War das nötig?! Preisrutsch von 13 Cent verärgert Schweinehalter

Machtdemonstration der großen Schlachtunternehmen hat der Wertschöpfungskette Schwein einen Bärendienst erwiesen
Was war passiert?
Vor Weihnachten liefen die Geschäfte mit schlachtreifen Schweinen sehr gut und die Schlachtunternehmen buhlten - teils auch mit höheren Aufschlägen auf die Notierung als üblich - um die zur Verfügung stehenden Schlachtschweine.
Das weckte bei den Erzeugern den Eindruck, die Schweinepreise hätten entgegen den Verlautbarungen der Schlachthöfe weiter Luft nach oben. Im Laufe des Monats Dezember wurden folglich die Schweinepreise moderat heraufgesetzt.
Entgegen der üblichen Situation in der Vorweihnachtszeit konnten die Schlachthöfe in den letzten Monaten des letzten Jahres offenbar nicht die Margen realisieren, die sie aus anderen Jahren gewohnt waren. Im laufenden Kalenderjahr scheinen zudem die wirtschaftlichen Ergebnisse bei den Schlachthöfen nicht besonders gut zu sein.
Kurz vor Weihnachten und über die Feiertage waren die zur Verfügung stehenden normalen Schlachtschweinemengen eingeplant und wären bei normalen Schlachtungen (günstige Lage der Feiertage) problemlos abgeflossen.
Hauspreise zum Weihnachtsfest
Am Mittwochnachmittag, dem 22. Dezember gaben die großen Schlachthöfe plötzlich Hauspreisandrohungen von minus 6 bis minus 10 Cent heraus, was aus Erzeugersicht die zu diesem Zeitpunkt aktuelle Marktsituation nicht korrekt wiederspiegelte. Die Notierung der Vereinigung ergab dann einen unveränderten Preis von 1,48 €, den die „rote Seite“ nicht akzeptierte. Die großen Schlachthöfen und bis auf wenige Ausnahmen auch andere Schlachtbetriebe zahlten durchgehend und einheitlich nur einen Hauspreis von minus 6 Cent, d.h. 1,42 €. Da zudem von einigen Schlachthöfen in der Woche nach Weihnachten massiv auch die Schlachtmengen zurückgefahren wurden und zeitgleich wegen der Unruhe am Markt auch die angebotenen Stückzahlen zunahmen, entstand ein Überangebot. Das führte letztendlich am 30.12.10 zu einem bisher nicht dagewesenen Abschlag bei der Notierung von minus 13 Cent auf 1,35 €.
In der 1. KW 2011 besteht noch ein Überangebot und Schweine werden derzeit noch geschoben, teils wird auch noch nicht die volle Menge geschlachtet. Ursächlich sind hierfür aktuell auch Verwerfungen infolge der Dioxinfunde. Voraussichtlich sind aber die Überhänge kurzfristig abgearbeitet und der Markt wird wieder ausgeglichen sein.

ISN: Schlachtunternehmen handelten fahrlässig
Nach Einschätzung der ISN wurde die Marktsituation um die Jahreswende teils fahrlässig teils bewusst von den großen Schlachtunternehmen zu Lasten der gesamten Produktionskette Schweinefleisch herbeigeführt. Die Rechnung ging nicht auf, denn auch die Schlachthöfe konnten aus dem Preisverfall nicht den erhofften Profit ziehen, da der Fleischeinkauf des LEH sofort reagierte und in Erwartung sinkender Preise Bestellungen herausschob und teilweise sogar bereits georderte Mengen abbestellte.
Allen Marktbeteiligten dürfte klar sein, dass vor dem Hintergrund erheblich gestiegener Futterpreise ein höheres Schweinepreisniveau erforderlich ist. Der willkürliche Preisabschlag von 13 Cent führte bei den Erzeugern von einem Tag auf den anderen zu einem Mindererlös von 12,48 Euro je Schwein! Das ist eine beispiellose Serviceleistung für den Handel, die sich die Erzeuger nicht leisten können. Hier so fahrlässig zugunsten des LEH die dringend erforderliche Spanne auf den landwirtschaftlichen Betrieben aufgrund primitiven Machtgeplänkels zu verschenken, schadet der gesamten Branche ungemein!










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