"Stoppt die niederländischen Güllebomber - 800.000 t sind zu viel" – Kommentar von August Rietfort, ISN-Vorstandsmitglied
Die Gülleimporte aus den Niederlanden haben beängstigende Ausmaße angenommen. Allein 2006 sind sie um rund 330.000 Tonnen auf über 800.000 Tonnen angestiegen. Das sind immerhin über 50.000 LKW-Ladungen! Damit wird deutlich, dass in den Niederlanden mittlerweile so Einiges aus den Fugen gerät. Hintergrund ist, dass die Niederländer immer größere Schwierigkeiten haben, ihre eigenen Wirtschaftsdünger im Inland zu verwerten. Sie planen derzeit zwar den Bau einer großen Verbrennungsanlage für 450.000 Tonnen, das schafft aktuell aber keine Abhilfe. Die überbetriebliche Verwertung der Gülle in den Niederlanden kostet in der Vegetationsperiode inzwischen sage und schreibe ca. 26 Euro pro Kubikmeter. Angesichts der in unseren Veredlungshochburgen zurzeit noch üblichen Verwertungskosten von vier bis sechs Euro, rechnet sich der grenzübergreifende Gülletransport folglich allemal!
Bei Gewinnspannen von bis zu 500 Prozent, die sonst nur im Drogenhandel vorkommen, ist leider oft kriminelle Energie mit im Spiel. So stellt sich die Frage, ob bei den niederländischen Importen alles mit rechten Dingen zugeht. Bereits in der Vergangenheit hat die deutsche Staatsanwaltschaft gegen illegale Geflügeltrockenkotimporte aus den Niederlanden ermittelt. Seit geraumer Zeit sitzt der Geschäftsführer einer niederländischen Wirtschaftsdüngerverwertung in Untersuchungshaft. Einige - nicht nur niederländische –
schwarze Schafesind derzeit noch mit scheinbar weißer Weste unterwegs. Denn die in den Niederlanden für Gülletransporter gesetzlich vorgeschriebenen GPS-Geräte werden beim Grenzübertritt nach Deutschland geflissentlich ausgeschaltet.
Weiter ist erstaunlich, dass allein 280.000 Tonnen der niederländischen Wirtschaftsdüngerexporte Pferdemist bzw. ein Substratgemisch aus Champignonkompost und Pferdemist sein sollen. Seit wann sind die Niederländer die Reiternation Europas? Tulpen aus Amsterdam, Käse und Frau Antje aus Holland – ist das vorbei und keiner hat’s gemerkt?
Für einige Bauern im Emsland ist es inzwischen sogar lohnender, niederländischen Geflügeltrockenkot aufzunehmen anstatt eigene Flächen an Betreiber von Biogasanlagen zu verpachten! Die niederländischen Gülletransporte treiben also wegen des immensen Angebots nicht nur unsere Kosten für die Gülleverwertung, sondern auch die Flächenpachten in astronomische Höhen. Das Preisniveau ist schon jetzt völlig überzogen, und rentables Wirtschaften ist gar nicht mehr möglich.
Doch es kommt noch besser: Einige Emsländer verwerten ihre betriebseigene Gülle mittlerweile über deutsche Nährstoffverwertungen weiter ostwärts und nehmen stattdessen niederländische Gülle für die eigenen Flächen auf. So entsteht Wertschöpfung!
Speziell bei uns in Nordrhein-Westfalen gibt es zusätzlichen Unmut über die Güllebomber aus den Niederlanden. Wird die an Niedersachsen grenzende niederländisch-deutsche Grenze schärfer kontrolliert als die an Nordrhein-Westfalen grenzende? Ist NRW gar als Transitland für
Grau- bzw. Schwarzimportezu einem Geheimtipp geworden?
Allein aus seuchenhygienischen Gründen kann es nicht in unserem Sinn sein, dass niederländische Gülle bei uns kreuz und quer durch die Lande gekarrt und ausgebracht wird. Wir können nur eindringlich davor warnen, die seuchenhygienisch erforderliche Notifizierung, Kontrolle und Überwachung der niederländischen Gülleimporteure - so wie derzeit diskutiert - aufzuweichen.
Für uns zeigt sich unterm Strich, dass wir den Importen aus den Niederlanden jetzt endlich einen Riegel vorschieben müssen, damit wir auf Dauer nicht den Kürzeren ziehen. Und das muss auf politischer Ebene passieren.










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