„Vierländertreffen“: deutscher Ferkelmarkt umkämpft – Dänen, Niederländer und Belgier spüren Grenzen des Wachstums
Nederlandse Vakbond Varkenshouders (NVV), Danske Svineproducenter (LaDS), Vereniging Varkenshouders (VEVA) und ISN-Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) diskutieren aktuelle Situation am Schweinemarkt und politische Rahmenbedingungen
Bestandsrückgänge führen bisher nicht zu Marktentlastung – Stagnation in den Niederlanden – Finanzkrise überschattet Dänemark – Belgier erwarten großen Strukturwandel – deutsche Hoffnungen auf Export - EU-Tier- und Umweltschutzgesetzgebung auf der Agenda
(ISN Sondervig/Herning Dänemark) Zu einem dreitägigen Spitzengespräch trafen sich von Sonntagabend bis Mittwoch dieser Woche dreizehn Vertreter der Interessenvertretungen der Schweinehalter aus Dänemark, den Niederlanden, Belgien und Deutschland in Sondervig und Herning in Dänemark.
Die Krise am europäischen Schweinemarkt ist noch nicht überstanden
, begrüßte Torben Poulsen, Vorsitzender der Danske Svineproducenter, die Teilnehmer des zweiten Vierländertreffens in diesem Jahr. Denn auch die dänischen Schweinehalter, deren Betriebe größtenteils fremdfinanziert sind, sind Leidtragende der aktuellen Finanzkrise. Die dänischen Landwirte fürchten eine massive Erhöhung der Zinsen für kurzfristige Kredite in der ersten Dezemberwoche. Im Gegensatz zu Deutschland sind auch Stallbauten und der Bodenkauf in Dänemark über kurzfristige, variable Kredite finanziert. Aufgrund des höheren Kapitaldienstes werde der Druck auf die dänischen Ferkelerzeuger größer, man müsse noch besser werden, so Poulsen.
Hans Aarestrup, dänischer LaDS-Geschäftsführer, betonte auch, wie wichtig der deutsche Markt für seine Organisation sei. Angesichts eines dänischen Selbstversorgungsgrades von über 600 % mit Schweinefleisch, sei Deutschland einfach ein Muß
. Denn die Transportrichtlinie beschränke Transporte im Wesentlichen auf acht Stunden. Darüber werde es aufgrund zahlreicher Vorschriften deutlich teurer
und daher unwirtschaftlich. Aarestrup erläuterte außerdem von einem Versuch zur Ebermast, bei dem während der letzten drei Mastwochen 15 % Chicoree verfüttert werde, um den unerwünschten Ebergeruch des Fleisches zu überdecken.
Wyno Zwanenburg, Vorsitzender der niederländischen Schweinehalter, berichtete, dass aufgrund der neuen Ammoniakrichtlinien in den Niederlanden, die bereits 2010 verpflichtend umzusetzen seien, es kurzfristig zu einem unerwarteten Strukturwandel in der Schweinehaltung kommen könnte. Bis 2013 gilt eine europäische Übergangslösung zur Gruppenhaltung von Sauen. Der immense Investitionsbedarf überfordere jetzt viele kleinere und mittlere Schweinehalter finanziell. Ein Übriges tat die Schweinekrise in den letzten anderthalb Jahren. Es mangele vielfach einfach an der ausreichenden Liquidität für die erforderlichen Investitionen ins Haltungssystem und die Umwelttechnik.
Zwanenburg wies außerdem darauf hin, dass man in den Niederlanden die Produktionsrechte kaufen müsse. So koste ein Mastschweineplatz ca. 180 € und ein Sauenplatz ca. 500€. Wegen der Quotierung des niederländischen Schweinemarktes sei das Wachstum nur über eine individuelle Leistungssteigerung, durch z.B. mehr Ferkel oder eine noch bessere Futterverwertung und einem damit einhergehenden höheren Umtrieb möglich.
NVV-Vorstandsmitglied Mark Logtenberg hegt deswegen auch große Hoffnungen auf den Januar nächsten Jahres. Denn dann sollen die Niederlande den lang ersehnten AK-10 Status (frei von der Aujeszkyschen Krankheit) erhalten. Dann werden annähernd 3.600 niederländische Ferkelerzeuger anstatt der bisher 200 zugelassenen Betriebe ohne veterinärmedizinische Auflagen ihre Ferkel nach Deutschland liefern können. Der holländische Marktexperte geht davon aus, dass der deutsche Ferkelmarkt unter Preisdruck kommen werde. Er geht davon aus, dass sich die Erlössituation in den Niederlanden um ca. 4 € je Ferkel verbessern werde und es in Deutschland zu einem ca. 2€ niedrigeren Preisniveau käme. Denn Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen seien ein wichtiger Exportmarkt. Spanien sei in den letzten Jahren immer uninteressanter geworden. Und Osteuropa, wie z.B. Polen, Rumänien oder Ungarn litten gegenüber Deutschland an entsprechend höheren Transportkosten, die wegen der Ferntransportbedingungen zu erfüllen sind.
Die belgischen Schweinehalter befinden sich noch in einer sehr schwierigen Situation bezüglich der Preisfindung und Preistransparenz am Schlachtschweinmarkt. Damit einher gehe eine unbefriedigende Situation am Futtermittelmarkt, so der VEVA-Vertreter Kristof Verschelde. Die ab 2013 vorgeschriebene Gruppenhaltung führe zu einem großem Strukturwandel, denn zurzeit würden in Belgien noch 50 – 60 % der Sauen in Kastenständen gehalten. Auch in Belgien ist eine Betriebserweiterung nur möglich, wenn die Gülle aufbereitet wird. D.h., dass Phosphat und Stickstoff zu einem wertvollen Düngemittel aufbereitet werden sollte. Die Kosten des Produktionsrechts für einen Mastschweineplatz belaufen sich auf einmalig ca. 90 - 120 €. Für die Gülleverwertung müsse der belgische Schweinehalter ca. 20 €/m3 kalkulieren.
