14.12.2007 RSS Feed

Weltmarkt oder Subventionen? – Kommentar von Bernhard Bonekamp, ehemaliges ISN-Vorstandsmitglied

Bonekamp Wer als Bauer und Broker täglich die Weltmärkte und ihre Zusammenhänge beobachtet, wundert sich immer wieder neu über die offensichtliche Blauäugigkeit der Politiker bei den Themen nachwachsende Rohstoffe und Nahrungsmittelproduktion. Nachdem die Politik daran arbeitet, die Subventionierung der Nahrungsmittelproduktion abzuschaffen, wendet man sich zunehmend der Energieerzeugung vom Acker zu.
Hilft man hier zusammen mit den Bauern der Umwelt und dem Klima oder werden hier falsche Signale an die Produzenten gegeben?
Wir müssen lernen, global zu denken – die Märkte der Welt sind es bereits. Die Spezialisierung mit einhergehender Arbeitsteilung nimmt zu, auch auf dem Acker! Auch der Handel wird immer globaler, wobei zwangsläufig der Einfluss der Politik geringer wird. Nicht allein der unbestreitbar zunehmende Klimawandel und die Eingriffe der Politik verändern die Märkte. Vor allem die zunehmende Verknappung von Rohöl macht die nachwachsenden Rohstoffe rentabel! Als Folge der Förderpolitik von Bioenergie ist der Getreidepreis rasant in die Höhe geschnellt. Aus meiner Sicht ist es allerdings beweisbar, dass der Getreidemangel auch ohne Subventionierung der Bioenergie den Preis in den nächsten 1 bis 5 Jahren in die Höhe getrieben hätte!

Der Grund für die Marktveränderung und ihre Nachhaltigkeit ist eine rentable Energieproduktion auf Äckern in den Subtropen- und Tropenregionen! Die wirtschaftliche Erzeugung von Ethanol aus Zuckerrohr und Palmöl ist ab etwa 50 $ je Fass Rohöl möglich. Bei Preisen von 100 $ verdrängt die Energieproduktion hier jede Nahrungsmittelproduktion! Wenn man in diesen Regionen Nahrungsmittelproduktion weiter erhalten will, bedarf es hoher neuer Subventionen. Der Grund dafür ist die Vorzüglichkeit der Energiepflanzen in heißen Klimazonen! Mit 50 Arbeitsstunden je Hektar erreichen die Plantagen einen Ertrag von 6.000 Liter Palmöl je Hektar und Jahr. Obwohl die Palmölplantage ein Wald und das Zuckerrohrfeld ein Staudenbeet ist, ist der Energieertrag von Zuckerrohr noch höher. Beide Anbauformen haben weniger Erosion als ein Getreide- oder Gemüsefeld und sind nachhaltig über Jahrzehnte zu betreiben! Dass für beide Kulturarten neben Reis- und Nahrungsfeldern Regenwald verschwindet, ist unbestreitbar und zu beklagen. Wie will man diese klimaschädigende Regenwaldzerstörung aber stoppen? Hier ist die Politik gefordert!

Fakt ist: In Brasilien, Malaysia, Indonesien, Kolumbien und anderen Ländern können in Zukunft ohne Förderung in wachsendem Maße Wohlstand und Arbeitsplätze durch Energieerzeugung von Acker entstehen. Mit dem Wohlstand würde dann der Hunger auf eine moderne Ernährung mit Milch– und Fleischprodukten wachsen. Woher aber könnten diese Nahrungsmittel kommen?

Von dort, wo beispielsweise der Weizen von Natur aus hohe Erträge bringt! Und das ist in den gemäßigten Zonen mit Seeklima, also in Mitteleuropa! 10 Tonnen Weizen je Hektar wachsen im Südwesten Englands, im Pariser Becken, in Belgien, Holland, Norddeutschland, Dänemark und Südschweden auf guten Böden. In südlichen Klimazonen mit guten Böden und Weinanbau sinken die Weizenerträge auf 6 – 7 Tonnen je Hektar. Hier steigt die Vorzüglichkeit des Anbaus von Mais mit jedem wärmeren Sonnenstrahl! In all diesen Regionen in Europa baut man auf 10 -30 % der Fläche Zuckerrüben an, die nur die Hälfte an Zucker (und damit Energie in Form von Ethanol) liefern wie das Zuckerrohr! Daher können die Zuckerrüben ohne abgeschottete Märkte nicht existieren! Ebenso wird bei uns hier Raps und Gerste (Fruchtfolge) angebaut. Weiter südlich – in der Poebene Italiens, den Cornbelts der USA und den fruchtbaren Ebenen Chinas ist der Mais mit bis zu 20 t je ha eindeutig die Nummer 1. Der Mais ist eine traditionelle Futterpflanze. Die Schweine und Hühner mögen Mais lieber als Weizen und verwerten ihn besser. Der Mensch würde immer Weizen vorziehen!

