Ende September trafen sich auf Burg Warberg wieder Vertreter der gesamten Wertschöpfungskette Schwein zum diesjährigen Schweinehandelstag. Zahlreiche Referenten und Diskussionsteilnehmer haben einen guten Überblick über die derzeitige Situation der deutschen und europäischen Schweinebranche sowie die Zukunftsperspektiven für die nächsten Jahre gegeben. Während die deutschen Schweinehalter in den vergangenen Jahren häufig gegen die praxisfremde Agrarpolitik grüner Umwelt- bzw. Verbraucherministerinnen anzukämpfen hatten, sind durch den Regierungswechsel in verschiedenen Bundesländern in den letzten Wochen und Monaten deutliche Verbesserungen im Sinne der dortigen Schweinehalter zu erkennen. Auch wenn auf Bundesebene die endgültige Regierungsbildung derzeit noch nicht abgeschlossen ist, dürften auch hier angesichts der Mehrheitsverhältnisse im neu gewählten Bundestag in Kürze deutliche Verbesserungen für alle Schweinehalter in Deutschland zu erwarten sein.
Besonders deutlich wird die mangelnde Unterstützung durch die Bundesregierung bei der quasi nicht vorhandenen Förderung von deutschen Fleischexporten. Auch wenn eine Delegation des BMVEL, aufgerüttelt durch eine Kleine Anfrage der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, im Juni Gespräche in Japan und China geführt hat, um über den Wiedereinstieg in wichtige asiatische Exportmärkte zu verhandeln, sind Erfolge bislang nicht zu erkennen.
Wie bei der Podiumsdiskussion zu Erfahrungen aus dem Exportgeschäft auf Burg Warberg deutlich wurde, haben alle Fleischvermarkter mit vielfältigen Schwierigkeiten beim Fleischexport zu kämpfen. Besonders erschütternd waren für alle Podiumsteilnehmer und die Anwesenden die Aussagen des Vertreters des BMVEL, der die Problematik scheinbar erst jetzt erkannte und sich eigentlich gar nicht zuständig fühlte…
Vor der Bundestagswahl hatte die CDU angekündigt, nach einem Wahlsieg im BMVEL eine Stabsstelle für Exportförderung einzurichten. Es ist zu hoffen, dass bei den noch anstehenden Koalitionsverhandlungen diese begrüßenswerte Verbesserung nicht im Verhandlungspoker untergeht.
Aus unserer Sicht ist es dringend erforderlich, Veterinärabkommen mit Japan und China zu schließen. Damit könnten auch für deutsche Vermarkter die asiatischen Märkte erschlossen werden. Beispielsweise sind in China Teilstücke vom Schwein gefragt, die in Europa häufig nur als Nebenprodukte verwertet werden können, wie beispielsweise Pfoten, Schwänze oder Ohren. Mit dem Export dieser Teilstücke ließe sich die Wertschöpfung der deutschen Schweineproduktion erheblich verbessern: Marktexperten haben eine potentielle Erlössteigerung von 3 bis 5 Euro pro Mastschwein errechnet!
Bei den Schlachtunternehmen sind in den letzten Jahren durch Unternehmensverkäufe und Unternehmenszusammenschlüsse, aber auch durch Expansionen immer leistungsfähigere Unternehmen entstanden. Diese Betriebe haben sich von reinen Schlachtbetrieben verstärkt zu Zerlege- und Verarbeitungsbetrieben entwickelt, die auch in der Lage sind, große Mengen bestimmter Teilstücke oder Convenience-Produkte an den Lebensmitteleinzelhandel zu liefern.
Diese Marktstellung darf jedoch nicht dazu führen, dass der Preisdruck von Seiten der Fleischabnehmer uneingeschränkt an die Landwirte weitergegeben wird. Die Schlachtunternehmen müssen ihre Marktposition auch dazu nutzen, dem Preisdruck des Lebensmitteleinzelhandels entschieden entgegenzutreten und ein für alle Marktpartner akzeptables Preisniveau zu erzielen.
Bei der Podiumsdiskussion auf Burg Warberg zur Preisbildung am Schlachtschweinemarkt wurden die unterschiedlichen Auffassungen der Handelspartner von einer marktgerechten Preisfindung sehr deutlich. Von den Vertretern der Schlachtunternehmen auf dem Podium, Erich Gölz von Vion, Josef Tillmann von der Firma Tönnies und Heinz Gausepohl von Gausepohl Fleisch, wurden wieder einmal viele wünschenswerte Perspektiven genannt, wie beispielsweise eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Landwirten, möglichst geringe Preissprünge und das Ziel möglichst hoher Schlachtschweinepreise.
Wer jedoch die Praxis kennt, weiß, dass dies in der Regel nur leere Worthülsen sind. Beispielsweise wurden allein in diesem Jahr von den großen Schlachtbetrieben schon sechsmal Phasen mit einem etwas umfangreicheren Schlachtschweineangebot dazu ausgenutzt, Preisdiktate auszuüben und die Preise überdeutlich nach unten zu katapultieren.
Auch am vergangenen Freitag erinnerte man sich bei den beiden großen Schlachtunternehmen schon nicht mehr an die eigenen Aussagen vom Dienstag bzw. Mittwoch und man forderte überdeutliche Preisabschläge beim Einkaufspreis. Selbst im europäischen Ausland stieß dieser Preisrutsch auf Unverständnis. Eine partnerschaftliche Zusammenarbeit von Schlachtbetrieben und Schweinehaltern mit geringen Preissprüngen sieht so sicherlich nicht aus!










Kommentare...