01.06.2012RSS Feed

Tierschutz rauf, Preis runter?

Letzte Woche hat das Bundeskabinett hat einer Änderung des Tierschutzgesetzes zugestimmt. Doch damit ist die Anpassung nicht automatisch durch, denn im Bundesrat deuten sich im Vorfeld der Abstimmung intensive Diskussionen an.

Der Agrarausschuss der Länderkammer beschloss in seiner Sitzung am vergangenen Donnerstag die Einrichtung eines Unterausschusses, der nun vermitteln soll. Der wird sich den Angaben zufolge am 11. Juni 2012 in Berlin mit dem Gesetzentwurf der Bundesregierung befassen.

Es wird erwartet, dass von Länderseite weitergehende Verschärfungen im Tierschutzrecht gefordert werden, als sie im Regierungsentwurf vorgesehen sind.

Viel wird derzeit also über Tierschutz und höhere Anforderungen an die Produktion diskutiert. Die Schweinehalter nehmen diese Diskussion sehr ernst und bringen sich ein, wissen sie doch, dass sie ohne gesellschaftliche Akzeptanz nicht nachhaltig produzieren können. Doch ist der Verbraucher bereit diese höheren Anforderungen, die er an die Landwirtschaft stellt, auch zu honorieren. An der Fleischtheke merkt man es derzeit jedenfalls noch nicht…

Tierschutz rauf, Preis runter?

Aus Sicht der ISN passt das nicht zusammen. Das sehen nicht nur wir so, wie Sie im folgenden Beitrag lesen können.


Benjamin Wagener, Redakteur der Schwäbischen Zeitung

Benjamin Wagener, Redakteur der Schwäbischen Zeitung

Kommentar: Die Leidtragenden sind die Bauern von Benjamin Wagener

Der Beitrag erschien am Samstag, den 26. Mai, als Leitartikel in der Schwäbischen Zeitung

 

Die Regierung hat berechtigte Angst, die Bauern vor den Kopf zu stoßen, wenn diese künftig Ferkel nur noch unter Narkose kastrieren dürfen. Der Vorstoß, der vordergründig ein Akt von plumpem Lobbyismus zu sein scheint, offenbart in Wahrheit ein Problem, das viel tiefer liegt: Im Streit um die richtige Produktion von Nahrungsmitteln passt vieles nicht zusammen.

 

Der Verbraucher will Fleisch, und zwar billiges und immer noch billigeres. Die meisten Konsumenten treffen ihre Kaufentscheidung in diesem Bereich ausschließlich über den Preis. Der billigste Anbieter gewinnt – und zwar so gut wie immer. Auf der anderen Seite erhöhen sich die Ansprüche der Gesellschaft an die das Fleisch produzierenden Landwirte mehr und mehr. Dazu gehören die Forderungen nach größeren Ställen und immer strengeren Hygienevorschriften genauso wie das Narkosegebot bei Kastrationen. Die Bereitschaft, für Fleisch mehr zu zahlen, geht mit diesen Anforderungen aber nicht einher: Bauern sollen unter für sie immer schwierigeren Bedingungen produzieren – aber ihre aufwendig hergestellten Produkte weiter so billig wie nur irgendwie möglich anbieten. Das ist nicht möglich.

 

Wenn die überwiegende Zahl der Verbraucher billige Schnitzel möchte und solange die Bereitschaft nicht steigt, für hochwertige Lebensmittel einen angemessenen Preis zu zahlen, so lange muss man akzeptieren, dass Schweine nur Produktionsfaktoren sind: Tiere, die man benutzt, um Fleisch und Wurst herzustellen.

 

Wer aber die Forderung erhebt, dass jedem Schlachtschwein ein artgerechtes Leben jenseits der üblichen Stallbuchten zugestanden werden muss, hat zu akzeptieren, dass ein Schnitzel zehn Euro kosten wird. Für viele ärmere Familien bedeutet das, dass sie in den Sommermonaten vielleicht nur noch jede dritte Woche grillen könnten. Wer beides fordert – vollkommenen Tierschutz und billiges Fleisch –, argumentiert scheinheilig. Die Leidtragenden sind die Bauern: Sie können nicht beide Ansprüche erfüllen – jedenfalls nicht auf einmal.

 

Die ISN meint: Es tut gut solche Worte von einem Nichtschweinehalter zu lesen. Schön, dass das Thema Tierschutz von diesem Redakteur differenziert betrachtet wird. Das lässt hoffen...

 

In dem Kommentar wird der vom Bundeskabinett beschlossenen Entwurf zur Änderung des Tierschutzgesetzes bewertet. Folgende Punkte sollen im Tierschutzgesetz geändert werden :

  1. Verbesserter Schutz von Versuchs- und Wildtieren im Zirkus
  2. Ausnahmeregelung für den Schenkelbrand beim Pferd soll künftig entfallen
  3. Das bestehende Qualzuchtverbot wird neu formuliert und ergänzt, z.B. um ein Austellungsverbot
  4. Erzeuger sind künftig stärker gefordert, den Tierschutz durch Eigenkontrollen zu gewährleisten
  5. Die betäubungslose Ferkelkastration soll zum 1. Januar 2017 verboten werden.

Im Herbst 2012 soll das Gesetz in Kraft treten.

 

Die vollständige Stellungnahme der ISN zur Änderung des Tierschutzgesetzes finden Sie im Mitgliederbereich des www.schweine.net im Bereich Aktuelle Downloads:

Hier geht es in den Mitgliederbereich

Wie es sein soll: in gemütlicher Runde klönen

Wie es sein soll: in gemütlicher Runde klönen

In diesem Zusammenhang möchten wir Sie gerne auf den nächsten ISN-Klönabend am Dienstag, den 05.06.2012 in Geseke hinweisen.

 

Denn genauso wie die Änderungen des Tierschutzgesetzes drängen die Vorgaben der angepassten Tierschutz-Nutztierhaltungs-VO, die bis 01.01.2013 umzusetzen sind: Gruppenhaltung, Spaltenböden, Beschäftigungsmaterial… Die Auslegung der Verordnung bereitet noch vielen Schweinehaltern Kopfzerbrechen. Folgerichtig haben Sie auf dem Klönabend die Möglichkeit sich mit Amtsveterinären, Praktikern und Wissenschaftlern auszutauschen.


Mehr zum Klönabend (Referenten, etc...) erfahren Sie hier

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