"Wie Greenpeace irrationale Ängste schürt" – Ein Gastkommentar von Ulrich Bahnsen (Die Zeit)
Entmündigt, zum Zweiten - Greenpeace weiß, was Kunden wünschen müssen
Seit Montag darf gewählt werden. Am 18. April ist die neue Kennzeichnungsverordnung der EU in Kraft getreten, nun muss auf der Fertigpizza draufstehen, ob Gentechnik drin ist.
Als
In Wahrheit ist die
Denn bei Supermarktketten und Nahrungsmittelkonzernen hat die Drohung der Organisation mit öffentlicher Anprangerung und Abstrafung durch die Konsumenten prompt gewirkt: Als besäße die Umweltlobby hoheitliche Machtbefugnis, sicherten Metro, Nestlé, Rewe und Co. dort schriftlich zu, auf GM-Food im Sortiment zu verzichten.
Für die Verbraucher ist das kein wirklicher Verlust. Noch kann niemand plausibel erklären, warum Nahrungsvielfalt und Überproduktion in Europa mit Genfood ergänzt werden müssten. Die Konzerne wollen genmanipulierte Agrarpflanzen verwenden, weil sie bereits in großen Mengen auf den Märkten sind und die Trennung von herkömmlichen Produkten aufwändig und teuer ist.
Dass 70 Prozent der Deutschen Gentechnik in der Nahrung ablehnen, ist allerdings weniger diesem Umstand geschuldet als vielmehr irrationalen Ängsten. Und die hat Greenpeace an vorderster Front geschürt – mit fragwürdigen Methoden. Zwar wird man genveränderte Saaten und Produkte nicht bis ins Letzte für unbedenklich erklären können. Für das Fortbestehen eines minimalen Restrisikos sind allerdings auch die Umweltschützer verantwortlich. Sie haben gerade Feldexperimente, die der Untersuchung von ökologischen Gefahren wie Auskreuzungs- und Verbreitungsrisiken dienten, immer wieder zerstört.
Auch sonst gibt es für die Alarmrufe der Umweltaktivisten vor dem angeblich bevorstehenden Gen-GAU kaum Anlass. Untersuchungen, die solche Gefahren nahe legten, sind längst als wenig aussagekräftig oder methodisch fragwürdig zu den Akten gelegt.
Das muss man bei Greenpeace genau wissen – und ignoriert es geflissentlich. Ihren ehern guten Ruf – erworben durch unbestreitbare Verdienste um den Umweltschutz – hat die Truppe geschickt für ihre Anti-Genfood-Kampagne genutzt.
Immerhin: So bleibt man in der Öffentlichkeit als Umweltgewissen der Nation präsent. Und erste Wahl bei den Spendern. Geht es um Selbsterhaltung, macht auch eine noch so hehre Gesinnung vor Tricksereien nicht Halt.
Seit Montag darf gewählt werden. Am 18. April ist die neue Kennzeichnungsverordnung der EU in Kraft getreten, nun muss auf der Fertigpizza draufstehen, ob Gentechnik drin ist.
Als
Meilenstein für Verbraucher und Landwirtebejubelt Ministerin Renate Künast die Kennzeichnungspflicht. Die Konsumentenmacht wird nun über Wohl oder Wehe der Gentechnik entscheiden. Wirklich?
In Wahrheit ist die
dauerhafte Wahlfreiheit(Künast) im bundesdeutschen Supermarkt einer Entmündigung gewichen – lange bevor sie gewährt wurde. Zwar könnte theoretisch die umstrittene Gentechnik die Regale erobern, aber dank Greenpeace ist die Gefahr bereits gebannt. Deren
Gentechnikexpertenund Aktivisten haben dafür gesorgt, dass die Deutschen essen, was Greenpeace für gesund erklärt hat. Auch künftig muss sich niemand vor Gensoja im Babybrei ängstigen.
Denn bei Supermarktketten und Nahrungsmittelkonzernen hat die Drohung der Organisation mit öffentlicher Anprangerung und Abstrafung durch die Konsumenten prompt gewirkt: Als besäße die Umweltlobby hoheitliche Machtbefugnis, sicherten Metro, Nestlé, Rewe und Co. dort schriftlich zu, auf GM-Food im Sortiment zu verzichten.
Für die Verbraucher ist das kein wirklicher Verlust. Noch kann niemand plausibel erklären, warum Nahrungsvielfalt und Überproduktion in Europa mit Genfood ergänzt werden müssten. Die Konzerne wollen genmanipulierte Agrarpflanzen verwenden, weil sie bereits in großen Mengen auf den Märkten sind und die Trennung von herkömmlichen Produkten aufwändig und teuer ist.
Dass 70 Prozent der Deutschen Gentechnik in der Nahrung ablehnen, ist allerdings weniger diesem Umstand geschuldet als vielmehr irrationalen Ängsten. Und die hat Greenpeace an vorderster Front geschürt – mit fragwürdigen Methoden. Zwar wird man genveränderte Saaten und Produkte nicht bis ins Letzte für unbedenklich erklären können. Für das Fortbestehen eines minimalen Restrisikos sind allerdings auch die Umweltschützer verantwortlich. Sie haben gerade Feldexperimente, die der Untersuchung von ökologischen Gefahren wie Auskreuzungs- und Verbreitungsrisiken dienten, immer wieder zerstört.
Auch sonst gibt es für die Alarmrufe der Umweltaktivisten vor dem angeblich bevorstehenden Gen-GAU kaum Anlass. Untersuchungen, die solche Gefahren nahe legten, sind längst als wenig aussagekräftig oder methodisch fragwürdig zu den Akten gelegt.
Das muss man bei Greenpeace genau wissen – und ignoriert es geflissentlich. Ihren ehern guten Ruf – erworben durch unbestreitbare Verdienste um den Umweltschutz – hat die Truppe geschickt für ihre Anti-Genfood-Kampagne genutzt.
Immerhin: So bleibt man in der Öffentlichkeit als Umweltgewissen der Nation präsent. Und erste Wahl bei den Spendern. Geht es um Selbsterhaltung, macht auch eine noch so hehre Gesinnung vor Tricksereien nicht Halt.










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