Die ISN-Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands e.V. hat die Verkaufspreise für Schweinefleisch in Supermärkten und in Fleischereifachgeschäften mit den Erzeugerpreisen verglichen. Aktuell erhalten wir Schweinehalter bei einem derzeitigen Preis von 1,36 €/kg Schweinefleisch ca. 120,- € bis 130,- € für ein Schlachtschwein. Der Verbraucher zahlt nach Erhebungen der ISN für das gleiche Schwein an der Ladentheke 670,- € bis 700,- €. Der Anteil des Erzeugerpreises liegt damit also nur bei ca. 18 Prozent des Endverbraucherpreises.
Die ISN beobachtet diese Entwicklung schon seit längerem: im Jahre 2001 lag der Erzeugeranteil bei 20 Prozent, im Jahr 2003 bei 17 Prozent und aktuell nun wieder bei 18 Prozent des Gesamterlöses je Schwein. Seit Jahren liegt der Ertrag für die Landwirte also auf einem recht niedrigen Niveau. Es ist traurig, dass es für den Erzeuger nur so einen geringen Anteil gibt, denn das Geld wird offensichtlich in den nachfolgenden Stufen der Wertschöpfungskette verdient:
Zunächst einmal ist da die Schlachtbranche, bei der sich die Frage stellt, warum es nicht gelingt gegenüber dem LEH höhere Preise durchzusetzen. Seit Jahren argumentieren die Schlachtunternehmen, dass sie ihre Betriebe umstrukturieren und ihre Produktivität erhöhen müssen, um gegenüber dem LEH mehr Gewicht in die Waagschale werfen zu können. Bei der Umstrukturierung haben sie ihre Hausaufgaben inzwischen gemacht, aber die Wirkung gegenüber dem LEH lässt noch immer zu wünschen übrig. Die Wirkung gegenüber uns Schweinehaltern jedoch übrigens nicht…
Die Macht des Lebensmitteleinzelhandels wird immer größer, insbesondere der Discounter. So stehen beispielsweise beim Branchenriese Edeka alle Zeichen auf Expansionskurs. Seit 1. Januar diesen Jahres hat die Edeka-Tochter Netto-Marken-Discount
mehr als 2.300 Filialen von der Tengelmann-Tochter Plus übernommen.
Die Marktmacht des LEH und die zunehmende Konzentration der Schlachthöfe machen es für uns Ferkelerzeuger und Mäster nicht leichter genug vom Kuchen Schwein
abzubekommen. Die dramatischen Betriebsaufgaben in der Sauenhaltung zeigen, wie fest wir im Hamsterrad der Kostenführerschaft gefangen zu sein scheinen.
Das alte Sprichwort: Wer nichts gelernt hat, muss die Schweine hüten
gilt schon lange nicht mehr. Ohne eine langjährige Ausbildung und fundiertes Fachwissen kommt heute kein Schweinehalter mehr aus. Nur wer seine Schweinehaltung voll im Griff
hat, wird in Zukunft noch ein erträgliches Einkommen aus der Schweinehaltung erzielen.
Die Frage ist, könnten Markenfleischprogramme a lá Gutfleisch
gerade auch vor dem Hintergrund der Finanzkrise die Antwort sein?
Wir Schweinehalter stellen uns dieser Diskussion: Zum Beispiel beim Fokus Schwein, am 27. Januar in Münster, wo ein Edeka-Vertreter den Landwirten hoffentlich erklären kann: Was will der Kunde? Discounter, Supermarkt oder Metzgerei?
Im Bild: Christian Schulze Bremer, Sauenhalter aus Dülmen und Vorsitzender des ISN-Marktausschusses










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