"Tierschützer ab ins Reich der Mitte: jedes zweite Schwein steht in China" – Kommentar von Thankmar Corleis, Mitglied des Sprecherteams Junge ISN
Tier- und Umweltschutz im Spiegel der Medienwar das Thema einer Tagung des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) am 13. Dezember 2005 in Berlin. Die Teilnehmer diskutierten, wie das Thema
Tier- und Umweltschutz in der Landwirtschaftvon Medienmachern und Mediennutzern wahrgenommen wird und welche Möglichkeiten es gibt, es stärker in die Öffentlichkeit zu tragen.
Während der BSE-Krise hatte die Berichterstattung über die Nutztierhaltung Hochkonjunktur. Bilder von Massentötungen und –verbrennungen von Rindern schockierten die Öffentlichkeit, zu der im Übrigen nicht nur die Verbraucher, sondern auch die Landwirte zählten! Wir mussten lernen, dass leider nur Skandale gute Einschaltquoten bringen - nicht eine realistische Darstellung der spezialisierten Nutztierhaltung.
Zurzeit ist das Medieninteresse an der Landwirtschaft etwas abgeflaut. Sogar bei Berichten über so genannte Skandale mit Bildmaterial sinken die Einschaltquoten. Befragungen haben ergeben, dass auch verdorbenes Fleisch im Handel glücklicheweise zu keinen Umsatzrückgängen geführt hat. Und nun findet eine Tagung statt, um herauszufinden, wie man das Thema wieder
interessantmachen kann… Leider ist es noch immer so, dass vermeintliche
Tierschützerin den meist emotionalen und polarisierenden Diskussionen gegenüber den Tierhaltern als moralischer Sieger hervorgehen.
Neu war für mich die These, dass wir in der EU im Tierschutz angeblich einen
Niedrig-Standardhätten. Die hierbei zugrunde liegende Beurteilung von Tierhaltungssystemen allein nach der Anzahl der gehaltenen Tiere ist jedoch in höchstem Maße unprofessionell und fachlich einfach falsch. Entscheidend ist doch, ob die Haltung den Bedürfnissen der Tiere gerecht wird!
Das Statement eines Tagungsteilnehmers
Tiere haben das Recht, auf der Weide zu wohnen und somit für schöne Landschaften zu sorgenist absurd und deute ich so, dass dieser Teilnehmer keine wirklich wesentlichen Kritikpunkte an der modernen Tierhaltung gefunden hat. Frei nach dem Motto
Auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn? In der Tierhaltung geht es aber nicht um Ästhetik. Sieht der Kriterienkatalog für meine Betriebsplanung in Zukunft so aus:
Hübsch oder nicht hübsch?
Während hierzulande diskutiert wird, was in der Tierhaltung ästhetisch ist, haben z.B. die Chinesen ganz andere ‚Sorgen’, wenn es um ihre Schweine geht. Hier werden etwa 600 Mio. Schweine gehalten – also etwa die Hälfte des Bestandes weltweit. Wussten Sie, dass es in China derzeit noch gar kein Tierschutzgesetz gibt? Auch die aktuell geltenden Veterinärbestimmungen bedürfen einer dringenden Überarbeitung: Zurzeit werden die Schweine noch nicht einmal zum Schlachten betäubt.
Mittlerweile ist die Diskussion um den Tierschutz auch in China entbrannt und wird – nach westlichem Vorbild? - von branchenfremden Personen in sehr polarisierender Form geführt. Allerdings geht es in dieser Diskussion um ganz grundlegende Dinge: angemessene Versorgung der Tiere mit Futter und Wasser, angemessene Unterkunft, die Vorbeuge oder schnelle Diagnose und Behandlung von Verletzungen und Krankheiten, Angstfreiheit und die Möglichkeit, den normalen Verhaltensmustern nachgehen zu können.
Als deutscher Schweinehalter verstehe ich da die Welt nicht mehr. Am Standort Deutschland erzeugen wir qualitativ hochwertige Lebensmittel. Unsere Tiere werden entsprechend aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse unter optimalen Bedingungen gehalten. Die Betriebsleiter und ihre Familien, sowie deren Mitarbeiter sind hervorragend ausgebildet. Wir sind bereits Vorreiter in Sachen Tierschutz und Lebensmittelsicherheit. Offensichtlich ist unsere Tierhaltung bereits so gut, dass man beginnt, die Ästhetik zu bewerten. Das ist offensichtlich das Resultat unserer Wohlstandsgesellschaft! In China hingegen, wo die meisten Schweine größtenteils sehr primitiv gehalten werden, können unsere vermeintlichen Ansprüche nicht einmal im Ansatz eingehalten werden.
Darum für alle Schweine dieser Welt:
Tierschützer, ab ins Reich der Mitte!










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