21.06.2005 RSS Feed

"Welche Vermarktungsalternativen bleiben im Süden?" – Gastkommentar von Theo Völk, Vorstandsmitglied der EZG Alb-Donau-Oberschwaben

Die Entwicklung der Schweinepreise bei uns in Süddeutschland macht uns zunehmend Sorge. Die Auswirkungen des massiven Verdrängungswettbewerbs in der Schlachtbranche und vor allem die Ausbreitung des niederländischen Schlachtkonzerns VION bekommen wir inzwischen hautnah zu spüren. Seit Ende 2002 sind die Erzeugerpreise bei uns spürbar gesunken.

Der Schweinepreisvergleich der Zentralen Markt- und Preisberichtstelle (ZMP) aus Bonn hat gerade die stetige Verschlechterung der Vermarktungskonditionen in Bayern und Baden-Württemberg untersucht und aufgezeigt. So stellte die ZMP fest, dass in der Vergangenheit die Schweinepreise in Süddeutschland normalerweise zum Jahreswechsel fallen und zur Jahresmitte hin wieder ansteigen. Das Ansteigen der Preise in der Jahresmitte findet inzwischen allerdings nur noch in abgeschwächter Form statt.

Nicht nur bei den Vorkosten, sondern auch bei der Maskenvielfalt sind wir im Süden bundesweit traurige Vorreiter. Bei uns kursieren etwa ein Drittel aller bundesweit verbreiteten Masken, und dabei erzeugen wir nur ein Fünftel aller Schweine! Im Nordwesten hingegen sind nur ein Drittel aller Masken im Umlauf. Dabei werden dort aber rund zwei Drittel aller Schweine bundesweit erzeugt.

Die Entwicklung des so genannten Gewichtskorridors, also des Gewichtsbereiches, bei dessen Über- oder Unterschreiten Abzüge greifen, hat im Laufe der letzten Jahre ebenfalls zur Verschlechterung unserer Vermarktungsbedingungen beigetragen. Denn er ist im Süden immer enger geworden.

Auch das bisher ordentlich bezahlte Muskelfleisch lässt Mästerherzen im Süden nicht mehr höher schlagen. Denn auch hier enthalten uns die Schlachtunternehmen Geld vor. Die höheren Muskelfleischprozente, die hier traditionell erzeugt werden, bezahlen sie nämlich nicht mehr in gleichem Ausmaß wie früher.

Insgesamt haben die hier aufgeführten Kunstgriffe der Schlachtbranche dazu geführt, dass sich die Vermarktungskonditionen für alle süddeutschen Schweinehalter schon im letzten Quartal 2004 denen im Nordwesten angeglichen haben. Bis dahin sind sie bei uns im Süden im bundesweiten Vergleich immer am besten gewesen.

Dramatisch ist dabei die Negativentwicklung der Auszahlungspreise durch die meldepflichtigen Schlachtbetriebe (4.DVO) gegenüber dem durch die Vereinigung von Erzeugergemeinschaften für Vieh u. Fleisch festgestellten Nordwest-Preis. Deshalb wird es im Süden - speziell in Bayern - immer schwieriger, diese Leitnotierung ohne Abschläge und Zugeständnisse durchzusetzen.

Und die Einflussnahme der VION ist ja noch lange nicht abgeschlossen. Es ist sicher nur eine Frage der Zeit, wann die Südfleisch ebenfalls von diesem Fleischriesen geschluckt wird. Welche Vermarktungsalternativen haben wir süddeutschen Schweinehalter dann noch?

Mit Sicherheit müssen wir dann davon ausgehen, dass angesichts mehr oder weniger oligopolistischer Vermarktungsstrukturen düstere Zeiten auf uns zukommen. Der Strukturwandel innerhalb der Schweine haltenden Betriebe wird sich deutlich verschärfen und die Schweinehaltung in schlecht strukturierten Gebieten wegbrechen.

Ein Gegengewicht zu dieser Entwicklung bildet die Arbeit der ISN-Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands, die wir tatkräftig unterstützen. Denn die ISN trägt wesentlich zu mehr Markttransparenz bei, und die brauchen wir dringender als je zuvor.


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