„Schwarzer Peter für die Sauenhalter!“ - Kommentar von Thomas Bröker, ISN-Beiratsmitglied und Ferkelerzeuger
Die deutsche Schweinehaltung ist nicht nur durch einen hohen Spezilaisierungsgrad gekennzeichnet, sondern auch durch das arbeitsteilige System der Ferkelerzeugung und Schweinemast. Dieses System ist nirgendwo so verbreitet wie bei uns. Doch gerade diese Arbeitsteilung bzw. die Geduld und Liquidität der Sauenhalter wird zurzeit auf eine harte Bewährungsprobe gestellt. Während die Schweinemäster und Kombibetriebe - trotz immens gestiegener Futtermittelpreise, dank billigster Ferkelpreise - einigermaßen rund kommen, wird den Ferkelerzeugern zurzeit der schmerzhafte Strukturwandel allein aufgebürdet.
Wie Dr. Franz-Josef Budde, Chefredakteur des Landwirtschaftlichen Wochenblattes Westfalen-Lippe, vor einigen Wochen in einem Kommentar feststellte, haben Wachstum und Spezialisierung in der Landwirtschaft allerdings auch die Anpassungsfähigkeit von uns Bauern verringert. In einem vielfältig strukturierten Betrieb war es zu früheren Jahren einfach, bei schlechten Ferkelpreisen ein paar Sauen weniger zu halten, dafür – wenn es sich gelohnt hat – ein paar Bullen oder Kühe mehr aufzustallen. Heute haben wir uns spezialisiert und große Ställe mit hohem Kapitaleinsatz gebaut – eine Entwicklung, zu der es angesichts der Wettbewerbssituation keine Alternative gab, stellt Herr Budde fest. Es gibt heute nur noch die Devise:
Produzieren oder aufhören – allenfalls kann ein Mäster mal ein paar Wochen mit dem Aufstallen der neuen Ferkel warten. Dann laufen ihm aber die Kosten davon. Eine schnelle, flexible Anpassung der Produktionsmenge an veränderte Marktbedingungen ist auf vielen Betrieben nicht mehr möglich. Nicht zuletzt dadurch kommt es nur zu einer schleppenden Anpassung des Angebots an veränderte Marktbedingungen mit der Folge, dass Preistäler tiefer und länger werden.Modetrend
Im Ergebnis ist bedauerlicherweise festzustellen, dass die Kosten für den landwirtschaftlichen Betrieb sehr schnell reagieren und steil nach oben gehen, auf Teilmärkten der Landwirtschaft – wie auf dem Ferkelmarkt – die Anpassung aber sehr viel zäher und langwieriger erfolgt. Dadurch eilen die Kosten den Erlösen voraus – auf einigen Märkten, so auf dem Schweinemarkt, dauert es zu lange, bis Angebot und Nachfrage wieder im Lot sind.
Sicher, auch wir deutschen Ferkelerzeuger leben nicht auf einer Insel! Und wir wissen wenn wir ins europäische Umfeld schauen, daß es dort auch nicht viel besser aussieht. Die aktuellen EU-Viehzählungsergebnisse vom April 2008 weisen einen ausgeprägten Rückgang bei den Sauenbeständen aus: Er betrug in Polen knapp 20%, in Rumänien 16% und sogar die Niederlande verzeichneten einen Rückgang von fast 7%.
In einem halben Jahr wird der Mäster den heutigen Ferkelpreisen sicher noch wehmütig hinterher hängen!
Doch in Deutschland wird mittlerweile jedes fünfte Schwein importiert und dieser
gefährdet unsere heimische Ferkelerzeugung. Denn in den vergangenen Jahren hat sich der deutsche Schweinemäster mehr und mehr von holländischen und dänischen Ferkelerzeugern abhängig gemacht. Seit 2001 hat sich der Import von Ferkeln aus Dänemark mehr als verdreifacht und erreichte im vergangenen Jahr ein Rekordniveau von ca. 3,7 Mio. Ferkeln erreichen. Aus den Niederlanden kamen rund 2,6 Mio. Ferkel zu uns. Dies entspricht einem dramatischen Anstieg um 260 % im Vergleich zu 2001. Zusammen mit den importierten Mastschweinen wurden im letzten Jahr 9,5 Mio. Schweine hierzulande geschlachtet, die nicht in Deutschland geboren wurden. Jedes fünfte in Deutschland geschlachtete Schwein hat somit einenMigrationshintergrund
.Wertschhöpfungskette Schwein
Mittlerweile gibt es in Deutschland, insbesondere im nordwestdeutschen Raum, ebenso produktive Ferkelerzeuger wie in Dänemark oder den Niederlanden, die durchaus in der Lage sind, vergleichbar große und gesunde Partien aus einem Betrieb zu liefern.
Dänische oder niederländische Importferkel rechnen sich langfristig, d.h. im Sinne einer partnerschaftlichen
für den deutschen Mäster nicht!echten Zwickmühle
Mittel- und langfristig setzen wir auf die Selbstregulierungskräfte des Marktes, die die dänischen und niederländischen Ferkelerzeuger derzeit aufgrund der deutlich höheren Fremdkapitalisierung noch stärker zu spüren bekommen als die spezialisierte deutsche Ferkelerzeugung.
Gemeinsam stecken wir Schweinehalter in einer
. Auf der einen Seite wollen wir den Verbraucher mit preiswertem und hochqualitativem Schweinefleisch versorgen, doch auf der Kostenseite schreiben wir Sauenhalterknallrote Zahlen.
Wertschöpfungskette Schweinehaltung
Damit beide Teile der
, d.h. Ferkelerzeuger und Schweinemäster auf ihre Kosten kommen, bedarf es eines Ferkelpreises von 70 Euro und eines Schweinepreises von 2 €/kg.freien Markt
Bei einem aktuellen Ferkelpreis von € 41 sind wir erst auf halbem Wege angekommen. Mit einem Preis von 1,64 €/ je kg Ferkel sind wir von einer Kosteneckung meilenweit entfernt. Damit sind Ferkel fast 10 Cent günstiger je kg als Schlachtschweine.
Ministerpräsident Christian Wulff macht mir am vergangenen Freitag beim ISN-Hoffest in Alfhausen leichte Hoffnung auf Besserung. Er lobte die Schweinehaltung als Musterbeispiel dafür, wie man auch ohne Preisstützung und Ausgleichszahlungen erfolgreich Landwirtschaft betreiben könne, trotz der schwierigen Lage der letzten Monate. Der Ministerpräsident freue sich über die jüngsten Berichte über die Belebung der Nachfrage und daher anziehende Preise. Dieses Bekenntnis zum
tragen auch wir Ferkelerzeuger, wenngleich es im Moment sehr weh tut.Eine bedingte Unterstützung ist wie verdorbener Zement,
Wir hoffen auf die aktuellen Exportinitiativen des Bundeslandwirtschaftsministerium: Russland, China, Japan, Südafrika und Süd-Korea - dies sind unsere Zukunftsmärkte, für die wir hoch qualitative und gesunde Ferkel erzeugen wollen.
Wenn die deutschen Sauenhalter und Mäster gemeinsam gestärkt aus der aktuellen Krise hervor gehen sollen, so müssen wir zu einer Einheit finden und uns gemeinsam den Herausforderungen des europäischen Marktes stellen. Und dabei ist es völlig legitim, auch die Solidarität der Mäster mit den Ferkelerzeugern einzufordern.
der nicht bindet."
Mahatma Gandhi, (1869 - 1948 ermordet)










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