser, Kapitalverzinsung, Sonstiges, Veterinär, Entlohnung) ergäbe sich bei diesem Ferkelpreis und dem aktuellen Schweinepreis sogar ein Verlust von über 40 € pro Mastschwein!


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