14.08.2008 RSS Feed

Schweinemarkt: Und er bewegt sich doch - ein Gastkommentar von Dr. Frank Greshake von der Landwirtschaftskammer NRW

Dr. Greshake

 

Die Pessimisten sind angenehm überrascht: Einen Schlachtschweinepreis von 1,80 €/kg Schlachtgewicht (SG) hatten viele nicht erwartet. Die Schlachtzahlen sind zwar absolut noch recht hoch, aber fallend. So wurden in Deutschland im Durchschnitt der letzten Wochen rund 850.000 Schweine in meldepflichtigen Betrieben geschlachtet, gegenüber etwa 880.000 Stück im Schnitt des ersten Halbjahres.

 

Der Inlandsmarkt nimmt aber auch die rückläufigen Mengen nicht auf. Der Einkauf inländischer privater Haushalte tendierte laut Angaben der ZMP um 3,8% rückläufig. Der Trend wird sich verstärken, wenn der Lebensmittelhandel die jüngsten Erzeugerpreiserhöhungen an einen Verbraucher weiter gibt, der ohnehin jeden Cent zweimal umdrehen muss. Die gesamte Konsumgüterindustrie – und davon bleiben auch die Lebensmittel nicht verschont – spürt die Kaufzurückhaltung der durch den Anstieg der Energiepreise gebeutelten Verbraucher. So berichten denn auch alle Schlachtunternehmen, Zerleger und Wurst- sowie Fleischwarenproduzenten von ganz schwierigen und zähen Geschäften im Binnenmarkt.

 

Aber der Export brummt. Die osteuropäischen Schweineerzeuger – ob Ferkelerzeuger oder Mäster – haben in großer Zahl die Durststrecke der letzten 1,5 Jahre nicht durchgehalten. Kleine Produktionseinheiten, veraltete Ställe, hohe Futter- und Energiekosten bei schwacher Kapitalausstattung – schlechte Karten im globalisierten Wettbewerb. So geht den ebenfalls oft veralteten osteuropäischen Schlachtunternehmen der Rohstoff aus.

Deutsche Schlachtunternehmen, vor allem die Großen der Branche, exportieren, was die Kreditlimits hergeben. Auch der Lebendexport nach Osteuropa floriert und an eine Wiederaufstockung der osteuropäischen Sauen- und Mastschweinehaltung ist bei derzeitigen Preisen noch nicht zu denken.

Hält also der Schweinepreis? Dazu drei Gedanken:

 

1. Seriöse Prognosen, bei welchem Basispreis sowohl der deutsche Verbraucher als auch die osteuropäischen Nachfrager aussteigen, gibt es im Grunde nicht. Es braucht ein paar Wochen, um nachhaltig zu prüfen, welches Preisniveau in ganz Europa langfristig durchsetzbar ist.

 

2. Noch gibt es ihn ja, den Drittlandsexport. Der war wegen des starken Euros und weltweit niedriger Schweinepreise im vergangenen Jahr deutlich rückläufig, hat sich im ersten Halbjahr 2008 wieder erholt. Bei 1,80 € wird es schwieriger.

 

3. Bis Ende August/Anfang September bleibt das Angebot saisonal knapp. Zwar sieht es nicht schlecht aus in deutschen Mastställen und die Verluste halten sich in Grenzen. Aber die Zunahmen zeigen wieder die typische sommerliche Depression. Langfristig könnte das Angebot wieder steigen.

 

Bei ordentlichen Schweinepreisen, moderaten Ferkelkosten und weniger guten Prognosen für den Getreidemarkt wird wieder aufgestallt. Vor allem in den schweinedünnen Getreideüberschussregionen waren in den letzten Monaten kleine und mittlere Stalleinheiten bei den eher klassischen Ackerbauern leer geblieben. Das ändert sich derzeit.

Fazit: Bei 1,80 € muss man sehen, dass man seine Schweine fett und zügig an den Haken bekommt. Prognosen sind da kaum mehr wert als der Kaffeesatz von gestern.

 

Dieser Kommentar erschien in Landwirtschaftlichen Wochenblatt Westfalen-Lippe Nr. 32 vom 07. August 2008

 

Im Bild: Dr. Frank Greshake, Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen



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