Zunehmend besorgt zeigten sich die Erzeuger auch über die Entwicklungen am Sojamarkt. So sorge die EU-Kommission durch höhere Importzölle und ihre restriktive Haltung im Zusammenhang mit der Gentechnik dafür, dass sich das Problem der Futterkosten weiter verschärfe und den europäischen Schweinehaltern Wettbewerbsnachteile entstünden, stellte Franz Schulze Tenkhoff für die ISNfest. Hier gelte es, durch die EU-Kommission schnellstmöglich Abhilfe zu schaffen, um bei den Futtermittelkosten die internationale Wettbewerbsfähigkeit wieder herzustellen. Die unglücksselige Null-Toleranz
-Diskussion müsse endlich ein Ende haben, zumal das Fleisch mit GVO-Futtermitteln (Gentechnisch veränderte Organismen) gefütterter Tiere ohne weiteres aus den USA, Brasilien oder Argentinien in die EU importiert werde.
August Rietfort, ISN-Vorstand, zeigte sich zuversichtlich, dass die von der Bundesregierung erst kürzlich geschlossenen Veterinärabkommen mit Japan, China und Südafrika dem deutschen Schweinemarkt weiteren Auftrieb verleihen könnten. Russland läuft
und auch das Abkommen mit Süd-Korea, dem weltweit viertgrößten Importeur von Schweinefleisch, stände kurz vor dem Abschluss. Die Pessimisten haben zwar oft Recht, doch die Optimisten machen die Geschäfte
, so Rietfort. Und eben diese Geschäfte gelte es nicht zu gefährden, sagte das ISN-Vorstandsmitglied und wies auf den 10-Punkte-Plan
zur Schwarzwildbekämpfung hin. Ein einzelner Wildschweinepestfall könne die Exportbemühungen schlagartig zu Nichte machen. Eine Aussage, der sich die dänischen, niederländischen und belgischen Vertreter voll und ganz anschlossen.
ISN-Geschäftsführer Detlef Breuer beklagte die zunehmende deutsche Regulierungswut. So sei Deutschland mittlerweile leider Europameister darin, im nationalen Alleingang den Schweinehaltern immer neue Knüppel zwischen die Beine zu schmeißen.
Dies zeigen der zurzeit in Arbeit befindliche Ammoniakleitfaden, die Ausführungshinweise zur Schweinehaltungsverordnung und der TierschutzTÜV
nur zur Genüge. Es reiche, das Maß der Dinge sei voll. Die deutschen Schweinehalter hätten ihre Hausaufgaben gemacht und den Selbstversorgungsgrad von 100 % erreicht. Wenn die Politik keine nachhaltige, regionale deutsche Schweinehaltung wolle, so solle sie dies klar und eindeutig sagen und sich nicht über fadenscheinige Leitfäden und Erlasse klammheimlich aus der Verantwortung stehlen. Angesichts der prekären Situation forderte der ISN-Geschäftsführer die Politik zu einem klaren Bekenntnis auf. Mit den Unwägbarkeiten des Marktes würden die Schweinehalter schon fertig, doch man brauche endlich verlässliche Rahmenbedingungen, es dürfe nicht jede Woche eine neue Sau durchs Dorf getrieben werden
.
Die ISN vertritt mit 12.000 Mitgliedern rund 70 Prozent der deutschen Schweineproduktion, die LaDS etwa 1.600 Schweinehalter und damit ca. zwei Drittel der dänischen Schweineproduktion. Die NVV zählt ca. 3.000 Mitglieder und nimmt die Interessen von 60 Prozent der niederländischen Schweineproduktion wahr. Die VEVA hat 1.200 Mitglieder und repräsentiert ca. 70 Prozent des belgischen Schweinemarktes. Traditionell treffen sich die Interessenvertretungen zweimal im Jahr, um sich bezüglich der politischen Rahmenbedingungen und Fragen des Schlachtschweinemarktes abzustimmen. Das nächste Treffen ist bereits für Mitte Juni nächsten Jahres in Deutschland geplant.
Für die NVV nahmen Wyno Zwanenburg, Leo Verheijen, Mark Logtenberg, Erwin van der Wielen, für die LaDS Torben Poulsen, Carsten Cristiansen, Anders Nörgaard und Hans Aarestrup, für die VEVA Marianne Vandenberghe und Kristof Verschelde und für die ISN August Rietfort, Franz Schulze Tenkhoff sowie Detlef Breuer am Treffen teil.
Die Tagung fand am Sonntag und Montag in Söndervig am Ringköping-Fjord an der Westküste Dänemarks statt. Am Dienstag folgte der Besuch der dänischen Landwirtschaftsmesse Agromek in Herning. Dort standen Dänen, Niederländer, Belgier und Deutsche bei einer gemeinsamen Pressekonferenz über 25 Journalisten Rede und Antwort. Den Abschluss bildete am Mittwochvormittag die Besichtigung der Exportverladestation für Ferkel H&S Westergard A/S in Sunds ca. 200 km nördlich der dänisch-deutschen Grenze.
Kontakt: Katja Ahnfeldt
Interessengemeinschaft der Schweinehalter
Deutschlands e.V. (ISN)
Kirchplatz 2
49401 Damme
Tel. 0 54 91 / 96 65 - 11
Fax 0 54 91 / 96 65 - 19
E-Mail: ahnfeldt@schweine.net










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