Turbulenzen auf den EU-Märkten
Die EU-Märkte reagieren sehr uneinheitlich auf die preislichen Turbulenzen. Nach Bekanntwerden der Dioxin-Problematik betonte das europäische Umfeld gerne, dass es sich bei Dioxin um ein ausschließlich deutsches Problem handelt. Der desaströse Preisverfall beschränkte sich zunächst auch nur auf Deutschland und die Schere im europäischen Preisgefüge geht seither weit auseinander.
Die allgemeine Verunsicherung der Märkte übertrug sich jedoch, so dass die Notierungen, z.B. die niederländische Börse in Vleuten, teilweise ausgesetzt wurden. Letztendlich war der Preisverfall auch in den Nachbarländern nicht vollständig aufzuhalten und die Notierungen gaben zuletzt nach. Wenn auch nicht so dramatisch wie in Deutschland.
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Die Position der ISN zur PLH lesen Sie hier
In einigen Ländern fanden auch Protestaktionen der Landwirte statt. So rief die belgische Interessenvertretung der Schweinehalter (Veva) zum Lieferboykott bis einschließlich 21. Januar auf. Die niederländische Schwesterorganisation NVV blockierte am 18. Januar die Zuwegungen zu allen wichtigen Schlachtbetrieben und erreichte damit die Aufmerksamkeit der Politik und ein Gespräch am runden Tisch mit den Marktbeteiligten. Französische Schweinehalter demonstrierten noch in dieser Woche in Paris, um auf die hohen Futterkosten aufmerksam zu machen. Und die Junge ISN gab buchstäblich ihr letztes Hemd für die deutsche Schweinehaltung.
Französische Schlachter verklagen deutsche Schlachthöfe
Die Franzosen gehen einen anderen Weg und wollen bei der Beschäftigung von billigen ausländischen Lohnarbeitskräften in deutschen Schlachtbetrieben nicht mehr länger tatenlos zusehen. Der zuständige Fachverband SNIV-SNCP hat deshalb Klage bei der Europäischen Kommission in Brüssel eingereicht. Laut SNIV-SNCP beschäftigen gegenwärtig viele deutsche Schlachthöfe extrem billige Arbeitskräfte, insbesondere aus Osteuropa und sogar Russland, deren Löhne deutlich unter der Bezahlung deutscher Arbeitnehmer liegen. Das führe zu enormen Wettbewerbsverzerrungen am Fleischmarkt zugunsten des deutschen Handels, beklagte der Generaldirektor der Organisation, Pierre Halliez. Durch diese Praxis könnten deutsche Unternehmen gegenüber der französischen Konkurrenz Kostenvorteile in Höhe von 5 Cent bis 10 Cent pro Kilogramm Fleisch herausschlagen.
Die niederländische Vion verstand es, die missliche Marktsituation für sich auszunutzen. Für die Kalenderwochen 3 und 4 wurde der Preis bei 1,26 EUR/kg SG (-9 Cent) festgesetzt. Erzeuger, die am Konzept „Good Farming“ für die Supermarktkette „Albert Heijn“ teilnehmen, erhalten einen Aufschlag von 6 Cent. Das Fleisch aus diesem Konzept trägt das „Beter Leven“-Kennzeichen. Zur Lieferantenbindung erhalten auch die Erzeuger diesen Aufschlag rückwirkend am 31. Dezember 2011, wenn sie im Jahresverlauf kontinuierlich Schweine an Vion liefern.
Fakt ist, dass die Preise für Schlachtschweine europaweit zu niedrig sind. Das aktuelle Preisniveau lädt per se die Schlachtunternehmen traditionell dazu ein, sich die Kühlhäuser im Januar zum kleinen Preis vollzupacken, um passend zur Grillfleischsaison darauf zurück zugreifen. Die Leidtragenden sind besonders die Erzeuger in Deutschland als direkt Betroffene des Dioxin-Skandals, aber auch die europäischen Schweinehalter. Schlachtunternehmen und Kühlhausbetreiber werden gestärkt aus der Situation hervorgehen.










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