Wann sinken die Futterkosten?

Die Schweinepreise liegen auch in der dritten Woche bei 1,90 €/kg und die weiteren Aussichten sind ebenfalls gar nicht einmal so schlecht.
Zunächst erfreulich, jedoch fragen sich wohl die allermeisten Landwirte derzeit, ob auf absehbare Zeit eine Entspannung auf den Märkten für Futtermittel in Sicht ist. Für Mastfutter belaufen sich die Kosten derzeit auf über 30 €/dt. Während die Schweinemäster ein wenig durchatmen können, leiden die Ferkelerzeuger noch deutlich unter den gestiegenen Kosten. Wie könnte es weitergehen?
ISN-Marktexperte Matthias Quaing hat sich die Lage auf den Märkten genauer angeschaut und die wichtigsten Fakten in Kürze für Sie zusammengetragen.
1. Warum ist der Preis für Getreide derart gestiegen? Schließlich war die Ernte in Westeuropa gar nicht mal so schlecht und der Mais steht relativ gut.
Ursache ist, dass die weltweite Produktion von Weizen in diesem Jahr um ca. 5 % geringer ausfallen soll als im vergangenen Jahr. Verantwortlich für den deutlichen Produktionsrückgang sind vor allem die Wetterbedingungen in den Gebieten der ehemaligen Sowjetunion. Somit dürfte der Rückgang der Weizenerzeugung in Russland, Kasachstan und der Ukraine insgesamt mindestens 32 Mio. t im Vergleich zum Vorjahr betragen.
Deutlich bessere Witterungsbedingungen für den Weizen gab es bislang in Nordamerika, die deutlichen Verluste in Ost- und Südosteuropa können aber damit nicht annähernd ausgeglichen werden.
Deutliche Produktionseinbußen im Vergleich zum Vorjahr sind auch beim Mais (-4 %) zu erwarten. Rekordtemperaturen und Trockenheit während der Bestäubung, der wichtigsten ertragsbildenden Phase, haben die Aussichten für die Maisproduktion im Mittleren Westen der USA extrem verschlechtert. Von einer ursprünglichen Ertragserwartung von etwa 375 Mio. Tonnen bleiben derzeit nur 275 Mio. Tonnen.
Genauso problematisch wie in den USA waren die Wetterbedingungen zuletzt im Südosten Europas.

2. Was spricht für sinkende Futtermittelpreise?
Derzeit deutet sich insbesondere in den USA an, dass die Rinder- und Schweinebestände abgebaut werden, dadurch sinkt die Nachfrage. Auch in Europa nehmen die Tierbestände ab. Ein großes Fragezeichen steht hinter der Nachfrageentwicklung der Ethanolfabriken in den USA. Immerhin 45 % der gesamten Körnermaisernte der USA werden in normalen Jahren zu Biotreibstoff verarbeitet. Hier werden politische Maßnahmen (z.B. Reduzierung der Beimischungsquoten) gefordert, jedoch ist nur schwierig zu beurteilen, ob die Politik wirklich handelt.
Eine leichte Entspannung könnte eine sehr gute Ernte auf der Südhalbkugel, insbesondere in Australien, bringen. Dieses gilt auch für Soja, wo man im nächsten Jahr von einer Rekordanbaufläche ausgeht. Sollte das Wetter nicht auch die kommende Sojaernte vermiesen, ist im Frühjahr mit einer Entspannung der Situation zu rechnen.
Es wird landläufig behauptet, dass die deutsche Ernte keine Auswirkungen auf die Preise mehr hat, da die Preise am Weltmarkt gemacht werden. Das stimmt weitestgehend auch, jedoch könnte eine sehr gute Maisernte in diesem Jahr zu kurzfristig sinkenden Maispreisen führen. Die Läger der Landhändler sind derzeit noch von der relativ umfangreichen Getreideernte gut gefüllt, eine sehr gute Maisernte könnte die Lagerkapazitäten der Landhändler überfordern. Dass dieses zumindest regional negativ auf die Preise wirkt, kann nicht ausgeschlossen werden.

3. Was spricht für weiter steigende Getreidepreise?
Die Ukraine hat jüngst maximale Exportvolumina von knapp 20 Mio. Tonnen bekanntgegeben. Aus Russland ist es diesbezüglich noch ruhig, in Branchenkreisen wird jedoch nicht mehr gefragt, ob die Grenzen geschlossen werden, sondern nur noch wann. Unklar ist allerdings, in wie weit dieses Szenario bereits in den heutigen Preisen einkalkuliert ist.
Weiteren Preisauftrieb könnte eine noch schlechtere Maisernte als erwartet in den USA und auf dem Balkan bringen. Hier wartet man derzeit auf neueste Ernteschätzungen des USDA.

Empfehlung:
Derzeit ist nicht abzuschätzen, in welche Richtung sich der Futterpreis in den kommenden Monaten entwickeln wird. Extreme Ausschläge nach oben bzw. nach unten sind jedoch nicht zu erwarten, da viele Szenarien bereits in den Börsenkursen eingepreist sind.
Meine Empfehlung lautet, die Risiken so weit wie möglich zu streuen. Das heißt praktisch, dass die Option geprüft werden sollte, einen Teil des Futters mittels Kontrakt bis Anfang nächsten Jahres festzuschreiben. In den vergangenen Jahren hat es sich oftmals als richtig erwiesen, einen Kontrakt nach der Maisernte abzuschließen. Weiter steigenden Futterpreisen könnte man dann gelassener gegenüber stehen. Eine Garantie geben, dass diese Strategie richtig ist, kann jedoch keiner!
Ebenso wichtig bleibt es, mögliche Einsparungen auf dem Betrieb aufzudecken. Lesen Sie in unserem Mitgliederbereich hierzu auch unsere ISN-Blickpunkte
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