In dieser Klimazone wächst auch die Sojabohne, die ein hoch produktiver Eiweißlieferant ist. Als Nebenprodukt fällt Sojaöl an. Für Biodiesel fließen auch hier (z.B. in den USA) Subventionen. Ohne Förderung wäre Palmöl rentabler! Genau so verhält es sich mit den Ethanolanlagen in Europa und den USA, die mit Mais oder Roggen betrieben werden. Ohne Förderung keine Rentabilität im Wettbewerb gegen Zuckerrohr!

Auch der Reisanbau hat in den Subtropen Bereiche der größten Vorzüglichkeit im Anbau. Auf leichteren Böden in Norddeutschland und in Brandenburg sowie in Mittel- und Osteuropa gibt es riesige Regionen mit Wassermangel. In diesen Regionen sind Roggen und Triticale z.B. dem Weizen auch ohne den Bau von Ethanolanlagen überlegen!

Es gibt eine Vielzahl von Pflanzen für unterschiedliche Boden und Klimaansprüche. Gerade die moderne Landwirtschaft weiß diese zu nutzen, um durch angepasstes Wirtschaften nachhaltig höchste Erträge zu erzielen.

Wo bliebe aber die Viehhaltung in einer Welt ohne Subventionen?

Rindfleisch und Milch sind auf dem natürlichen Grünland zu Hause! Mutterkühe und Fleischrinder lassen sich kostengünstig auf den trockenen Grünlandstandorten (Steppen und Savannen); Hühner und Schweine benötigen Futtergetreide und Fläche für die Gülleentsorgung. Daher gehören sie in die Nähe von Ackerflächen, wo das Futter in Form von Mais, Triticale, Gerste, Roggen und Soja wächst oder Häfen nah sind. Dazu muss die Infrastruktur mit Veterinärwesen, Stallbau- und Futterindustrie sowie leistungsfähiger nachgelagerter Schlacht- und Fleischindustrie eine rentable Produktion in der Zusammenarbeit sicherstellen! Dass dann in Zukunft in Norddeutschland der Weizen zu teuer für die Fütterung wird und dafür Mais, Triticale, Gerste oder Roggen in den Trog gelangt, ist logisch. Sinnvoll wird die Umstellung, wenn sich auch bei uns in Europa ein größerer Preisabstand zwischen Brot- und Futtergetreide einstellt, eben so, wie es auf dem Weltmarkt üblich ist!

In den USA kostet derzeit Weizen doppelt so viel Mais! Weizen kostet 24 Euro und Mais 13 Euro! Zu uns aber darf der Mais nicht geliefert werden, weil er aufgrund von Genveränderungen in der EU nicht zugelassen ist. In Brasilien und Argentinien wird EU-erlaubter Mais mit 4-5€ Aufpreis gehandelt, in den USA gibt es ihn nicht!

Weltweit arbeitsteiliges Wirtschaften in der Landwirtschaft und die optimale Nutzung des Bodens und der Tiere ist die beste Voraussetzung, um nachhaltig und effizient Nahrungsmittel und Energie zu erzeugen. Lassen wir den Markt – d.h. die Verbraucher und die Bauern-entscheiden, wo Energie, wo Futter und wo menschliche Nahrung auf dem Acker wachsen soll! Optimal wäre, wenn die UNO mehrheitlich über die Zulassung von genveränderten Pflanzen sowie Klima-, Natur- und Artenschutz entscheidet. Unter diesen Bedingungen ließe der Markt weltweit die für den jeweiligen Standort beste Nutzung zu. Der Weltmarkt der Zukunft könnte dann so aussehen:

  • Brasilien exportiert Ethanol, Mais, Soja und Hühnerfleisch

  • USA exportiert Weizen, Mais, Soja und Rindfleisch

  • Die EU und Kanada exportieren Weizen, Gerste und Schweinefleisch

  • Die Schwarzmeer-Region exportiert Mais, Weizen, Gerste und Soja

  • Russland liefert Gerste und Weizen

  • Argentinien exportiert Rindfleisch, Mais und Soja

  • Malaysia und Indonesien liefern Palmöl


In den jeweiligen heimischen Märkten bliebe die Vielzahl der Produkte erhalten. Biogas und Öfen sollten nur Abfälle sowie Stroh und Holz und nicht Nahrungs- und Futtermittel verwerten.

Wind- Wasser- und Solarenergie gehören an die optimalen Standorte und nicht in jedes Dorf!

Wir brauchen für die Bauern nachhaltig freie Märkte und nicht neue Subventionen!

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