Gesunder Darm – gesundes Schwein, so lautete die Überschrift der beiden Schweinefachtagungen, die unter der Federführung der Agrar- und Veterinärakademie (AVA) gemeinsam von den Unternehmen deuka Deutsche Tiernahrung, Big Dutchman, Degussa und Novartis am 21. Januar in Cloppenburg und 22. Januar in Ascheberg-Davensberg im Münsterland durchgeführt wurden. Dass Veranstalter und AVA unter Leitung des Schweinefachtierarztes Ernst-Günther Hellwig genau das Interesse der Landwirte, Berater und Tierärzte getroffen hatten, zeigte sich allein schon an den Besucherzahlen. So konnten in Cloppenburg und in Ascheberg jeweils über 350 Gäste begrüßt werden.
Dr. Astrid Jensen-Atwood von der Novartis Tiergesundheit stellte die aktuellen veterinärmedizinischen Erkenntnisse zu den Erkrankungsbildern
Schweinedysenterieund
PIA/PPEvor. Gerade die unterschiedlichen Erkrankungsbilder erfordern eine intensive Nutzung der diagnostischen Möglichkeiten durch den Bestandstierarzt, damit dann die richtigen veterinärmedizinischen Maßnahmen und Verbesserungen im Management eingeleitet werden können.
Über die Möglichkeiten der Fütterung, Verdauung, Darmgesundheit und Immunantwort beim Schwein gezielt zu unterstützen, informierte Dr. Heinrich Kleine Klausing von der deuka in Düsseldorf. Für die
Darmgesundheitsind nach seinen Erfahrungen zwei Faktoren wesentlich: zum Einen die bedarfs- und verdauungsgerechte Fütterung und zum Anderen die Regulierung des pH-Wertes im Magen-Darm-Trakt. Hier hat die Wahl der Futterzusammensetzung, die Futterstruktur und die Verwendung geprüfter Futtersäuren bedeutenden Einfluss. Gerade eine hohe Verdaulichkeit der im Futter enthaltenen Stärke verringert die Anflutung von Nahrung für die Erreger der Dysenterie und PIA im Dickdarm. Für die Ferkelaufzucht sei daher auf aufgeschlossenes Getreide im Futter nicht zu verzichten, so Kleine Klausing. Die vorgestellten Fütterungsmaßnahmen sollen einen wesentlichen Beitrag zu einer
antibiotikafreien Prophylaxegegen die verbreiteten Durchfallerreger leisten.
Ernst-Günther Hellwig, Schweinefachtierarzt und Leiter der AVA, gab den Landwirten wichtige Empfehlungen aus seiner tierärztlichen Beratungspraxis. Bei Dysenterie und PIA ist nach seiner Erfahrung erst die Kombination wirksamer Medikamente mit dem Einsatz flankierender Maßnahmen erfolgsversprechend. Besonders achten soll der Schweinehalter auf die Qualität der zugekauften Tiere. Aber auch die übrigen bedeutenden Durchfallerreger in der Ferkelerzeugung und Schweinemast wie Kokzidien, Clostridien, Salmonellen und E. coli wurden von Hellwig beleuchtet und er gab den Zuhörern viele praktische Tipps mit auf den Weg.
Dass eine konsequente Hygiene im Stall Basis für einen gesunden Schweinebestand ist, stellte Martin Reimann von der Degussa heraus. Dazu gehört neben der Reinigung auch die konsequente Desinfektion mit wirksamen Mitteln, die gezielt gegen die Dysenterieerreger vorgehen. Dabei muss der Landwirt unbedingt die Gülle in die Maßnahmen mit einbeziehen. Ansonsten besteht von dort ein ständiges Reservoir für Reinfektionen. Da als Überträger der Dysenterie gerade Schadnager in Betracht kommen, müssen sie vom Stall und den Schweinen ferngehalten werden. Auch Hunde und Katzen dürfen keinen Zutritt zum Stall haben. Tierarzt und Fachberater müssen zwingend betriebseigene Kleidung und Stiefel anziehen, bevor sie in den Stall kommen. Nur die konsequente Beachtung des vollen Hygieneprogramms schützt nach einer Sanierung wirksam gegen einen Neuinfektion.
Wie Tierarzt und Landwirt heute erkrankte Schweine schnell und sicher mit den erforderlichen Arzneimitteln oral behandeln können, stellte Dr. Thomas Gnosa von Big Dutchman aus Vechta vor. Es stehen hier heute ausgereifte Techniken zur Verabreichung von Arzneimitteln über das Wasser und über das Trocken- bzw. Flüssigfutter zur Verfügung. Gemeinsam haben alle technischen Systeme, dass die Medikamente verschleppungsfrei zum Tier gefördert werden. Dazu ist für medikamentiertes Futter bzw. Wasser ein getrennter Umlauf vorgesehen. Eine gründliche Reinigung der Technik nach jedem Einsatz sollte selbstverständlich sein.
Die große Aufmerksamkeit der Zuhörer und die angeregte Diskussion zeigte, dass die Veranstalter mit dem gewählten Themen unter der Überschrift
Gesunder Darm – gesundes Schweingenau die Fragestellungen aufgegriffen hatten, die den Landwirten
unter den Nägeln brennen.










Industrie-News...