Wird der Mensch mit tierischen Organen leben? Gastkommentar von Dr. Ralf Tönjes, Leiter der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Xenotransplantation
Anmerkung der ISN: Xenotransplantation ist das Übertragen von Organen, Gewebe oder Zellen zwischen zwei verschiedenen Spezies, etwa zwischen Tier und Mensch.
Sieben Jahre sind dafür zu kurz. Bis 2010 wird es noch keine Xenotransplantate geben – wenigstens keine, die über längere Zeit im menschlichen Empfänger funktionieren. Das zentrale Problem ist, dass wir noch immer zu wenig über die akute und chronische Abstoßung fremder Organe wissen. Für die hyperakute Abstoßung sehen die Ergebnisse aber schon vielversprechend aus. Mit Organen von genmodifizierten Schweinen bekommt man diese heftige Reaktion direkt nach der Transplantation in den Griff. Im Moment überstehen Xenotransplantate im Tierversuch 32 Tage, bei neuesten Versuchen an Affen bis zu 81 Tage.
Das ist für menschliche Patienten nicht genug, aber die Ausgangslage für einen Durchbruch ist günstig. In den letzten Jahren gab es drastische Fortschritte in der Biotechnik, etwa die Klontechnik, und wesentlich verbesserte Methoden der Herstellung transgener Tiere. Es ist fantastisch, wie schnell heute genveränderte neue Subspezies geschaffen werden können.
Dieser Erfolg ist sehr wichtig, weil es darauf ankommen wird, die Schweineorgane für das Immunsystem von Affen und Menschen akzeptabel zu machen. Momentan stehen wir davor, gleichzeitig mehrere Gene im Schwein zu verändern. Mit solch multigenetisch veränderten Schweinen versucht man, den menschlichen Organfunktionen erheblich näher zu kommen, sodass die Gewebe und Organe vom Schwein im Menschen dauerhaft funktionieren.
Die Xenotransplantation bekommt jedoch Konkurrenz durch andere Biotechniken für die Reparatur defekter Organe. Am wichtigsten sind die Stammzellen, aus denen neue Organe wachsen sollen. Aber wie bringe ich eine befruchtete Eizelle dazu, dass aus ihr ein Herz oder eine Niere wächst? Davon verstehen wir noch zu wenig.
Die Xenotransplantation ist hingegen nach 40 Jahren medizinisch fundierter Forschung weiter. Auch das Problem, dass Viren aus dem Tierreich auf den Menschen übertragen werden, lässt sich mit den heutigen Kenntnissen und weiterer intensiver Forschung lösen. Xenotransplantate kommen bestimmt. In fünf Jahren werden wir jedoch sehr viel sicherer sagen können, wann das sein wird.
Anmerkung der ISN:
Der Autor ist Leiter der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Xenotransplantation am Paul-Ehrlich-Institut in Langen/Hessen. Die Forschungen, die im Beitrag beschrieben sind, erfolgen in München und im niedersächsischen Mariensee.
Sieben Jahre sind dafür zu kurz. Bis 2010 wird es noch keine Xenotransplantate geben – wenigstens keine, die über längere Zeit im menschlichen Empfänger funktionieren. Das zentrale Problem ist, dass wir noch immer zu wenig über die akute und chronische Abstoßung fremder Organe wissen. Für die hyperakute Abstoßung sehen die Ergebnisse aber schon vielversprechend aus. Mit Organen von genmodifizierten Schweinen bekommt man diese heftige Reaktion direkt nach der Transplantation in den Griff. Im Moment überstehen Xenotransplantate im Tierversuch 32 Tage, bei neuesten Versuchen an Affen bis zu 81 Tage.
Das ist für menschliche Patienten nicht genug, aber die Ausgangslage für einen Durchbruch ist günstig. In den letzten Jahren gab es drastische Fortschritte in der Biotechnik, etwa die Klontechnik, und wesentlich verbesserte Methoden der Herstellung transgener Tiere. Es ist fantastisch, wie schnell heute genveränderte neue Subspezies geschaffen werden können.
Dieser Erfolg ist sehr wichtig, weil es darauf ankommen wird, die Schweineorgane für das Immunsystem von Affen und Menschen akzeptabel zu machen. Momentan stehen wir davor, gleichzeitig mehrere Gene im Schwein zu verändern. Mit solch multigenetisch veränderten Schweinen versucht man, den menschlichen Organfunktionen erheblich näher zu kommen, sodass die Gewebe und Organe vom Schwein im Menschen dauerhaft funktionieren.
Die Xenotransplantation bekommt jedoch Konkurrenz durch andere Biotechniken für die Reparatur defekter Organe. Am wichtigsten sind die Stammzellen, aus denen neue Organe wachsen sollen. Aber wie bringe ich eine befruchtete Eizelle dazu, dass aus ihr ein Herz oder eine Niere wächst? Davon verstehen wir noch zu wenig.
Die Xenotransplantation ist hingegen nach 40 Jahren medizinisch fundierter Forschung weiter. Auch das Problem, dass Viren aus dem Tierreich auf den Menschen übertragen werden, lässt sich mit den heutigen Kenntnissen und weiterer intensiver Forschung lösen. Xenotransplantate kommen bestimmt. In fünf Jahren werden wir jedoch sehr viel sicherer sagen können, wann das sein wird.
Anmerkung der ISN:
Der Autor ist Leiter der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Xenotransplantation am Paul-Ehrlich-Institut in Langen/Hessen. Die Forschungen, die im Beitrag beschrieben sind, erfolgen in München und im niedersächsischen Mariensee.










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