17.10.2005 RSS Feed

"Überrollt uns eine Ferkellawine aus Dänemark?" – Kommentar von Thomas Bröker, ISN-Beiratsmitglied

Thomas In diesem Jahr werden voraussichtlich rund 3 Mio. Ferkel aus Dänemark zu uns nach Deutschland importiert. Für das kommende Jahr gehen die Dänen davon aus, dass sich diese Zahl sogar auf 3,5 Mio. Tiere erhöhen wird.

Woran liegt das? Zum einen ist die Rentabilität in der dänischen Mast in den beiden letzten Jahren sehr unbefriedigend gewesen und zum anderen ist die Flächenbindung der Mast dort noch größer als bei uns. Daher sind etliche Mäster aus der Mast ausgestiegen und in die Sauenhaltung eingestiegen.

Vermehrt werden im kommenden Jahr zusätzlich auch Ferkel aus den Niederlanden zu uns importiert werden. Denn sobald die Niederlande als AK-frei gelten, wollen und werden sie ebenfalls verstärkt auf unseren Ferkelmarkt vorstoßen.

Diese Entwicklung wird folglich auch künftig für einen erheblichen Druck auf unserem Ferkelmarkt sorgen. Ich bezweifele allerdings, dass die Dänen ihre Marktanteile bei uns längerfristig halten können. Denn mir ist es ein Rätsel, wie diese ihre Sonderangebote, die teilweise deutlich unter unseren Ferkelpreisen liegen, bei uns gewinnbringend vermarkten können. Sie haben ja zumindest höhere Transportkosten. Aus dieser Situation heraus wollen sie dann auch noch ihre Sauenbestände weiter aufstocken…

Günstiger produzieren können die dänischen Berufskollegen im Grunde nicht, weil sie ähnliche - teilweise noch schärfere – Rahmenbedingungen haben als wir. Sie kochen also auch nur mit Wasser. Was die Folgen eines Seuchenfalls in Dänemark mit Exportstopp für dänische Ferkelerzeuger bedeuten würde, darüber möchte ich gar nicht nachdenken.

Welche Folgen hat diese Entwicklung aber für unsere Sauenhalter?
Wir werden uns darauf gefasst machen müssen, dass das zusätzliche Angebot an Ferkeln den Strukturwandel bei uns noch stärker vorantreiben wird. Diesem werden meiner Einschätzung nach viele kleinere Betriebe, die Partien unter 100 Ferkel erzeugen, zum Opfer fallen. Eine Alternative kann für diese Betriebe das geschlossene System sein. Vom Strukturwandel werden aber auch Großbetriebe in den neuen Bundesländern, die keine Top-Leistungen aufweisen und zudem zu teuer produzieren, betroffen sein. Größe allein reicht nicht!

Wer als Sauenhalter überleben will, muss eine konkurrenzfähige Bestandsgröße mit überdurchschnittlichen Leistungen und einer optimalen Kostenstruktur aufweisen. Das richtige Gesundheitsmanagement spielt hierbei auch eine wesentliche Rolle.

Wenn wir das hinbekommen, brauchen wir keine Angst vor den Ferkelimporten aus Dänemark und den Niederlanden zu haben. Unsere erfolgreichen Betriebe (+ 25%) zeigen uns ja schon lange, dass unsere Sauenhalter in Deutschland kostengünstig hervorragende Qualität erzeugen können.



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