06.09.2006 RSS Feed

"Schwarze Schafe im Fleischgeschäft endlich dingfest machen!" – Kommentar von Friedrich Hake, ISN-Beiratsmitglied

Hake Schon wieder ein Skandal um vergammeltes Fleisch! Vergangene Woche flog ein Münchener Großhändler auf, der über 80 Tonnen u.a. Enten-, Lamm- und Kaninchenfleisch gelagert hatte, bei dem das Mindesthaltbarkeitsdatum teilweise bereits vor ca. vier Jahren abgelaufen war.

Warum greift die Politik nicht endlich durch? Seit dem ersten Gammelfleischskandal sind inzwischen bereits neun Monate vergangen. Die zuständigen Verbraucherschutzminister sowohl auf Landes- als auch auf Bundesebene müssen dringend ihr Kompetenzgerangel beenden und an einem Strang ziehen, damit die schwarzen Schafe im Fleischgeschäft endlich dingfest gemacht werden. Denn die Verbraucher haben ein Recht darauf, dass alle Lebensmittel, die sie kaufen – egal ob im Supermarkt oder im Restaurant – gesundheitlich und hygienisch einwandfrei sind.

Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer fordert, dass der bestehende Strafrahmen in Fällen wie diesem künftig voll ausgeschöpft werden müsse und dass die Täter mit einem Berufsverbot belegt werden. Dem stimme ich aus vollem Herzen zu, denn hierbei handelt es sich nicht um ein Kavaliersdelikt. Die wirtschaftlichen Schäden, die allein dieser eine Fall nach sich ziehen wird, werden immens sein.

Denn die Verbraucher reagieren sensibel und differenzieren nicht. Obwohl in diesem Fall z.B. kein Schweinefleisch betroffen ist, strafen die Verbraucher erfahrungsgemäß Fleisch insgesamt ab. Und das trifft natürlich nicht nur die Fleischbranche, sondern schlägt bis zu uns Erzeugern durch.

Die gesamte Lebensmittelkette arbeitet seit Jahren intensiv und sehr erfolgreich daran, qualitativ und hygienisch einwandfreie Nahrungsmittel zu erzeugen. Der Aufbau des Prüfsystems für Lebensmittel, Qualität und Sicherheit (QS), ist hier nur ein Beispiel. Diese Arbeit wird durch skrupellose Geschäftemacher wie den Münchener Großhändler stark gefährdet. Und das können wir uns nicht länger gefallen lassen!

Neben einer dem Umsatz entsprechend hohen Geldstrafe, die den Tätern richtig wehtun muss, müssen grundsätzlich auch die Namen der Täter und ihres Betriebs öffentlich gemacht werden. Nur dann ist der Druck groß genug, dass sich derartige Machenschaften künftig nicht mehr lohnen und wir dieses leidige Thema endlich abschließen können.

Aber auch wir Verbraucher müssen uns an die eigene Nase fassen. Deutschland ist europaweit das Land, in dem Lebensmittel am preisgünstigsten angeboten werden. Wie ich finde, ein trauriger Rekord - zeugt er doch von einer sehr geringen Wertschätzung der Erzeugnisse, die unser täglich Brot sind. Wenn wir uns immer wieder auf das billigste Angebot stürzen, tragen auch wir unseren Teil dazu bei, den Nährboden für die schwarzen Schafe der Branche zu bereiten.




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