Schweinehaltung in Niedersachsen - Ein Auslaufmodell?
Unter diesem Titel fand am Montag in der Universität Göttingen eine interessante Podiumsdiskussion mit Niedersachsens Landwirtschaftsminister Gert Lindemann statt.
Mit auf dem Podium waren ISN-Geschäftsführer Dr. Torsten Staack, Prof. Achim Spiller (Uni Göttingen) sowie die beiden Praktiker Sauenhalter Hubert Kellner und Ökolandwirt Carsten Bauck. Initiiert und moderiert wurde die Diskussionsrunde von der studentischen Arbeitsgemeinschaft Schwein der Göttinger Fakultät für Agrarwissenschaften. Neben zahlreichen Göttinger Studenten folgten auch etliche Vertreter aus der Branche der Einladung.
Besonders groß war der Diskussionsbedarf zum vor einigen Wochen veröffentlichten niedersächsischen Tierschutzplan. Der Minister betonte, dass es vor allem darum gehe, das verloren gegangene Vertrauen der Verbraucher zurückzugewinnen. Man brauche die Akzeptanz der Bevölkerung. Ohne diese sei es künftig nicht möglich, erfolgreich Schweine zu produzieren.
Kritik für die Bestrebungen gab es von ISN-Geschäftsführer Dr. Torsten Staack: Zwar unterstrich auch er, dass man dringend am Imageproblem der Schweinehaltung arbeiten müsse. Staack wies aber auch darauf hin, dass die Niedersachsen bzw. die Deutschen nicht auf einer abgeschotteten Insel leben. Deshalb sei es wichtig, entsprechende Tierschutzanforderungen mit allen Bundesländern und auch auf EU-Ebene abzustimmen und gemeinsam weiterzuentwickeln. Alleingänge, so wie sie jetzt Niedersachsen anstrebe, seien nicht zielführend. Wichtig sei bei diesem wie auch bei zahlreichen anderen Themen die Planungssicherheit für die Schweinehalter. Beispielhaft nannte Staack das Thema Stallbau: Jeder Landkreis kreiert sich seine eigene kleine Vorschriftensammlung für Stallneubauten. Auf unserem letzten Klönabend in Cloppenburg wurde die Ohnmacht und Verunsicherung der Landwirte sehr deutlich.
Sauenhalter Hubert Kellner aus Duderstadt bemängelte, dass die breite Basis der Praktiker beim Tierschutzplan zu wenig eingebunden sei. Schließlich müssten sie ihre Produktion anpassen und seien auf den Absatz der Tiere angewiesen, der z.B. bei einem Kastrierverbot ins Stocken geraten könnte. Carsten Bauck, ökologisch wirtschaftender Landwirt aus Uelzen, begrüßte hingegen die Initiative des Ministers. Höhere Tierschutzauflagen für die konventionelle Produktion würden seiner Meinung nach den Absatz von Öko-Schweinen nicht beeinträchtigen.
Prof. Achim Spiller, Abteilung Marketing für Lebensmittel und Agrarprodukte an der Uni Göttingen, plädierte für eine Differenzierung des Angebots und die Einführung eines privatwirtschaftlich organisierten Animal-Welfare-Labels
. Nur so hätten die Produzenten die Chance, die höheren Produktionskosten einer besonders tierfreundlichen Produktion auch durch höhere Erlöse gedeckt zu bekommen. Prof. Spiller möchte dem Verbraucher mittels Labels die Chance geben, eigenverantwortlich zu entscheiden.
Sofern die freiwillige Beteiligung für die Schweinehalter gegeben ist, ziehen wir von Seiten der ISN in diesem Zusammenhang ganz klar privatwirtschaftliche Lösungen gegenüber staatlichen verordneten Mindeststandards vor.
bewertete Staack diesen Ansatz als grundsätzlich positiv, allerdings muss das auch mit einem tatsächlichen Mehrerlös für die Schweinehalter verbunden sein
so Staack weiter. Vor allem würde sich so zudem zeigen, ob es wirklich die so oft angeführte Nachfrage für solche Produkte gibt.
Angesichts der Themenvielfalt konnte auf die eigentliche Leitfrage des Abends, ob die Schweinehaltung in Niedersachsen tatsächlich ein Auslaufmodell ist, keine abschließende Antwort gegeben werden. Wohin die Reise geht wurde für Julius Aundrup, Moderator des Abends und Junge ISN-Mitglied, jedoch deutlich: Herr Lindemann möchte in Sachen Tierschutz eine Vorreiterrolle einnehmen und spekuliert darauf, dass andere Bundesländer nachziehen werden.
Die AG Schwein ist eine von vier studentischen Arbeitsgemeinschaften an der Fakultät für Agrarwissenschaften der Georg-August-Universität Göttingen. Die Arbeitsgemeinschaften organisieren eigenverantwortlich, mit Unterstützung von Professoren und Abteilungen, Vorträge, Tagungen und Exkursionen. Neben der AG Schwein engagieren sich zahlreiche Agrarstudenten, je nach Interessenschwerpunkt, auch in den Arbeitsgemeinschaften Milchwirtschaft
, Ackerbau
und Pferd
. In den vergangenen Jahren brachte dieses Engagement zahlreiche spannende und fachlich hochinteressante Veranstaltungen zur Erweiterung des Angebotes an der Fakultät für Agrarwissenschaften hervor.














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