"Stecken die Schlachtunternehmen wirklich in der Preisfalle zwischen LEH und Schweinehaltern? - Kommentar von ISN-Marktreferent Andreas Beckhove
Schinken war erneut Problemartikel Nr. 1. Auch Kotelett, Lachse und Nacken waren nach wie vor nicht ins notwendige Geld zu bringen.(Meldung vom 30.9.2004)
Problemartikel blieb weiterhin der Schinken. Im Inlandsgeschäft stagnierte der Verkauf. Bei Kotelett und Lachsen blieb die Nachfrage ruhig.(Meldung vom 16.9.2004)
Am Schweinefleischmarkt konnten die letzten Preiserhöhungen im Einstand nicht in vollem Umfang durchgesetzt werden.(Meldung vom 2.9.2004)
Eine kleine Sammlung von Zitaten aus Marktberichten des letzten Monats, die einem die
Tränen in die Augen treiben. Es wird der Eindruck erweckt, als haben sich die edlen Teilstücke vollkommen unabhängig von den Erzeugerpreisen entwickelt und dümpeln zwischen
billigund
wertlosdahin. Insbesondere der Schinken, immerhin ein gutes Viertel des Schlachtschweins, müsste dann wohl seit etwa zwei Monaten keinerlei Preisfortschritt gemacht haben. Befinden sich die Fleischvermarkter wirklich in einer Preisfalle zwischen LEH und den
mächtigenSchweinehaltern?
Ein Blick auf die Statistik offenbart ein ganz anderes Bild:
Seit Anfang des Jahres ist der Nordwest-Preis von 1,08 €/kg Schlachtgewicht um 55 Cent auf den Jahreshöchststand von 1,63 €/kg angestiegen. Im gleichen Zeitraum sind die Preise für die wesentlichen Teilstücke des Schlachtschweins (Schinken, Karbonade, Nacken, Schulter, Bauch) um 38 bis 80 Cent gestiegen. Auch wenn der Schinken sicherlich nicht zu den am stärksten nachgefragten Teilstücken gehört und den Schlachtbetrieben keine großen Margen erbringt, verschweigt die
roteSeite doch gerne, dass gleichzeitig andere Teilstücke stärker im Preis gestiegen sind als der Nordwestpreis.
Dazu zählt:
- Bauch: + 80 Cent (+ 46 % )
- Nacken: + 72,5 Cent (+ 43 %)
- Schulter: + 61 Cent (+ 46 %)
Darüber hinaus wird die Schweinebacke, sonst von den Abnehmern eher verschmähtes Teilstück, derzeit etwa 70 Cent teurer verkauft als noch zu Anfang des Jahres. Den größten Sprung machte jedoch der Verarbeitungsspeck, der nicht zuletzt aufgrund der guten Nachfrage aus Osteuropa, zu preislichen Höhenflügen neigt. Um knapp einen Euro wird Speck, der etwa fünf bis sechs Prozent des Schlachtkörpers ausmacht, teurer verkauft.
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Beim Sichten der Marktberichte zum Fleischverkauf drängt sich die Vermutung auf, die Vermarkter suchten sich jeweils gerade das Teilstück heraus, dass sich im Vergleich zur Vorwoche am schlechtesten entwickelt hat und stellten dies in den Vordergrund. Letztendlich ist der Verkauf des zerlegten Schweins immer eine Mischkalkulation, und die Summe aller Teilstücke muss Gewinn bringen.
Seit Jahresanfang hat es keine Woche gegeben, in der sich die Verkäufer ohne Einschränkung positiv über die Fleischvermarktung geäußert hätten. Sollte die Nachfrage in Osteuropa irgendwann nachlassen, womit sobald noch nicht zu rechnen ist, werden sicherlich die minderwertigen Teilstücke in den Vordergrund gestellt, da sie von ihren Höhenflügen auf
normalesNiveau absinken werden.
Niemand möchte den Schlachtunternehmen verbieten, Gewinne zu machen. Ganz im Gegenteil:
Für einen funktionierenden Markt müssen langfristig alle Marktteilnehmer Schwarze Zahlen schreiben, um nötige Investitionen tätigen zu können. Doch in der jetzigen Situation fällt es den Schweinehaltern angesichts der ständigen Klagen der Vermarkter immer schwerer, diesen Aussagen überhaupt noch Glauben zu schenken.
In den letzten Wochen hat sich die Situation jedoch grundlegend geändert. Der Erzeugerpreis ist, nicht zuletzt auf
Wunschder Schlachtunternehmen, von seinem Jahreshöchststand (1,63 €/kg Schlachtgewicht) auf 1,45 € zurückgefallen. Von einer Margenverbesserung bei den Schlachtbetrieben war aber trotzdem nichts zu hören.
Bleibt die Frage: Welchen Preis brauchen die Schlachtbetriebe, damit die Marge stimmt?










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