08.06.2010 RSS Feed

"Schwacher Euro: Chance für deutschen Schweinemarkt!" - Kommentar von Gerhard Harms, ISN-Beiratsmitglied

Gerhard Harms

Deutschland ist Exportweltmeister. Das gilt nicht nur für Autos und andere Maschinen, sondern auch für Agrarprodukte und insbesondere für Schweinefleisch.

Mit einem Selbstversorgungsgrad von rund 110% sind die deutschen Schweinehalter zunehmend auf den Export angewiesen. Der Exportanteil bei vielen Schlachtunternehmen liegt inzwischen schon bei ca. 50%.

Die europäischen Exporteure profitieren insgesamt derzeit sehr stark von der Schwäche des Euros. Dies gilt nicht nur für die verschiedenen Industriegüter, sondern gerade auch für den Fleischbereich. Und natürlich auch für den Exportweltmeister Deutschland. Am Montag, dem 07.06.2010, verzeichnete der Euro mit einem Kurs von unter 1,19 $/€ ein Rekordtief: es war der niedrigste Wert seit 4 Jahren.

 

Dass dies jedoch ein enormer wirtschaftlicher Vorteil ist, zeigt eine Meldung aus den USA: Die amerikanischen Farmer sind äußerst besorgt, dass die EU-Staaten aufgrund des schwachen Euros ihre Agrarausfuhren erhöhen und US-Lieferungen nach Europa und in andere Exportmärkte unter Druck geraten könnten.

Diese Sorge ist sicher nicht unberechtigt, denn die EU-Exporteure finden durch die Verbilligung ihrer Ware leichter Käufer auf ihren Zielmärkten. Dies gelte ganz besonders für Schweinefleisch, hieß es in der Mitteilung aus den USA.

 

Jetzt sind die deutschen Schlachtbetriebe gefordert, diese besseren Exportchancen zu nutzen und die höheren Verkaufspreise an die Schweinehalter weiterzugeben.

Schließlich hat die Bundesregierung Vorarbeit geleistet und viele Veterinärabkommen mit diversen Drittländern auf den Weg gebracht, von denen die hiesigen Schlachtunternehmen nicht nur mengenmäßig, sondern auch finanziell profitieren können.


Was ist faul im Staate Dänemark - oder doch in Deutschland?


In letzter Zeit waren die Preise für deutsche Schweinehalter nicht wirklich zufriedenstellend. Krönung der Preisentwicklung war die Kalenderwoche 19. In dieser Schlachtwoche erfolgte ein Anstieg des Preises in Dänemark, während der Preis in Deutschland unverändert blieb. Die Folge war, dass die dänische Notierung erstmals die deutsche Notierung überholte. Zwar zunächst nur um einen Cent, aber der nächste Schlag folgte umgehend: In der Woche darauf vergrößerte sich der Preisabstand auf sogar zwei Cent und das trotz eines Preisanstieges in Deutschland.

Die höheren Preisanstiege in Dänemark sind zum Teil auf die in den letzten Monaten verbesserten Exportbedingungen auf den Drittlandsmärkten durch den schwächelnden Euro/dänische Krone. zurückzuführen. Außerdem erhöhten die dänischen Schweinehalter in den letzten Jahren den Druck auf die Schlachtunternehmen, indem sie die Lebendexporte von Schlachtschweinen insbesondere nach Deutschland erhöhten, bis dato aufgrund des besseren Preises. So wurden die Schlachtunternehmen in Dänemark gezwungen höhere Preise zu zahlen um ihre Schlachthaken auszulasten.


Es stellt sich die Frage, wo der Vorteil unserer wettbewerbsorientierten Schlachtbranche im Vergleich zu der dänischen Monopolstellung von Danish Crown liegt, wenn wir am Ende niedrigere Erzeugerpreise als unsere Nachbarn im Norden haben?


In Deutschland ist ein weiterer Preisanstieg dringend nötig. Das rege Interesse der Schlachtunternehmen an schlachtreifen Schweinen spricht eine eindeutige Sprache: Der Absatz ist da! Und das muss sich auch in einem deutlichen Preisanstieg niederschlagen, denn das derzeitige Preisniveau gefährdet langfristig die deutsche Schweinehaltung.


Es ist Zeit, dass die Schlachter auch Ihr Herz für Erzeuger wiederentdecken und uns ein ordentliches Stück vom Export-Kuchen abgeben!



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