"Tiergesundheitsdienst in NRW mit Frühwarnsystem auf dem Holzweg" – Kommentar von Eugen Sicking-Bronstert, ISN-Beiratsmitglied
Ein so genanntes Frühwarnsystemfür Tierhalter plant die Landwirtschaftskammer NRW mit Unterstützung der Tierseuchenkasse in Nordrhein-Westfalen. Ziel dieses EDV-gestützten Systems soll es sein, landwirtschaftliche Betriebe mit erhöhtem Falltieraufkommen schnell zu erfassen und diesen dann über den Tiergesundheitsdienst der LWK ein Beratungsangebot zu machen, um die Probleme umgehend wieder in den Griff zu bekommen. Gelingt dies in einem bestimmten Zeitraum nicht, soll automatisch das zuständige Veterinäramt eingeschaltet werden. So weit, so gut.
Mir kommt das geplante System aber irgendwie bekannt vor. Wozu ein System installieren, wenn die etablierte Vorgehensweise bereits bestens funktioniert?
Denn treten in Schweine haltenden Betrieben höhere Tierverluste auf, schaltet jeder Tierhalter aus eigenem betriebswirtschaftlichem Interesse und aus Tierschutzgründen sowieso den Tierarzt seines Vertrauens ein. Hierzu ist er zudem durch die Schweinehaltungs-Hygieneverordnung gesetzlich verpflichtet. Gemeinsam mit dem Tierarzt und ggf. dem zuständigen Schweinespezialberater gehen alle Beteiligten auf Spurensuche, um die Probleme schnellstmöglich zu beheben. Hat der Tierarzt den Verdacht, dass es sich beim Krankheitsgeschehen um eine meldepflichtige Tierseuche handeln könnte, ist er schon seit Jahren verpflichtet, den zuständigen Kreisveterinär einzuschalten.
Schneller als diese Vorgehensweise ist das geplante Frühwarnsystem der Landwirtschaftskammer mitnichten. Denn bis die Betriebsdaten letztlich beim Tiergesundheitsdienst ankommen, können bis zu zwei Monate (!) vergehen. Bei der derzeitigen eigenverantwortlichen Vorgehensweise der Landwirte und Tierärzte ist eine Behandlung der Tiere dann oftmals schon längst abgeschlossen… Handelt es sich bei dem geplanten System gar nur um eine ABM-Maßnahme für den Tiergesundheitsdienst?
Das geplante Frühwarnsystem ist in Wirklichkeit ein
Spätwarnsystem. Egal, welchen Namen es trägt; es ist uneffektiv und verursacht zusätzlichen Aufwand – von Bürokratieabbau keine Spur. Neben den Kosten, die für das verschleppte Behandeln erkrankter Tiere im Betrieb entstehen - was kaum im Sinne des Tierschutzes sein kann – verursacht das geplante System ja selbst auch noch Kosten. Bezahlen soll dies die Tierseuchenkasse und damit letztlich wieder die Tierhalter. Das wäre eine Mittelverschwendung ohnegleichen.
Der derzeitige Trend, zu glauben, dass nur die Dinge funktionieren, die von irgendeiner staatlichen oder halbstaatlichen Stelle angeordnet und kontrolliert werden, ist ein Trugschluss. Die Bevormundung der spezialisierten Tierhalter darf so nicht weitergehen. Eigenverantwortung und unternehmerisches Handeln - darauf sollten wir uns wieder mehr besinnen – auch der Tiergesundheitsdienst!










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