"Werden wir alle Energiewirte – Wo bleibt die Veredelung?" Kommentar von Hartwig Wehming, ISN-Beiratsmitglied
Der Energiegewinnung aus nachwachsenden Rohstoffen (NaWaRo) wird von allen Seiten ein Boom bescheinigt. Besondere Bedeutung kommt hier der Verstromung von Naturdünger und Energiepflanzen durch Biogas zu. Als Schweinehalter sehe ich das Thema Biogas sehr kritisch. Hier werden große Probleme auf uns zukommen. Diese äußern sich in hohen Energiepreisen, die durch das von der Regierung verabschiedete Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) verursacht werden. Die Stromanbieter beziffern die Strompreissteigerung durch regenerative Energieformen auf derzeit etwa 2,8 bis 3 ct/kWh. Für einen Mastbetrieb mit 2.000 Plätzen und einem Jahresverbrauch von ca. 25.000 kWh entstehen hierdurch beispielsweise Mehrkosten von jährlich etwa 700 Euro.
Vergleicht man die hiesigen Stromtarife z.B. mit denen in Dänemark, so muss man feststellen, dass den Verbrauchern dort etwa 4,5 ct/kWh weniger in Rechnung gestellt werden. Bei einem Verbrauch von 25.000 kWh würde der Beispielsmastbetrieb in Dänemark insgesamt ca. 1.125 Euro weniger für seinen Strom zahlen müssen! Auch in den Niederlanden und in Frankreich zahlen die Verbraucher deutlich weniger für ihren Strom als in Deutschland.
Weiterhin ist bei Biogasanlagen der Flächenbedarf für den Anbau und letztlich auch die Entsorgung des Gärsubstrates sehr hoch. Da es sich um einen Stoffkreislauf handelt, gehen z.B. für eine 500 kW-Anlage mindestens 260 ha verloren. Diese Fläche steht dann weder für den Getreideanbau noch für die Verwertung von Naturdünger zur Verfügung.
Die geschätzten Kosten für eine 500 kWh- Biogasanlage liegen bei mindestens 1,5 Mio. Euro. Durch diese Investition wird nur etwa ein Arbeitsplatz im landwirtschaftlichen Betrieb und ein schwer zu schätzender Bruchteil eines Arbeitsplatzes im vorgelagerten Bereich geschaffen.
Würde ein Landwirt diesen Betrag alternativ in die betriebliche Erweiterung einer vorhandenen Sauen- oder Mastschweinehaltung investieren, z.B. 5.000 Mastplätze, entstünden allein im nachgelagerten Bereich rund 14 Dauerarbeitsplätze - volkswirtschaftlich also bedeutend interessanter. Hinzu kommt, dass derzeit die Schlachtkapazitäten in Deutschland nicht ausgelastet sind. Der Mastschweinemarkt unterliegt - im Gegensatz zur Biogasverstromung - auch nicht der Subventionierung.
Bei einer Investition möchte ich mich als Landwirt nicht vom Wohlwollen der Politik abhängig machen. In Zeiten leerer Kassen kann der indirekten Subventionierung, wie hier durch das EEG, schnell ein Ende drohen. Der Strom wird zur Zeit nach gesetzlichen Regelungen
eingespeistund nicht nach Gesichtspunkten des Marktes verkauft. Die Produktionskosten für Strom liegen bei Kernkraft und Nutzung nicht regenerativer Energien im 24-Stunden-Mittel bei ca. 3 ct/kWh.
Wer dennoch mit dem Gedanken spielt, in eine Biogasanlage zu investieren, sollte die Wirtschaftlichkeitsberechnungen unbedingt gemeinsam mit unabhängigen Beratern vornehmen. Denn einerseits sind die Angaben der Anlagenbauer über die Investitions- und v. a. die Folgekosten in der Regel zu niedrig angesetzt und andererseits nutzen außerlandwirtschaftliche Investoren und auch Lohnunternehmer den Biogas-Boom gern, um ihre eigenen Maschinen besser auszulasten.
Anlagen, die ausschließlich mit Naturdünger und Trockenkot betrieben werden sollen, bilden zwar mit einer nachgeschalteten Separierung des Gärsubstrates zum Steigern der Transportwürdigkeit eine Alternative, sind derzeit jedoch nur auf dem Papier wirtschaftlich. Hier besteht noch deutlicher Forschungsbedarf.










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